Ein Rückblick auf das Jahr 2015

Liebe Mitglieder des Gedenkstättenvereins KZ Bisingen,

bevor sich das Jahr dem Ende zuneigt, möchte ich mich mit Ihnen nochmals an das vergangene zurückerinnern:

Am 27. Januar zeigten wir wie im Vorjahr einen Vorbehaltsfilm, diesmal „Ich klage an“ – der sehr großen Zuschauerzuspruch hat uns ermutigt, auch das Jahr 2016 mit solch einem Film zu beginnen. Am Vormittag des 27. Januar hatten Schüler der GHW-Realschule Bisingen im Museum den Holocaust Gedenktag begangen, dem sich am Nachmittag eine Holocaust-Gedenkstunde in der Realschule Bisingen anschloss.

Am 28. Februar unternahmen wir einen Ausflug ins Haus der Geschichte nach Stuttgart zur Sonderausstellung „Fastnacht der Hölle“ – der Erste Weltkrieg und die Sinne.

Im März waren vier Vorstandsmitglieder bei der Jahrestagung der LAGG (Landesarbeitsgemeinschaft der Gedenkstätten und Gedenkstätteninitiativen) in Bad Urach anwesend.

Die nächsten beiden Veranstaltungen des Vereins wurden eingerahmt von der Ausstellung „Das doppelte Ende des KZ Natzweiler“, die vom 10.-29. April im Foyer der Hohenzollernhalle zu sehen war.

Sr. Silvia PauliAm 10. April eröffnete Bürgermeister Roman Waizenegger die Ausstellung, eingeführt in die Thematik wurde durch den Kreisarchivar Dr. Zekorn, Sr. Silvia Pauli, Schweiz, umrahmte die Veranstaltung tänzerisch.

Am 17. April referierte Johannes Czwalina aus Riehen/CH in seinem Vortrag „Das Schweigen redet“ über die Gedenkstätte in Riehen /CH und den Umgang der Schweiz mit den Flüchtlingen im Zweiten Weltkrieg sowie mit der Erinnerung daran.

Am 30. April fand die diesjährige Jahreshauptversammlung statt, bei der unsere langjährige und Gründungsvorsitzende Uta Hentsch feierlich verabschiedet wurde, und sich der Vorstand des Vereins stark verändert hat.

Am 11. Juni war Carsten Arbeiter aus Konstanz zu Gast, der „kleine Helden“ vorstellt: Helfer bei der Flucht vor den Nationalsozialisten – welche Parallelen sich hier zu unserer Gegenwart aufdrängen, hat sich manch einem erst später so ganz erschlossen.

Im August waren wir bei der Exkursion der Landeszentrale für politische Bildung, Stuttgart, in Polen mit vier Teilnehmerinnen vertreten und im September haben wir uns bei unserer Mitgliederversammlung mit der „Zukunft der Gedenkstätten“ auseinandergesetzt .

Einen letzten Höhepunkt stellte am 12. November der Vortrag von Frau Sibylle Thelen von der Landeszentrale für politische Bildung zum Thema „Völkermord in Armenien“ dar, in dem sie den Genozid an den Armeniern in die türkische und europäische Geschichte seit dem 19. Jahrhundert eingeordnet hat.

Daneben hatten wir im Laufe des Jahres 2015 knapp 200 Einzelbesucher im Museum und knapp 400 bei unseren Veranstaltungen und haben mehr als 700 Besucher durchs Museum, den KZ-Friedhof und den Geschichtslehrpfad geführt; dabei haben wir uns auch als Multiplikatoren für angehende Lehrer und Jugendguides zur Verfügung gestellt.

Allen, die hierbei mitgeholfen und bei unseren vielen Veranstaltungen und Versammlungen zu einer lebendigen Vereinsarbeit beigetragen haben haben, möchte ich an dieser Stelle herzlich danken und wünsche mir, dass wir auch im nächsten Jahr so gut harmonieren und bei der Erinnerungsarbeit zusammenwirken.

Ich möchte die Gelegenheit nicht ungenutzt lassen und an dieser Stelle gleich auf unsere nächsten Veranstaltungen und Termine hinweisen:

Am 27. Januar 2016 zeigen wir in unserer nunmehr dreijährigen Reihe einen weiteren Vorbehaltsfilm: „Hitlerjunge Quex“. Die Einführung in den Film und die Diskussion danach übernehmen unsere Vorstände Susanne Maier und Karl Kleinbach.

Am 5. März werden wir einen Ausflug zur Synagoge nach Emmendingen unternehmen, wo wir von Mitgliedern der dortigen Gedenkstätteninitiative kundig geführt werden. Dazwischen wird noch eine Mitgliederversammlung liegen, zu der wir separat einladen werden. Langfristig ankündigen möchte ich an dieser Stelle schon unsere Jahreshauptversammlung am 19. April 2016.

Nun wünsche ich Ihnen allen ein gesundes und glückliches Jahr 2016 und verbleibe für den Gedenkstättenverein KZ Bisingen

Ihr

Dieter Grupp

Baracken

 

Auch so kann man die Baracken eines Lagers präsentieren; gesehen in Gurs (Dep. Pyrénées-Atlantiques, Aug. 2015).

Über eine außergewöhnliche Begegnung – ein Londoner besucht die Gedenkstätten KZ Bisingen

Tony am Steg, Eingant zum Appellplatz und Lager - KZ Bisingen

Tony am Steg, Eingang zum Appellplatz und Lager – KZ Bisingen

Am Sonntag, 6. September 2015 erreichte mich am Nachmittag ein Anruf von Brigitta Isermeyr  von der KZ-Gedenkstätte Vaihingen-Enz. Sie erzählte von einem Besucher aus England, der am Montag, 7. September gerne nach Bisingen kommen würde, und ob ich Zeit für ihn hätte – und er sei mit dem Motorrad unterwegs.  Ja, ganz klar! – ich hatte Zeit für ihn  und so verabredeten wir einen Zeit und Treffpunkt  um 12Uhr auf dem KZ-Friedhof – das war, auf der B27 kommend, am leichtesten für ihn zu finden. Wie gut die Vernetzung der Gedenk-Initiativen im südlichen Baden-Württemberg funktioniert zeigte sich wieder einmal mehr!

Nach einer herzlichen Begrüßung an unserem vereinbarten Treffpunkt am Montag, folgte eine knapp 5-stündige Zeitreise durch die Geschichte Bisingens von August 1944 – April 1945 und mehr!  Nach dem KZ-Friedhof ging es auf den Geschichtslehrpfad und zum Abschluss ins Museum Bisingen.  Die durchaus  spannende, persönliche Geschichte von Tony Page zum Thema – und wie er u.a. das Unternehmen „Wüste“ entdeckte hat Tony mir zwei Tage später noch einmal aufgeschrieben und zugeschickt. Ich habe Teile davon aus dem Englischen übersetzt – weil es mich fasziniert hat, wie Tony gelernt hat zu „forschen und entdecken“ – und wie er letztendlich den Weg zu den Gedenkstätten Vaihingen-Enz und Bisingen realisiert hat. Es war auch für mich eine besondere Begegnung , bin ich doch im 4-Zonen-Berlin aufgewachsen, die sehr lehrreich war. Aber nun zu Tonis Bericht – er ist lang aber durchaus absolut lesenswert.  Die englische Fassung ist unten als pdf.Datei gespeichert: 

Nun, wie hat alles angefangen?

