WER BIST DU? Flüchtlinge im Zollernalbkeis in doppelter Perspektive

 

wer bist du 05-07-2016 10Unter diesem Motto fand am 5. Juli 2016 eine Podiumsdiskussion im großen Saal der Hohenzollernhalle statt, mit der der Gedenkstättenverein Bisingen einen wichtigen Beitrag zur politischen Kultur in der Region leistete. Rund 150 Besucher, die meisten von auswärts, waren der Einladung gefolgt und erlebten einen bewegenden und anregenden Abend.

Auf dem Podium erzählten Makieh Aarabi aus Syrien, Amanuel Teklay aus Eritrea und Mile Nikolic aus Serbien mit großer Offenheit von Fluchterfahrungen und ersten Eindrücken in Deutschland, von erlebter Hilfsbereitschaft und „Zukunftsträumen“ (Aarabi). Die „zweite Perspektive“ auf das Thema Flüchtlinge wurde vertreten wer bist du 05.07.20164 Gesprächsteilnehmer mit Holger Grebewer bist du 05.07.2016 3 Gesprächsteilnehmerdurch Axel Leukhardt, Streetworker der LEA Meßstetten, Cornelia Maas von der Alice Salomon-Schule Hechingen (ASS) und Jean Claude Canoine vom Arbeitskreis Asyl in Balingen. Empathisch und souverän moderierte Holger Grebe vom Gedenkstättenverein das Podiumsgespräch. Er war auch der Initiator und Hauptorganisator der Veranstaltung. Umrahmt wurde das Programm von drei Schülern der Waldorfschule Frommern, die mit viel Einfühlungsvermögen Auszüge aus Navid Kermanis Buch „Einbruch der Wirklichkeit“ vorlasen.

wer bist du 05.07.2016 Begrüßung Dieter GruppIn seiner Begrüßungsrede erklärte der Vorsitzende Dieter Grupp, warum der Gedenkstättenverein dieses aktuelle Thema aufgriff: „Die Antwort ist, dass wir uns nicht nur als ein historischer, sondern als ein historisch-politischer Verein verstehen – und zwar ein Verein der von zivilgesellschaftlichem Engagement lebt und sich mit gesellschaftlich relevanten Themen befasst.“ Zu Titel und Format der Veranstaltung sagte Grupp: „Die böse Fratze der Fremdenfeindlichkeit zeigt sich vor allem dort, wo man sich nicht kennt. Deshalb ist der erste Schritt, dass man sich kennenlernt, miteinander ins Gespräch kommt und sich austauscht: ‚Wer bist du?’ will hierzu beitragen und dem gegenseitigen Kennenlernen und Verständnis heute Abend einen Raum geben.“

wer bist du 05.07.2016 -3 Schüler der Waldorfschule Balingen-Frommern -2Im Anschluss stimmten die drei Waldorfschüler mit Impressionen von der Balkanroute auf die erste Gesprächsrunde ein. Von Flucht und der Situation in den Herkunftsländern war zunächst die Rede. Die Bilder des lecken Schiffes, auf dem Makieh Aarabi vor rund zwei Jahren mit ihrer Familie von Libyen aus nach Italien fuhr, verfolgten sie jede Nacht, erzählte die junge Frau. Gerade noch rechtzeitig kam Rettung durch die italienische Marine. Traumatisches berichtete auch Amanuel Teklay aus Eritrea. Mehr als zehn Jahre war er dort zwangsweise beim Militär, zweimal für jeweils über ein Jahr im Gefängnis, „in einem dunklen Kellerloch“. Bei der dritten Inhaftierung gelang ihm die Flucht. Mile Nikolic erklärte, warum er nach Deutschland kam: „Wir Roma haben in Serbien keine Rechte.“ Dass er kaum Chancen hat, hier zu bleiben, ist ihm bewusst. „Ich habe solche Angst, wieder zurück zu müssen“, sagte er. Dabei würde er in Deutschland gerne als Altenpfleger arbeiten. Auch Makieh hat konkrete Pläne. Sie will in Heidelberg Medizin studieren, hat schon ein Stipendium. Amanuel hat bereits seinen Berufsweg eingeschlagen. Nach einem Jahr in der internationalen Klasse der Philipp-Matthäus-Hahn-Schule in Balingen wird er dort und in der Firma Haug in Engstlatt zum Industriemechaniker ausgebildet. Dankbar für diese Chance begrüßte Amanuel einige seiner Balinger Lehrer, die seinetwegen zu der Veranstaltung nach Bisingen gekommen waren.

