27. Januar 2015 – Schülerinnen und Schüler der Bisinger Schulen im Gedenken an die Befreiung des KZ Auschwitz vor 70 Jahren

Museum Bsingen 27. Januar 2015 -1„Einen Schlussstrich darf und kann man einfach nie darunter ziehen“

Zum siebten Mal fand eine Gedenkstunde mit Schülern der Grund-und Werkrealschule Bisingen statt. 52 Schülerinnen und Schüler der Klassen 9a/b und 10 trafen sich mich am Vormittag des 27. Januar 2015 mit ihrer Schulleiterin Andrea Jetter, Konrektor Karl-Heinz Merz und ihren Lehrern Claudia Billet-Barfuß, Rita Haimerl-Severin, Gerhard Frommer und Matthias Steck und der Vorsitzenden des Vereins Gedenkstätten KZ Bisingen, Uta Hentsch, im Museum Bisingen,

Museum Bisingen 27. Januar 2015 1aAnlass der Gedenkstunde war der 70. Jahrestag der Befreiung des KZ Auschwitz durch die Rote Armee. Imam Usak und Jana Zumpf, beide aus der Klasse 10, entzündeten nach der Begrüßung sechs kleine Kerzen als Symbol für 6 Millionen ermordeter Juden und eine große Kerze als Symbol für zig- und hunderttausende Ermordete, die nach Sicht der Nationalsozialisten „minderwertige“ Menschen waren bzw. als ‚Gegner des Nazi-Regimes’ galten. Allein die Gruppe der Szinti und Roma betrug 500.000 Opfer.

Uta Hentsch gab eine Einführung zur Thematik und erklärte die Begriffe „Holocaust“ – allgemein gültige Bezeichnung – und „Shoa“, die hebräische Bezeichnung, die „große Katastrophe – Vernichtung“ bedeutet, eine Benennung, die weitaus korrekter für den Massenmord an den Juden ist. Sie sprach auch den „Hitler-Amim al Husseini“ (Großmufti von Jerusalem) – Pakt an. Al Husseini hatte nie aufgehört, auf die „Endlösung des Judenproblems“ zu drängen, die 11.000 Europäischen Juden sollten der endgültigen Vernichtung zugeführt werden.

Museum Bisingen 27. Januar 2015 - 4 jpgNach der Einführung traten die Schülerinnen und Schüler selbst in Aktion. Sechs Antikriegslieder wurden vorgetragen, mit jeweiliger Information zur Entstehung und Botschaft der Lieder. Claudia Bilet-Barfuß, Geige, und Konrektor Merz, Gitarre und Mundharmonika gaben die musikalische Begleitung. Im folgenden die Texte zu zwei Liedern:

„Das nächste Lied – „Teach your children“ ist ein Popsong von Crosby, Nash and Young. Wir verstehen dens Titel so, dass die ältere Generation die Jugend wehr wohl über die Vergangenheit aufklären soll, auch wenn es schmerzlich ist. Immer wieder laden die Gemeinde Bisingen und der Verein Gedenkstätten KZ Bisingen Zeitzeugen ein, die aus ihrer Zeit im KZ berichten. Ein Vortrag findet immer vor ca. 100 Schülern statt, die gebannt und neugierig zuhören.“

„Mit dem letzten Lied: „So ist Versöhnung, so muss der wahre Friede sein…“ von Jürgen Wert, wird die Hoffnung auf Versöhnung und Frieden durch Vergeben und Verzeihen ausgesprochen. Der „Verein Gedenkstätten KZ Bisingen“ verhindert durch seine Aktionen, dass die Untaten der Nazis in Vergessenheit geraten und ermutigt dazu, die Versöhnung zu wagen und sich für den Frieden einzusetzen.

Museum Bisingen 27. Januar 2915 -3In einem 24-minütiger Film wurden Ausschnitten über die Auflösung des KZ Auschwitz mit sehr eindrücklichen Bildern und Zeitzeugen-Aussagen gezeigt, dem eine Zeit der Stille folgte. Die Betroffenheit der jungen Leute greifbar war greifbar.

Imam Usak meldete sich als erster zu Wort und es ergab sich daraus ein sehr guter Gesprächsaustausch.

Uta Hentsch las noch einen kurzen Text vor, nachdem eine aktuelle Bertelsmann-Studie herausgefunden hat, dass 65 Prozent der Deutschen unter 40 Jahren einen Schlussstrich unter die Geschichte des Holocaust ziehen wollen. Sie sprach die Hoffnung aus, dass die Anwesenden Schülerinnen und Schüler nicht zu diesen 65 Prozent gehören mögen.

Museum Bisingen 27. Januar 2015 -3Kommentar eines Schülers dazu: „Einen Schlussstrich darf und kann man einfach nie darunter ziehen“. Und Imam sagte: „Ich bedanke mich für eine sehr gute Unterrichtstunde zu einen Thema über das ich noch nicht so viel gehört habe – ja, ich habe heute viel gelernt und bedanke mich noch einmal.“ Eineinhalb Stunden im Gedenken und Geschichtsunterricht aus aktuellem Anlass konnten keinen besseren Abschluss finden, so Claudia Billet-Barfuß und die Vorsitzende. – Fotos: Hentsch  HoZoZei 29_____________________________

SchwaBo 28.1.15

Kirstin, Alex und Kai - 10.Klasse, Realschule Bisingen, lesen Texte, die ihre Lehrerin Doris Bames zum Thema ausgesucht hat.

Kirstin, Alex und Kai – 10.Klasse, Realschule Bisingen, lesen Texte, die ihre Lehrerin Doris Bames zum Thema ausgesucht hat.

Uta Hentsch vom Verein Gedenkstätten KZ Bisingen (rechts) und Lehereon Doris Bames am Gedenktisch in der Pausenhalle der Realschule. Foto: Wahl

Uta Hentsch vom Verein Gedenkstätten KZ Bisingen (rechts) und Lehereon Doris Bames am Gedenktisch in der Pausenhalle der Realschule. Foto: Wahl

Am Dienstag Nachmittag gab es eine Gedenkstunde in der Realschule Bisingen

 

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„Ich klage an“ – Veranstaltung aus Anlass des 70. Jahrestag der Befreiung des KZ Auschwitz-Birkenau

Plakat zum 27, Januar 2015 Museum BisingenAm 27. Januar 2015 um 19 Uhr zeigt der Verein KZ-Gedenkstätten Bisingen e.V. den nationalsozialistischen Propagandafilm „Ich klage an“, der am 29. August 1941 uraufgeführt wurde. Wegen seiner Werbung für Euthanasie zählt dieser Propagandafilm heute in Deutschland zur Gruppe der Vorbehaltsfilme und ist daher nur eingeschränkt zugänglich.

Der Film bildete den Höhepunkt der nationalsozialistischen Euthanasie-Propaganda. Absicht des NS-Regimes war es, sich Menschen, die der „Volksgemeinschaft“ zur Last fielen, insbesondere Menschen mit Behinderung und unheilbar Kranker durch Tötung zu entledigen. Primäre Gründe waren dabei ökonomische „Nützlichkeitserwägungen“. Diese Intentionen werden im Film als humane Sterbehilfe getarnt.