Ich bin 57 Jahre alt, britisch und meine Mutter war eine Geschichtslehrerin. Als ich aufgewachsen bin – natürlich in einer Welt, bevor das Internet existierte – wurden Fragen beantwortet, indem mir ein Buch gegeben wurde mit den Worten „schau nach“. Das freute mich ungemein, und ich lernte, wie man Grundlagenforschung durchführt. Zum Entsetzen meiner Eltern war ich von Motorrädern, Britischen Motorrädern besessen. Ich sparte mein Geld, das ich nach der Schule und am Wochenende an Arbeitsplätzen verdiente und im Alter von 16 Jahren kaufte eine 750cc Norton. Meine Eltern waren darüber absolut erschrocken und davon überzeugt, dass mich ein vorzeitiges Ende treffen würde. Ich war gut in der Schule und entschied mich für das Militär – und wurde in die Royal Marine Commandos eingeschrieben. Die Royal Marines sind ein Teil der Royal Navy, so dass ich erwartungsgemäß ‚um die Welt reisen’ würde. Stattdessen, jedenfalls zunächst, habe ich ein Jahr in Nordirland verbracht! Das war eine gefährliche Zeit (Ende der 1970er Jahre) und es war sehr, sehr hart. Nach Nordirland verbrachte ich einige Zeit in Oman und mit verschiedenen Gruppen der britischen Special Forces ausgebildet. Einer dieser Soldaten empfahl mich für eine Beförderung zu ‚BRIXMIS‘ in Deutschland. Ich hatte noch nie von BRIXMIS gehört, folgte ihm aber und entdeckte, dass es eine kleine Gruppe von britischen Militärangehörigen, stationiert in der DDR (Ost-Deutschland) war.

Die Britische Commanders‘-in-Chief-Mission (BRIXMIS) war eine militärische Verbindungsmission gegenüber den sowjetischen Streitkräften in Deutschland, die in der DDR während des Kalten Krieges betrieben wurde. Sie existierte von 1946, kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges bis zum Vorabend der Wiedervereinigung von Deutschland im Jahr 1990.

Allerdings, und vielleicht noch wichtiger ist, BRIXMIS bot einen Kanal für die Kommunikation zwischen West und Ost über seine sekundäre aber bedeutende Rolle von Verbindungen – das war der ursprüngliche Grund für die Einrichtung. Es wurde eine Vereinbarung zwischen den drei Siegermächten gegründet zur militärischen Kommunikation mit einer der anderen drei Siegermächte, BRIXMIS der britische Part in der sowjetischen Zone   – und die Sowjetäquivalent in der britischen Zone war SOXMIS (Anmerkung Uta Hentsch: „Soviet Military Mission BAOR“)

Ein Team von bis zu einem Maximum von 31 britischen Soldaten wurden in dem Mission House mit Sitz in Potsdam stationiert und hatte Reisefreiheit und Bewegung (mit Ausnahme bestimmter Bereiche mit Zugangsbeschränkung) in der gesamten DDR. Wir trugen unsere britischen Militäruniformen und fuhren in deutlich gekennzeichneten identifizierbaren Fahrzeuge – Range Rover, Mercedes G-Wagen und Opel Senators. Wir waren unbewaffnet und hatten keine Funkgeräte; stattdessen führten wir Hefte und Stifte, Tonbandgeräte und Leica Kameras. Jede ‚Einsatz‘ dauerte 11 Monate und obwohl nie offen erklärt, diese Verbindungs​rolle präsentierte auch eine ideale Gelegenheit für das Sammeln von militärischen Nachrichten durch Aufklärung und Überwachung und die gelegentliche „Anleihe“ von militärischem Material. Diese Gelegenheit wurde von beiden Seiten vollständig genutzt. BRIXMIS war ideal positioniert, um von seiner privilegierten Position hinter dem Eisernen Vorhang ‚die Temperatur“ der sowjetischen Absichten zu testen. Allerdings, und vielleicht noch wichtiger, es bot einen Kanal für die Kommunikation zwischen West und Ost über seine sekundäre aber bedeutende Rolle von Verbindung ​​– dem ursprünglichen Grund für die Errichtung.

„Ich habe drei solcher Einsätze“ mitgemacht“,

Teil unserer Arbeit war, zu versuchen und zu entdecken, was da in den verschiedenen ehemaligen WW2 Bunkern und unterirdischen Fabriken in der Nähe der innerdeutschen Grenze, zuzüglich der großen ehemaligen Tunnelanlagen rund um Ost-Deutschland vor sich ging. Um dies zu tun, warteten wir auf die Versorgungszüge und Fahrzeugkonvois, fotografierten und listeten Details von dem, was unterirdisch gemacht wurde.

Ich war von diesen unterirdischen Plätzen fasziniert und war erstaunt, wie viele es ihnen von ihnen gab. Ich verbrachte meine freie Zeit zur Erforschung der Geschichte solcher Orte und erfuhr, dass die Nazis Zwangsarbeiter verwendeten, um diese Anlagen schnell zu bauen. Meine Amateur-Forschungen gingen alle in ein ständig wachsenden Notebook (denken Sie daran, dies war der Anfang der 1980er Jahre, es gab kein Internet) und meine Karte von Deutschland (Ost und West) war mit Stiften bedeckt, die ‚Plätze von Interesse‘ bedeckten. Meine drei BRIXMIS Touren waren nicht gleichzeitig; zwischen jeder Tour war ich anderen weltweiten Operationen zugeordnet, einschließlich des Falkland-Konflikts.

Während meiner Zeit auf den Falkland-Inseln im Jahr 1982 arbeitete ich mit SAS (Special Air Service – UK Special Forces) Soldaten. Ich freundete mich mit zwei von ihnen an, die mich, nachdem der Konflikt vorbei war, zu ihrer Hereford Basis (HQ) einluden. Ich sah Fotos, auf denen die SAS-Soldaten in einer Parade ‚irgendwo in Frankreich“ marschierten. Ich war fasziniert, denn SAS Soldaten sind sehr geheimnisvoll und marschieren nie in Paraden. Meine Fragen wurden in der gleichen Weise, wie die an meine Mutter antwortet – mir wurde gesagt, „schaue nach“. Aber wie? SAS Operationen arbeiteten verdeckt (geheimen) und werden einfach nie diskutiert, auch gegenüber Royal Marines! Allerdings habe ich „nachgeschlagen“ und entdeckt, dass im Jahr 1944 (August bis Oktober) eine kleine Einheit der britischen SAS Commandos in den Vogesen in der Nähe von einem kleinen Dorf namens Moussey im Rabodeau Tal mit dem Fallschirm deutsche Konvois in Richtung Nord-West nach dem D-Day angriffen. Den Deutschen wurde schnell ihre Präsenz bewusst  und sie führte Großeinsätzen um die SAS-Einheit zu lokalisieren zu zerstören.