Auch die Gesprächsteilnehmer aus der „Helferszene“, wie Moderator Grebe augenzwinkernd formulierte, gaben interessante Einblicke in ihre Arbeit mit den Flüchtlingen. Ihre Schüler seien sehr motiviert und dankbar, die deutsche Sprache zu erlernen, berichtete Cornelia Maas von der ASS Hechingen. Leider werde ihre Arbeit torpediert, wenn mitten im Schuljahr Schüler aus der Klasse gerissen und abgeschoben würden. „Das ist dann immer eine Katastrophe für uns alle.“ Sie wünsche sich, dass die Schule ein „Schutzraum“ sei, die Schüler wenigstens für ein Jahr ohne Angst bleiben könnten. Von erfüllenden Begegnungen und Dankbarkeit berichtete auch Axel Leukhardt, der Streetworker aus der LEA. Letztes Jahr sei es wegen der Überbelegung oft sehr schwierig gewesen, aber inzwischen seien nur noch rund dreihundert Flüchtlinge in Meßstetten, die Verweildauer betrage nun zwei bis drei Monate, wodurch man wirklich Richtung Integration arbeiten könne. Schon ganz lange in der ehernamtlichen Arbeit mit Flüchtlingen engagiert sich Jean Claude Canoine vom Arbeitskreis Asyl. Er berichtete von der vielgestaltigen Unterstützung, die seine „Mannschaft“ in Balingen tagtäglich leiste. Ganz ausdrücklich lobte Canoine die „guten und menschlichen Behörden im Zollernalbkreis. Wir können sehr froh sein darüber.“

Zum Schluss bat Makieh Aarabi darum, einen kurzen Text vorlesen zu dürfen. Ihre Bitte um Empathie und Mitmenschlichkeit war ergreifend. Sie wünsche sich, in Deutschland ein besseres und sicheres Leben führen zu können, wolle „aktiv in dieser Gesellschaft wirken“. Vielleicht könnten die älteren Deutschen, die noch den Krieg erlebt hatten, nachempfinden, wie es sei, wenn alles zerstört werde, man alles verliere. „Bitte lassen Sie keine Vorurteile aufkommen“, appellierte Makieh an das Publikum.

wer bist du 05-07-2016 22Mit viel Applaus und dankenden Worten an die Podiumsgäste, aber auch an den Gedenkstättenverein für die mutige und wichtige Veranstaltung schloss der offizielle Teil des Abends. Aber noch lange standen zahlreiche Besuchergruppen in regen Gesprächen beisammen.

Bericht von Ines Mayer, Stellvertretende Vorsitzende

Fotos: U. Hentsch/I.Mayer – Zeitungsbericht per „Klick“ zum Lesen vergrößern oder auf den eigenen Schreibtisch ziehen

HoZoZeit 7. JUli 2016 - alles

 

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In eigener Sache – Uta Hentsch


Einladung von Landrat PauliStaufer-Medaille an Uta Hentsch -7Dass ich, Uta Hentsch,  Mitbegründerin des Vereins “Gedenkstätten KZ Bisingen”  und elfeinhalb Jahre  dessen Vorsitzende,  am 25. Januar 2016 um 17Uhr im Landratsamt Zollernalbkreis Balingen von Landrat Günter-Martin Pauli die “Staufer-Medaille” überreicht bekommen sollte, war und ist auch im Nachhinein für mich ein besonderes Zusammentreffen, feiern doch Menschen jüdischen Glaubens am 25. Januar 2016,  den Tag des “Neujahrsfestes der Bäume” – den TuB’Shwat” –  den ich sehr liebe!

An Landrat Pauli – Staufer-Medaille

Nur wer mich gut genug kennt weiß, wie sehr mich eine derartig hohe Auszeichnung für eine kurze Zeitspanne meines Lebens – ohne Abitur, ohne Studium der Geschichte, ohne je vorher intensive Beschäftigung meinerseits mit dem „Unternehmen Wüste“ am  Rande der Westseite der Schwäbischen Alb in der Zeit von August 1944 – bis April 1945, – in unglaubliches Erstaunen versetzte,  ja, mich schier aus der Fassung brachte und beinahe vom Stuhl, auf dem ich saß warf und wie sehr tief mich das bewegte

Es sollte wohl so sein, dass ich krankheitsbedingt an der Preisverleihung in Stuttgart am 1. Dezember 2015 nicht teilnehmen konnte. Dass dann die Preisübergabe in die Hände von Landrat Günther-Martin Pauli, Landratsamt Balingen, Zollernalbkreis, übergeben, und von diesem auf Montag, den 25. Januar 2016 gelegt wurde, bedeutete für mich: „Heimvorteil”,  und so konnte ich mit lieben Nachfolgern in der Arbeit „Gegen das Vergessen“ an  dieser hohen Ehrung teilnehmen.  Mein hier noch einmal am Landrat Pauli – Es war eine in allen Teilen wunderschöne, und fröhliche  Stunde, an der auch Bisingens Bürgermeister Roman Waizenegger teilnahm.  