Die SAS patroullierte aggressiv, mit Sabotageanschlägen und Feuergefechten und überzeugten die Deutschen, dass sie sich gegen eine viel größere Kraft, als es eigentlich gedacht war, zu widersetzen hatten. Die Deutschen, die nicht in der Lage waren, die SAS-Basis zu finden, waren sich bewusst, dass sie ohne die Hilfe der lokalen Bevölkerung, keine Informationen über die Lage der SAS- Lager erhalten könnten. Alle männlichen Bewohner von Moussey im Alter zwischen 16 und 60 Jahren, insgesamt 210 Menschen wurden festgenommen. Nachdem sie verhört waren, wurden sie ins KZ Natzweiler-Struthof transportiert, von ihnen kehrten nach dem Krieg nur 70 zurück.

Das SAS-Regiment vergaß das nie. Niemand hatte die Deutschen informiert, wo der SAS versteckt war, informiert und viele Dorfbewohner nahmen enorme Risiken auf sich, um die britischen Soldaten zu unterstützen und zu ernähren. Dafür verloren Moussey und die umliegenden Dörfer einen großen Prozentsatz von ihren Männern.

Die Märtyrer der Deportationen

Die Märtyrer der Deportationen

Ich musste einfach dorthin gehen. Ich musste dieses kleine Dorf, das so viel gegeben hatte, um die Sache der Freiheit angesichts der extremen Risiken weiter zu verteidigen, zu sehen.Ich machte den ersten von vielen, vielen Besuchen auf meinem Motorrad und im Laufe der Jahre konnte ich Freundschaften mit einigen der Dorfbewohnern schließen, von denen einige die Kriegsaktivitäten und SAS erlebt hatten. Im Jahr 2009 begleitete ich einen der WW2 SAS-Soldaten – Len Owens – und seine Familie zu seinem letzten Besuch von

Gedenkstele in Moussey, Frankreich

Gedenkstele in Moussey, Frankreich

Moussey. Die Dorfbewohner hatten einen großen Empfang für Len angeordnet und es gab Paraden und Filmvorführungen vom Französischen Militär. Eine kleine Gruppe aktueller SAS Soldaten schlossen sich uns dort an, und große Freundlichkeit wurde uns allen von den Dorfbewohnern entgegen gebracht.

Es war zu dieser Zeit, dass ich Gerard Villemin, lokal ansässig in Moussey, kennen lernte. dessen Vater war einer von denen, die für die Verweigerung von Angaben des SAS ins Lager deportiert wurden. Gerard war seinem Vater nie begegnet…

Gerard organisiert einen Verein zur Erinnerung an diejenigen, die aus dem Rabodeau Valley) deportiert wurden und hält Kontakt mit allen Interessierten über regelmäßige Beiträge auf der Website. (siehe http://www.resistance-deportation.org/)

Im Frühjahr dieses Jahres (2015) las ich in einem Update von Gerard, wie entdeckt worden war, dass einige der Moussey und Rabodeau Tal Deportierten aus dem KZ Natzweiler-Struthof, in verschiedene Nebenlager südlich von Stuttgart deportiert wurden. Offenbar war ein Register (Namen Buch) gefunden worden, das alle KZ Häftlinge und ihre Schicksale in Reihenfolge enthielt, einschließlich derer, die in die

An der Ölschiefer-Abbaukante mit Info-Tafel

An der Ölschiefer-Abbaukante mit Info-Tafel

Außenlager gebracht wurden. Durch weitere Grundlagenforschung und Lesen lernte ich ein wenig über das Unternehmen „Wüste“ – mit dem letzten verzweifelten deutschen Versuch, in den letzten Tagen des 2. Weltkrieges, dringend das benötigte Öl aus Schiefergestein im schwäbischen Hügelland rund um den Bereich Bisingen, zu gewinnen.

Trotz meines ständig wachsenden Notizbuch (jetzt auf dem Computer natürlich) auf dem 2. Weltkrieg, U-Websites und zugehörigen Konzentrationslagern, Arbeitslagern, Unterlagern usw. gespeichert wareb, hatte ich noch nie über dieses „Unternehmen „Wüste“ ‚gehört. Ich musste alles darüber wissen, zumal es die Familien von Moussey und meinen französischen Freund Gerard betraf.

Ich plante eine Reise, mit dem Motorrad natürlich aus England zum „Unternehmen Wüste‘ – Gebiet Ende August 2015, um eine Woche lang zu erkunden und hoffentlich einige Spuren dessen zu finden, was in den dunklen Tagen von Ende 1944 bis Mai 1945 geschehen war…

Wie bei solchen Reisen üblich ist, liegt alles an der Vorbereitung: Perfekte Vorbereitung verhindert schlechte Leistung. Ich surfte im Internet nach Informationen und begann eine große Menge an Material über die „Wüste“, geprüft durch meine KZ-Dateien und Datensätze, auszudrucken und war schließlich bereit für die Reise. Ich markiert alle Seiten, die ich finden wollte (nicht wissend, ob es in der Tat nichts mehr zu sehen gibt) auf meinem großen Karte und konsultiert meine Liste der KZ Standorte, um zu sehen, ob etwas auf meiner Route oder in der Nähe lag.

Es gab: Das KZ Vaihingen-Enz.

Also, zufällig, an einem Sonntagnachmittag (6. September 2015) kam ich im KZ-Museum in Vaihingen-Enz auf meinem Motorrad an, und fand es geöffnet. Die Ausstellung war sehr interessant für mich, und die (englischsprachige) Anleitung von Brigitta Isermeyer war sehr hilfreich. Sie nahm mich auch zum Tunnelluftschutzbunker und den Friedhof mit, von denen ich allein keines gefunden hätte. Aber zum Glück war es ein Sonntag und das Ausstellungsgebäude war offen.

Nach einem ausführlichen Besuch, der einige Stunden dauerte, habe ich Brigitta meine Ausdrucke in Bezug auf „Wüste“ gezeigt, und sie schlug vor, dass ich Bisingen besuchen und Uta Hentsch treffen solle, die, versicherte sie mir, sich sehr freuen würde, mir die verschiedenen ‚Wüste“–Orte in Bisingen zu zeigen, die mit den letzten acht Monaten des 2. Weltkrieges verbunden sind. Sie hatte mit Uta telefoniert und verabredet, uns am nächsten Tag mittags auf dem KZ-Friedhof in Bisingen zu treffen.

Am nächsten Mittag traf ich Uta und so begann ein faszinierender Tag in Bisingen.

Tony erkundet die Hydrierungsanlage

Tony erkundet die Hydrierungsanlage

Uta verbrachte den ganzen Nachmittag geduldig damit, mir das ganze, zum Scheitern verurteilte Projekt zu erklären und führte mich zu allen Plätzen in Bisingen, die mit den letzten acht Monaten des 2. Weltkrieges verbunden sind. Ich stellte Fragen stets als wir mit dem kreisförmigen Hügel Spaziergang rund um den Besuch der KZ Bisingen Friedhof, die ehemaligen KZ-Gebiet PICT7308selbst, Standort der Ölschiefer Produktionsstätte, wo der Geruch des Öls noch verweilte 70 Jahre danach. Sie freundlich öffnete das Museum in der Stadt für mich, die eindrucksvollen und nicht zu vergessen ist.

Ich möchte hier sagen, dass ich bin sehr dankbar, in der Tat, um Uta Hentsch und Brigitta an KZ Vaihingen-Enz, ohne die ich nicht sehr viel vor Ort zu Operation Desert gelernt oder fand die Hälfte der relevanten Seiten haben. Die Anstrengungen von Leuten wie Uta Hentsch und Brigitta Isermeyer sind hervorragend; unbezahlten Freiwilligen alle, sie sind ein Pluspunkt für diejenigen, die gelitten und starben zu Tausenden in diesem, ein völlig verrückt und sinnlos verurteilt Projekt von einem verzweifelten deutsche Oberkommando in den sterbenden Monaten des 2. Weltkrieges durchgeführt.

Tony Page vor dem Museum Bisingen

Tony Page vor dem Museum Bisingen

Was ich von Uta lernte konnte ich auf meiner ‚Desert‘ Mission fortsetzen und meine Fragen an die richtigen Leute in weiteren Orten und Dörfern zu ‚Desert‘ verbinden. Ich hatte meine Liste mit Standorten und traf den Archivar von Balingen Dr. Hans Schimpf-Reinhardt, verbrachte einen Tag in den Archiven, und dann – durch ihn – ein Tag mit dem unbändigen Immo Opfermann von Schömberg durch den ich noch mehr gelernt habe.

Vielen Dank an alle, die mir geholfen.

Tonys  Beitrag in englischer Sprache: Tony Page, London, and the memorials of KZ Bisingen on Sunday September 6, 2015

Fotos: Tony Page und Uta Hentsch

Mitglieder des Gedenkstättenvereins Bisingen auf Exkursion in Polen

Bericht für die Presse von Ines Mayer, stellv. Vorsitzende vom Vereine Gedenkstätten KZ Bisingen

Vor dem Mahnmal des ehemaligen Konzentrationslagers Auschwitz-Monowitz: (v.l.) Ines Mayer, Verena Lohr, Franziska Blum und Verena Grünhoff vom Verein Gedenkstätten KZ Bisingen

Vor dem Mahnmal des ehemaligen Konzentrationslagers Auschwitz-Monowitz: (v.l.) Ines Mayer, Verena Lohr, Franziska Blum und Verena Grünhoff vom Verein Gedenkstätten KZ Bisingen

Es war keine einfache Reise, die vier Mitglieder des Vereins Gedenkstätten KZ Bisingen – darunter zwei Jugendguides – gleich zu Beginn der Sommerferien antraten. Auf Einladung der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg ging es zusammen mit Vertretern anderer Gedenkstätteninitiativen für fünf Tage nach Oświęcim und Krakau. Gleichwohl stellte die bestens vorbereitete und begleitete Exkursion eine gewinnbringende Fortbildung und Horizonterweiterung für die Teilnehmer dar und ermöglichte überdies eine Intensivierung der Kontakte zu den Kollegen aus den anderen südwestdeutschen Gedenkstätten.

Führung Auschwitz Stammlager

Führung Auschwitz Stammlager

Mehr noch: In der Begegnung mit polnischen Gedenkstättenpädagogen und Freiwilligen von „Aktion Sühnezeichen“ konnten andere Ansätze kennen gelernt und die eigene Arbeit reflektiert werden. Ein Highlight war hier zweifellos der Gesprächsabend mit Krystyna Oleksy, der langjährigen Direktorin der Gedenkstätte Auschwitz, die den Exkursionsteilnehmern fast drei Stunden lang Rede und

Jugend-Begegnungstätte Oswiecim

Jugend-Begegnungstätte Oswiecim

Antwort stand und sie an ihren reichhaltigen Erfahrungen teilnehmen ließ. Dabei wurde zum einen die politische Dimension der Gedenkstätte deutlich, aber auch die Problematik einer angemessenen Erinnerung, bis hin zu der Frage, was eine Ausstellung über ein Konzentrations- und Vernichtungslager zeigen darf und was nicht.

Dass sich die Erinnerungskultur mit der Zeit wandelt, weiß man auch in den baden-württembergischen Gedenkstätten mit ihren unterschiedlichen und wechselvollen Geschichten. In Auschwitz bedeutete vor allem der Zusammenbruch des Ostblocks eine tiefe Zäsur, indem Opferzahlen und ideologische Deutungen korrigiert werden mussten. Über die damit verbundenen Kontroversen berichtete Krystyna Oleksy offen und mitreißend.

Natürlich standen die Führungen im ehemaligen Stammlager Auschwitz I sowie in Auschwitz II/Birkenau im Zentrum des Aufenthalts in Oświęcim. Ein kurzer Abstecher führte auch zum Standort des ehemaligen Lagers Auschwitz III/Monowitz, das extra für die Buna-Werke der IG Farben AG errichtet wurde und in dem unter anderem der später ins KZ Bisingen deportierte ungarische Jude Otto Gunsberger Zwangsarbeit leisten musste. Heute erinnert nur noch ein Mahnmal an den früheren Lagerkomplex.

Rindgang Kazimierz

Rindgang Kazimierz

In Krakau konnten die Reiseteilnehmer zum Abschluss noch zwei Tage lang das moderne Polen kennenlernen. Daneben gab es aber auch eine ausgedehnte Führung durch das ehemalige jüdische Stadtviertel Kazimierz sowie durch den Stadtteil Podgórze, wo sich ab 1941 das hermetisch abgeriegelte jüdische Ghetto befand. Dabei wurde auch das Gebäude von Oskar Schindlers Emaillefabrik in der Lipowastraße 4 besichtigt, dem der Regisseur Steven Spielberg 1993 mit dem Film „Schindlers Liste“ ein Denkmal gesetzt hat. Heute befindet sich dort ein historisches Museum, in dessen Eingangsbereich die Fotos der rund 1200 von Schindler geretteten Juden ausgestellt sind.

Im Flieger zurück nach Stuttgart sollten die Teilnehmer eine schriftliche Bilanz der Exkursion verfassen. Die vier Bisinger waren sich dabei einig: Die in Polen gesammelten Eindrücke und Ideen werden die eigene Erinnerungsarbeit noch lange befruchten.Neue Eindrücke und Ideen - HoZoZei 14. August 2015 Kopie

 Link Schwarzwälder Bote:  In Polen die eigene Arbeit reflektiert

„Hochbetrieb“ in der Gedenkstätte KZ Bisingen

Bericht von Ines Mayer, stellv. Vorsitzende „Gedenkstätten KZ Bisingen e.V.“

Zwischen Ostern und den Sommerferien kommen besonders viele Besucher nach Bisingen, um den Geschichtslehrpfad und das Museum zu erkunden. In der Regel handelt es sich dabei um Schulklassen aus der näheren und weiteren Umgebung oder auch Erwachsenengruppen, wie unlängst der Mössinger Denkmalverein. In der vorigen Woche besuchten darüber hinaus drei weitere Gruppen die Gedenkstätte.