Mein großer  Dank geht an dieser Stelle die Person, durch die ich zu solcher Ehre gebracht worden bin – und diese Person weiß, dass ich weiß, wer sie ist und darüber bin ich sehr froh!

Am Eingang zum Landratsamt - Dr. Ines Mayer, Dieter Grupp und Dr. Franziska Blum (rechts)

Am Eingang zum Landratsamt – Dr. Ines Mayer, Dieter Grupp und Dr. Franziska Blum (rechts)

Staufer-Medaille - von li nach tr Dr, J, Mayer, Uta Hentsch, Dieter Grupp

von li nach tr Dr, I. Mayer, Uta Hentsch, Dieter Grupp

von li nach re BM Waizenegger, Landrat Pauli, Uta Hentsch

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Staufer-Medaille von li nach tr Dr, J, Mayer, Uta Hentsch, Dieter Grupp, Dr. F. Blum

Staufer-Medaille von li nach tr Dr, I, Mayer, Uta Hentsch, Dieter Grupp, Dr. F. Blum

von li nach re BM Waizenegger, Landrat Pauli, Uta Hentsch -4

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Rede von Bürgermeister Waizenegger – Verleihung der Staufermedaille an Uta Hentsch

 

 

 

 

Staufer-Medaille Urkunde - 25.1.2016


HoZoZei 20 1. 2016 - VorankündigungFür VersöhnungSchwaBo -Samstag 23- Januar 2016SchwaBo 26.1.2016 - Staufermedaille -ist für das ganze Team-HoZoZei 26.1.2016 - Gegen das Vergessen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Anmerkungen_zur_Staufermedaille – .pdf

 

 

 

Ein Rückblick auf das Jahr 2015

Liebe Mitglieder des Gedenkstättenvereins KZ Bisingen,

bevor sich das Jahr dem Ende zuneigt, möchte ich mich mit Ihnen nochmals an das vergangene zurückerinnern:

Am 27. Januar zeigten wir wie im Vorjahr einen Vorbehaltsfilm, diesmal „Ich klage an“ – der sehr großen Zuschauerzuspruch hat uns ermutigt, auch das Jahr 2016 mit solch einem Film zu beginnen. Am Vormittag des 27. Januar hatten Schüler der GHW-Realschule Bisingen im Museum den Holocaust Gedenktag begangen, dem sich am Nachmittag eine Holocaust-Gedenkstunde in der Realschule Bisingen anschloss.

Am 28. Februar unternahmen wir einen Ausflug ins Haus der Geschichte nach Stuttgart zur Sonderausstellung „Fastnacht der Hölle“ – der Erste Weltkrieg und die Sinne.

Im März waren vier Vorstandsmitglieder bei der Jahrestagung der LAGG (Landesarbeitsgemeinschaft der Gedenkstätten und Gedenkstätteninitiativen) in Bad Urach anwesend.

Die nächsten beiden Veranstaltungen des Vereins wurden eingerahmt von der Ausstellung „Das doppelte Ende des KZ Natzweiler“, die vom 10.-29. April im Foyer der Hohenzollernhalle zu sehen war.

Sr. Silvia PauliAm 10. April eröffnete Bürgermeister Roman Waizenegger die Ausstellung, eingeführt in die Thematik wurde durch den Kreisarchivar Dr. Zekorn, Sr. Silvia Pauli, Schweiz, umrahmte die Veranstaltung tänzerisch.

Am 17. April referierte Johannes Czwalina aus Riehen/CH in seinem Vortrag „Das Schweigen redet“ über die Gedenkstätte in Riehen /CH und den Umgang der Schweiz mit den Flüchtlingen im Zweiten Weltkrieg sowie mit der Erinnerung daran.

Am 30. April fand die diesjährige Jahreshauptversammlung statt, bei der unsere langjährige und Gründungsvorsitzende Uta Hentsch feierlich verabschiedet wurde, und sich der Vorstand des Vereins stark verändert hat.