Den Auftakt machte das Seminar für Didaktik und Lehrerbildung Tübingen, das wie jedes Jahr mit einer Gruppe Geschichte-Referendare und ihren Fachleitern anreiste. Im Rahmen ihrer Exkursionstage waren die Lehramtsanwärter auch in der ehemaligen Synagoge Haigerloch und in der Gedenkstätte Bisingen. Hier interessierten sie sich vor allem für Möglichkeiten, das Thema KZ Bisingen bzw. „Unternehmen Wüste“ im Unterricht einzusetzen. Dies ist mit Hilfe zweier Publikationen der Landeszentrale für politische Bildung und dem vom Vorsitzenden des Gedenkstättenvereins Dieter Grupp erarbeiteten Unterrichtsmodul für den Landesbildungsserver gut zu bewerkstelligen. Die Referendare waren denn auch begeistert von den vielfältigen Angeboten in Bisingen. Sicher wird aus diesem – wie aus den früheren – Kursen der eine oder andere später als Lehrer mit seiner Schulklasse wiederkommen.

Die Projektgruppe des TG Balingen auf dem Geschichtslehrpfad.

Die Projektgruppe des TG Balingen auf dem Geschichtslehrpfad.

Wenige Tage später war eine Schülergruppe des Technischen Gymnasiums Balingen vor Ort, die während der dortigen Projekttage die „regionale Geschichte erkunden“ wollten und sich neben Exkursionen nach Haigerloch, Lautlingen und Tübingen auch ganz explizit einen Besuch der Gedenkstätte Bisingen gewünscht hatten.

Den krönenden Abschluss der ereignisreichen Woche bildete der Jugendguide-Workshop, der am Samstag ganztägig im Museum und auf dem Geschichtslehrpfad stattfand. Mittlerweile im vierten Jahr bildet der Tübinger Kreisarchivar Dr. Wolfgang Sannwald in Kooperation mit dem Jugendamt sowie Schulen und Gedenkstätten in der Region Schüler und Studenten zu Jugendguides aus. Nach einer Qualifizierungsphase von Pfingsten bis Anfang November entscheiden sich die Jugendlichen für eine Gedenkstätte. In Bisingen sind inzwischen fünf solcher Jugendguides – vor allem bei Führungen – im Einsatz. Zwei davon engagieren sich sogar im Vorstand des Gedenkstättenvereins: Jannik Bitzer als Kassierer und Verena Lohr als Schriftführerin.

Bei dem Workshop im Museum erarbeiteten die Teilnehmer – nach einer historischen Einführung durch Dieter Grupp – in Kleingruppen verschiedene Themenbereiche: das Ölschieferprojekt, die Dorfbevölkerung, die Opfer und die Täter. Die anschließenden Präsentationen wurden mit der Videokamera aufgezeichnet und im Plenum besprochen, den Referenten eine Rückmeldung zu ihrem Auftreten gegeben.

Beim Jugendguide-Workshop im Museum: Die Teilnehmer präsentieren ihre Ergebnisse.

Beim Jugendguide-Workshop im Museum: Die Teilnehmer präsentieren ihre Ergebnisse.

Schon an diesem Vorgehen wird deutlich, inwiefern die Jugendlichen von der Ausbildung profitieren: Hier geht es um das Erlernen von Recherche- und Präsentationstechniken, die vertiefte Auseinandersetzung mit einem Thema, das nach Ansicht der jungen Leute in der Schule meistens „zu kurz kommt“ und nicht zuletzt um Persönlichkeitsbildung.

In den Gedenkstätten freut man sich jedenfalls sehr über die engagierten Jugendguides. Auch der hiesige Verein hofft darauf, dass sich einer oder vielleicht sogar mehrere der Workshop-Teilnehmer für eine Tätigkeit in Bisingen entscheiden und das bereits vorhandene Team verstärken werden.

Beim Jugendguide-Workshop im Museum: Die Teilnehmer präsentieren ihre Ergebnisse.

Beim Jugendguide-Workshop im Museum: Die Teilnehmer präsentieren ihre Ergebnisse.

Hohenzollerische Zeitung  4.8 2015 - Engagiert füe das Einnern

AG-Spurensuche und Schüler-Aktion auf dem Geschichtslehrpfad Bisingen


Wer geht mit uns auf SpurensucheSeit dem 18. September 2008
besteht eine Arbeitsgemeinschaft im Rahmen des Ganztags-Schulprojekts beider Schulen in Bisingen, In der Realschule Bisingen hat sich der Verein „Gedenkstätten KZ Bisingen im Sommerhalbjahr achten Mal mit der „AG-Surensuche“ – Bisingen in der Zeit von August 1944 – April 1945 – beteiligt. Zu verschiedenen Themen können sich die Schüler jeweils eintragen, der Besuch der jeweiligen AG unterliegt dann jedoch der Anwesenheitspflicht. Die Schülerzahl der Klassen 6 und 7, die sich für unsere AG-Spurensuche jeweils eintrugen, schwankte in den acht Jahren zwischen 14 und 8 Schülern.

An dieser Stelle möchten wir dem mit Ende des Schuljahrs 2014/2015 ausgeschiedenen Rektor der Realschule Bisingen, Christhard Tröger, für die gute Zusammenarbeit mit dem Verein „Gedenkstätten KZ Bisingen“ danken. Eine jährliche Veranstaltung zum 27. Januar und die alljährlich wiederkehrende „Säuberungsaktion“ auf dem Geschichtslehrpfad in der letzten Woche vor den Sommerferien sind zu festen Einrichtungen geworden. Es ist gut zu wissen, dass diese gute Zusammenarbeit auch künftig weitergehen wird. – Uta Hentsch

Franziska Blum hat für das Bisinger Nachrichtenblatt einen kleinen Bericht geschrieben, der hier nachzulesen ist:

Schüler-AG „Spurensuche“ – KZ Gedenkstättenverein in der Realschule

AG-Spurensuche Somerhalbjahr 2015 - Warum helfen Menschen?← Fotos von Franziska Blum Museum und Verein KZ Gedenkstätten gestalteten im zweiten Schulhalbjahr in der Realschule Bisingen zum achten Mal eine Schüler-AG „Spurensuche“, in der Uta Hentsch vom Verein und Franziska Blum als Museumsbeauftragte Schülerinnen und Schülern der Klassen 6 und 7 das Thema Nationalsozialismus und dessen Auswirkung auf die Region um Bisingen vermittelten. In diesem Jahr bot der vom Anne-Frank-Haus herausgegebenen Comic „Die Suche“ einen für Kinder und Jugendliche sehr AG-Spurensuche Somerhalbjahr 2015 - Arbei mit den Comics %22Suche%22AG-Spurensuche Sommerhalbjahr 2015 - Arbeit mit den Comics %22Suche%22 -2geeigneten Einstieg ins Thema Nationalsozialismus. Der Comic erzählt die fiktive Lebensgeschichte der deutschen Jüdin Esther Hecht, die im Rückblick auf ihr Leben berichtet wie ihre Eltern zusammen mit ihr nach der Reichspogromnacht aus Deutschland in die Niederlande geflüchtet waren. Nicht lange nach der Invasion der Deutschen in die Niederlande wurden Esthers Eltern nach Auschwitz deportiert. Esther gelang es, auf Bauernhöfen unterzutauchen und ihr Leben zu retten. Die Schüler fanden die Geschichte sehr spannend und bekamen gleich zu Anfang einen guten Überblick über die wichtigsten Ereignisse in der Zeit des Nationalsozialismus.

Weitere Programmpunkte der AG waren der Besuche der Synagoge in Hechingen AG-Spurensuche Somerhalbjahr 2015 -  Auf dem Geschichtslehtpfadsowie der Gedenkstätten des KZ Bisingen: der Friedhof, das Museum und schließlich auch der Lehrpfad mit den originalen Schauplätzen des Ölschieferabbaus und Lagers. Die meisten Schülerinnen und Schüler kannten die Gedenkstätten in Bisingen bislang noch nicht. Nur ein Schüler war mit dem Lehrpfad vertraut. „Wir gehen hier immer mit unserem Hund spazieren“, erzählte er.    –   Franziska Blum

Ergänzung mit Bildern vom Besuch der „Alte Synagoge“ in Hechingen – Foto U. AG-Spurensuche Besuch der %22Alte Synagoe%22 Hechingen am 11. Juni 2015 -PICT1440 AG-Spurensuche Besuch der %22Alte Synagoe%22 Hechingen am 11. Juni 2015 - 4PICT1442 AG-Spurensuche Besuch der %22Alte Synagoe%22 Hechingen am 11. Juni 2015 - 5PICT1457 AG-Spurensuche Besuch der %22Alte Synagoe%22 Hechingen am 11. Juni 2015 - 9PICT1462 AG-Spurensuche Besuch der %22Alte Synagoe%22 Hechingen am 11. Juni 2015 - 14HentschPICT1465 AG-Spurensuche Besuch der %22Alte Synagoe%22 Hechingen am 11. Juni 2015 - 15

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Säuberungs-Aktion auf dem Geschichtslehrpfad am 27. Juli 2015 –  25 Schülerinnen und Schüler der Klasse 9a, der Realschule Bisingen hatten mit ihren beiden Lehrern, Herrn Huesfeld und Herrn Sautter, u.a. Geschichtslehrer, am Montag, 27. Juli 2015 Großeinsatz bei der Hydrierungsanlage auf dem Bisingen Geschichtslehrpfad. Mit dabei war, wie in jedem Jahr unser Vorstandsmitglied Adolf Binder. Das Wetter zeigte sich von seiner besten Seite und nach eineinhalb Stunden war der Blick, auf die Beton-Relikte wieder vollkommen frei, ein großes Dankeschön an die  „28 Super-Fleißigen Akteure“. Für die fleißigen jungen Leute gab anschließend „Süßes“ zu Stärkung. Herrn Huesfeld war es ein Anliegen, mit seiner Klasse noch die einzelnen Stationen des Geschichtslehrpfads zu besuchen und an den einzelnen Orten über das KZ Bisingen und das Unternehmen „Wüste“ zu berichten. Herr Sautter musste aus terminlichen Gründen zurück in die Schule.

Es kam en für mich immer wieder zu kleinen Gesprächen mit den Akteuren, und zwei Kommentare sollen hier für viele Ähnliche stehen: „Dass hier im Bisinger Wald solche Dinge zu sehen sind ist ja wirklich krass“ oder „das ist wirklich eine wichtige Sache,  die wir hier machen – das hätte ich nicht gedacht“. – Uta Hentsch

27. Juli 2015SchülerInnen der Realschule Bisingen in Aktion auf dem Geschichtslehrpfad Bisingen -127. Juli 2015SchülerInnen der Realschule Bisingen in Aktion auf dem Geschichtslehrpfad Bisingen -427. Juli 2015SchülerInnen der Realschule Bisingen in Aktion auf dem Geschichtslehrpfad Bisingen -2PICT7130 27. Juli 2015SchülerInnen der Realschule Bisingen in Aktion auf dem Geschichtslehrpfad Bisingen -3PICT7137 27. Juli 2015SchülerInnen der Realschule Bisingen in Aktion auf dem Geschichtslehrpfad Bisingen -5PICT7142 27. Juli 2015SchülerInnen der Realschule Bisingen in Aktion auf dem Geschichtslehrpfad Bisingen -6 27. Juli 2015SchülerInnen der Realschule Bisingen in Aktion auf dem Geschichtslehrpfad Bisingen -827. Juli 2015SchülerInnen der Realschule Bisingen in Aktion auf dem Geschichtslehrpfad Bisingen -7PICT7153 27. Juli 2015SchülerInnen der Realschule Bisingen in Aktion auf dem Geschichtslehrpfad Bisingen -927. Juli 2015SchülerInnen der Realschule Bisingen in Aktion auf dem Geschichtslehrpfad Bisingen -1127. Juli 2015SchülerInnen der Realschule Bisingen in Aktion auf dem Geschichtslehrpfad Bisingen -12Fotos u. Hentsch

5 Jahre KZ-Gedenkstätte Hailfingen-Tailfingen

logo-kz-gendenkstaette-hailfingen-tailfingenLiebe Besucherin, lieber Besucher dieser Seite – Sie fragen sich vielleicht warum auf der Seite der Gedenkstätte KZ Bisingen gelegentlich immer wieder Berichte von anderen KZ-Gedenkstätten in der Region erscheinen. Nun, die Gedenkstätte KZ Bisingen, die Gedenk-Initiative Eckerwald  und die KZ-Gedenkstätte Hailfingen-Tailfingen sind seit der Gründung des Gedenkstättenverbunds Gäu-Necker-Alb als Verein im April 2010 miteinander eng vernetzt, und ihre Mitglieder nehmen u.a. an den jeweiligen Gedenkveranstaltungen und sonstigen Veranstaltungen teil. So findet nun auch der nachfolgen Beitrag über: „5 Jahre KZ-Gdenkstätte Hailfingen-Tailfingen“ eine Erklärung, zu der ich eine Einladung erhalten hatte, hier einen Platz_________________________!

Programm 5 Jahre KZ Gedenkstätten Hailfingen-Taifingen am 28. Juni 2015Volker Mall, der mit Harald Roth die jahrelange, ehrenamtliche Vorarbeit für Entstehung des Projekts „KZ-Gedenkstätte Hailfingen-Tailfingen“ geleistet hatte, überließ mir freundlicherweise den Beitrag von Nadine Dürr, den diese für die Presse geschrieben hatte. Ich gebe den Beginn des Beitrags hier ein – der gesamte Bericht kann in der pdf. Datei aufgerufen werden – sehr empfehlenswert zu lesen! Immer wieder beeindruckend 5 Jahre KZ-Gedenkstätte Hailfingen-Tailfingen 28. Juni 2015 - Namen-Block5 Jahre KZ-Gedenkstätte Hailfingen-Tailfingen 28. Juni 2015 Namen-Block Detailist das Denkmal in seiner Symbolik und den Namen auf dem ehemaligen Flugfeld. Wir stellen uns dabei die Spitze eines Eisbergs vor, dessen wahre Dimensionen in der Tiefe liegen – und die graue Mauer dahinter symbolisiert die Dimension der Aussichtslosigkeit – in ihrer vielfachen Bedeutung für die Häftlinge. Zu Beginn des Gedenktags gab es eine 5 Jahre KZ-Gedenkstätte Hailfingen-Tailfingen 28. Juni 2015 Führung durch die Gedenkstätte mit Birgit Kipfer, Verein Gegen Vergessen - für DemokratieFührung durch die Ausstellung der Gedenkstätte mit  Birgit Kipfer, Sprecherin für Baden-Württemberg beim Verein „Gegen Vergessen – Für Demokratie e.V.“   und um 11 Uhr dann den Festakt in der 5 Jahre KZ-Gedenkstätte Hailfingen-Tailfingen 28. Juni 2015 - PlenumBürgerhalle mit Grußworten und zwei Vorträgen – siehe nebenstehendes Programm__________!

Aus dem Trennenden wird etwas Verbindendes – Tailfingen: Ein Überlebender und zwölf Angehörige bei Feier zum fünfjährigen Bestehen der Gedenkstätte – von Nadine Dürr

Mordechai Ciechanover, mit Voker Mall und seiner Kombo

Mordechai Ciechanower, mit Voker Mall und Combo

5 Jahre KZ-Gedenkstätte Hailfingen-Tailfingen 28. Juni 2015 Mordechai CiechanoverWenn Mordechai Ciechanowers Stimme zu einem Ghettolied ansetzt, dann schimmert es durch die melancholischen Zeilen: sein bewegtes Leben, das die Erfahrungen in mehreren europäischen KZ entscheidend prägten. Gemeinsam mit den persönlichen Worten von Angehörigen der ehemaligen Häftlinge verliehen diese Lieder am Sonntag der Gedenkfeier zum fünfjährigen Bestehen der KZ-Gedenkstätte Hailfingen-Tailfingen ein sehr persönliches, authentisches Kolorit.

Eric Breuer mit Yehuda Schwarzbaum (vorne im BIld  - 14 Jahre alt - der jüngste Häftling)

Eric Breuer mit Jehuda Schwarzbaum sel. A. (vorne im Bild – 14 Jahre alt – der jüngste Häftling 1930 – 2011)

„Mein Vater war ein unverbesserlicher Optimist mit einer unglaublichen Lebensfreude. Er liebte die Menschen und war ein Inbegriff der Toleranz, obwohl er in seiner Jugend selbst den grausamsten Manifestationen der Intoleranz in der Menschheitsgeschichte ausgesetzt war“, sagte Ron Schwarzbaum vor dem Mahnmal für die ermordeten Häftlinge des KZ-Außenlagers. Auf den Stühlen vor ihm hatten elf weitere Angehörige und ein Überlebender Platz genommen. Alle wissen ihre Geschichten zu erzählen und einige ergriffen am Mikrofon das Wort.

Steve Pelcman

Steven Pelcman

In einer „Dedication Speech“ verdichtete Steven Pelcman  die Gedanken, die seinen verstorbenen Vater beim Besuch des Mahnmals möglicherweise beschäftigt hätten: „Wir stehen hier im Schatten von Millionen Juden und Nicht-Juden und fühlen den Verlust der vielen Leben. Und doch sind wir hier, um diese Leben zu feiern, denn sie gaben der Welt eine Bestimmung“, verlas er. Die Betroffenheit über das Leiden in den KZ habe über die Zeit ein neues Bewusstsein für Humanität geschaffen: „Keine philosophische Ideologie des Hasses kann sich langfristig wirklich durchsetzen.“

Dr. Fredy Kahn

Dr. Fredy Kahn, Nagold und Volker Mall

Auch Fredy Kahn, Ehrenmitglied im Gedenkstätten-Verein und Nachfahre eines KZ-Häftlings aus Baisingen, stellte Vergangenheit und Gegenwart gegenüber: „Diese Gegend erschien Tausenden Zwangsarbeitern wie die Hölle auf Erden. Für mich aber bedeutet dieser Landstrich Heimat.“ Nachdem Pfarrerin

Pfarrerin Sybille Silber von der Evang. Kirchengemeinde Tailfingen

Pfarrerin Sybille Silber von der Evang. Kirchengemeinde Tailfingen

Sybille Silber die Bedeutung der Begegnungen für das fünfjährige Bestehen

KADDISH Maurice Spicer, Mordechai Ciechanover, Dr. Fredy Kahn von li-re

KADDISH
Maurice Spicer, Mordechai Ciechanower, Dr. Fredy Kahn von li-re

hervorgehoben hatte, sprach der KZ-Überlebende Mordechai Ciechanower das Kaddisch.

Bei der Festveranstaltung am Morgen in der Gedenkstätte hatte der Vorsitzende des

Walter Kinkelin, Vorsitzender KZ-Gedenkstätten Hailfingen-Tailfingen

Oliver Schlamp, Mitglied des Vorstandes

Gedenkstättenvereins, Walter Kinkelin, die Geschichte der Entstehung des Erinnerungsorts noch einmal Revue passieren lassen. Er verdeutlichte das Konzept der Gedenkstätte als „begehbares Geschichtsbuch“, das sich in erster Linie an Schüler und Jugendliche wende. Auch in Zukunft wolle man die Arbeit weiterführen und die Gedenkstätte als „lebendigen Ort“ erlebbar machen: „Wir wollen und werden die damit verbundene Verantwortung übernehmen und auch notwendigen Diskussionen nicht aus dem Weg gehen.“

Gesamter Beitrag von Nadine Dürr: Aus dem Trennenden wird etwas Verbindendes ______________________________________________

Volker Mall Begrüßt die Anwesenden Angehörigen, nebst einer jeweilig kurzen Vita der ehemaligen Häftlinge: Anwesende Angehörige am 28. Juni 2015 in Hailfingen-Tailfingen

Eine Widmungs-Rede von Steven Pelcman, Karlsruhe (englisch): Dedication Speech – Steven Pelcman 

Grußwort – Dr. Fredy Kahn, Nagold: Grußwort – Dr. Fredy Kahn, Nagold

Ron li, und Michael Schwarzbaum

Ron li, und Michael Schwarzbaum

Ron Schwarzbaum, mit seinem Bruder Michael aus Wien angereist, erinnerte in einer kurzen, jedoch sehr bewegenden Rede zur Erinnerung an den Vater, Yehuda Schwarzbaum, mit 14 Jahren der jüngste der Hailfinger-Tailfinger Häftling.  Die Rede kann wohl ohne Abstriche als eine Liebeserklärung an den Vater bezeichnet werden – ich habe wenige wichtige Passagen notiert: „Wir hatten das Glück bei einem Vater aufzuwachsen, der die Menschen liebte und der sehr tolerant war. Wir hatten das Glück bei einem Vater aufzuwachsen, der viel Geduld hatte, obwohl er in seiner Kindheit physischen und psychischen Terror und Gewalt erlebt hatte. Er wurde vor 5 Jahren sehr krank …….. – wir danken Dir und wir vermissen Dich sehr.“

Zum Abschluss noch ein paar Impressionen von einem großartigen Tag in Hailfingen Tailfingen, aus Anlass des 5jährigen Bestehens der KZ-Gedenkstätte Hailfingen-Taifingen. Alle Bilder: Uta Hentsch

Walter Kinkelin, Dr. Fredy Kahn, Olver Schlamp. Ortsvorsteher Haillfingen, Mordechai CCiechanover, Harald Roth

Oliver Schlamp,  Dr. Fredy Kahn, Stephan Neher, OB von Rottenburg, Mordechai Ciechanower, Harald Roth – von li nach re

Harald Roth im Interview mit dem SWR4

Harald Roth im Interview mit dem SWR4

Mordechai Ciechanower und Andreas Kroll

Mordechai Ciechanower und Andreas Kroll

Gedenkarbeit am Karl-von-Frisch-Gymnasium in Dußlingen

Notwendige Korrektur des Eintrags vom 4. Juli 2015 Am 3. Juni erhielt ich eine Mail von Sebastian Kämper, Lehrer am Kark-von Frisch-Gymnasium in Dußlingen, mit nachfolgendem Inhalt: Liebe Frau Hentsch, vor einigen Jahren hatten wir im Winter Kontakt miteinander, als Sie meinem Kollegen Dieter Holzer und mir samt einigen Kollegen unserer Partnerschule in Israel (die HofHacarmel Highschool in Maagan Michael) die Bisinger Gedenkstätte und Ihre Arbeit vorstellten. Zwar haben Sie den Vorsitz mittlerweile an Dieter Grupp – einem von mir sehr geschätzten Kollegen – übergeben, dennoch würde ich Sie für ein kurzes Referat/kurze Vorstellung Ihres Erinnerungsengagements anfragen.

Die einzige Projekt-Arbeit, die am 15. Juni noch zu sehen war

Die einzige Projekt-Arbeit, die am 15. Juni noch zu sehen war

Worum geht es? Wir haben seit gut 10 Jahren in unserem Schulcurriculum fest das Geschichtsthema Unternehmen Wüste drin, an das sich verschiedene Themen angliedern, die projektorientiert von den Schülern (9. Klassen) erarbeitet und präsentiert werden. Der Nachbereitungstag war immer der Vorstellung der „Künstlergruppe“ vorbehalten, die sich mit Erinnerungsformen theoretisch wie praktisch auseinandergesetzt hat. Zusätzlich hatten wir standardmäßig ein Zeitzeugengespräch mit Mieciu Langer integriert, aus dem die Schüler immer beeindruckt gegangen sind. Leider ist ja Herr Langer verstorben, sodass dieser Zeitzeuge nunmehr nicht mehr „live“ befragt werden kann (eine Gruppe unseres Projekts befasst sich dem Buch Miecius später Bericht, das nicht mehr aufgelegt wird). Karävon-Frisch-Gymnasium GedenkarbeitSo hatte ich für den diesjährigen Nachbereitungstag die Idee, Erinnerungsarbeit in der Region vorzustellen (Formen, Geschichte, Probleme, Chancen etc.pp.). Und wer könnte dies kompetenter als Sie? Konkret: Es geht um den Montag, 15.6. 2015, ca. 10 – 12 h. Martin Ulmer von der Geschichtswerkstatt Tübingen hat auch schon zugesagt für ca. ein dreiviertel Stunde (Das Thema muss nicht sklavisch an das Unternehmen Wüste gebunden sein, d.h. Sie und Martin Ulmer könnten sich im Fall des Falles bestens ergänzen). Der Termin ist leider fix, da der betreffende Montag der Nachbereitungstag unserer Langprojektwoche ist. Die Schüler werden dann ihre Themen erarbeitet und vorgestellt sowie am 10.6. den Gedenkpfad Eckerwald und Natzweiler besucht haben. Ich würde mich sehr freuen, wenn ich Sie für diesen kleinen Vormittag gewinnen könnte. Herzliche Grüße, Ihr Sebastian Kämper, OStR, Karl-von-Frisch Gymnasium, Auf dem Höhnisch, 72144 Dusslingen _______________________! Martin Ulmer, Geschichtswerkstatt Tübingen

Martin Ulmer, Geschichtswerkstatt Tübingen

Martin Ulmer, Geschichtswerkstatt Tübingen

Max-von-Frisch-Gymnasium 15. Juni 2015 -1Max-von-Frisch-Gymnasium 15. Juni 2015 -2 Der Einladung konnte ich zusagen, und so trafen Martin Ulmer und ich am 15. Juni um 10 Uhr für eine gute Doppelstunde die SchülerInnen der 9. Klassen. zum Nachbereitungstag. Von mir selbst gab es Informationen über die Gedenkstätten KZ Bisingen (Beginn der Aufarbeitung 1982 durch eine kleine JUSO-Gruppe und ihre Arbeit danach bis zur Vereinsgründung und aktuellem Stand heute – mit begleitender Powerpoint-Präsentation) und Martin Ulmer berichtete über die Geschichte der Juden in Tübingen während der NS-Zeit und zeigte eindrückliche Ausschnitte von Zeitzeugenaussagen per DVD von Überlebenden Tübingern und Tübingerinnen.

Bleibt zu wünschen und zu hoffen, dass den SchülernInnen diese Zeit der intensiven Beschäftigung zum Thema „Vergangenheit vor der Haustür während des NS-Zeit“ für ihre Zukunft präsent bleibt Dank sei der Schulleitung des Max-von-Frisch-Gymnasiums für die Möglichkeit, ihren SchülerInnen durch solche Projektwochen die Vergangenheit, im engen Zusammenhang auch ihres räumlichen Standorts „auf dem Höhnisch“ und dem „Wüste“-Werk“ 1, bekannt werden zu lassen. Dank auch allen LehrernInnen, wie Sebastian Kämper, des Max-von-Frisch-Gymnasiums, die sich für Erarbeitung für solche Projektwochen und die fachliche Begleitung der SchülerInnen in dieser Zeit zur Verfügung stellen.

Übrigens: dass wir im Mai 2013 in Bisingen die Ausstellung „BESA – eine Sache der Ehre“ zeigen konnte hatte ihre gedankliche „Geburt“ im Max-von-Frisch-Gymnasium. Sie hatte dort Eröffnung ein Jahr zuvor. pdf. Datei: Informationen Projekt Unternehmen Wüste