Am 11. Juni war Carsten Arbeiter aus Konstanz zu Gast, der „kleine Helden“ vorstellt: Helfer bei der Flucht vor den Nationalsozialisten – welche Parallelen sich hier zu unserer Gegenwart aufdrängen, hat sich manch einem erst später so ganz erschlossen.

Im August waren wir bei der Exkursion der Landeszentrale für politische Bildung, Stuttgart, in Polen mit vier Teilnehmerinnen vertreten und im September haben wir uns bei unserer Mitgliederversammlung mit der „Zukunft der Gedenkstätten“ auseinandergesetzt .

Einen letzten Höhepunkt stellte am 12. November der Vortrag von Frau Sibylle Thelen von der Landeszentrale für politische Bildung zum Thema „Völkermord in Armenien“ dar, in dem sie den Genozid an den Armeniern in die türkische und europäische Geschichte seit dem 19. Jahrhundert eingeordnet hat.

Daneben hatten wir im Laufe des Jahres 2015 knapp 200 Einzelbesucher im Museum und knapp 400 bei unseren Veranstaltungen und haben mehr als 700 Besucher durchs Museum, den KZ-Friedhof und den Geschichtslehrpfad geführt; dabei haben wir uns auch als Multiplikatoren für angehende Lehrer und Jugendguides zur Verfügung gestellt.

Allen, die hierbei mitgeholfen und bei unseren vielen Veranstaltungen und Versammlungen zu einer lebendigen Vereinsarbeit beigetragen haben haben, möchte ich an dieser Stelle herzlich danken und wünsche mir, dass wir auch im nächsten Jahr so gut harmonieren und bei der Erinnerungsarbeit zusammenwirken.

Ich möchte die Gelegenheit nicht ungenutzt lassen und an dieser Stelle gleich auf unsere nächsten Veranstaltungen und Termine hinweisen:

Am 27. Januar 2016 zeigen wir in unserer nunmehr dreijährigen Reihe einen weiteren Vorbehaltsfilm: „Hitlerjunge Quex“. Die Einführung in den Film und die Diskussion danach übernehmen unsere Vorstände Susanne Maier und Karl Kleinbach.

Am 5. März werden wir einen Ausflug zur Synagoge nach Emmendingen unternehmen, wo wir von Mitgliedern der dortigen Gedenkstätteninitiative kundig geführt werden. Dazwischen wird noch eine Mitgliederversammlung liegen, zu der wir separat einladen werden. Langfristig ankündigen möchte ich an dieser Stelle schon unsere Jahreshauptversammlung am 19. April 2016.

Nun wünsche ich Ihnen allen ein gesundes und glückliches Jahr 2016 und verbleibe für den Gedenkstättenverein KZ Bisingen

Ihr

Dieter Grupp

Baracken

 

Auch so kann man die Baracken eines Lagers präsentieren; gesehen in Gurs (Dep. Pyrénées-Atlantiques, Aug. 2015).

Neuer Besucherrekord beim Verein Gedenkstätten KZ Bisingen

Mit einem neuen Besucherrekord beschließt der Verein Gedenkstätten KZ Bisingen das Jahr 2015. Insgesamt wurden 39 Gruppen über den Geschichtslehrpfad und durch das Museum in der Kirchgasse geführt, darunter 22 Schulklassen. 17 Mal waren dabei die Jugendguides im Einsatz. Zusammen mit den sonntäglichen Einzelbesuchern im Museum und den Besuchern der drei Veranstaltungen im Januar, Juli und November kommt man damit auf eine Gesamtzahl von rund 1300 Personen

Die Zunahme bei den Schulklassen lässt sich mit dem Schneeballeffekt erklären. Seit etlichen Jahren kommen regelmäßig die Seminare für Lehrerbildung Rottweil und Tübingen mit ihren Geschichte-Referendaren zur Fortbildung nach Bisingen. Außerdem gibt es zur Gedenkstätte ein Unterrichtsmodul auf dem Landesbildungsserver, auf das Lehrer und Schüler kostenlos zugreifen können. Darin wird auch eine Lernorterkundung angeboten. Da der Besuch außerschulischer Lernorte und vor allem auch Gedenkstätten ausdrücklich empfohlen wird, sind viele Kollegen dankbar für entsprechende Angebote.

Dabei entscheiden sich immer mehr Schulen für eines der sogenannten „KZs vor der Haustür“, anstatt nach Dachau bei München zu fahren. Die späten Arbeitslager, die vor allem zu Rüstungszwecken errichtet und von einem größeren Stammlager aus verwaltet wurden – im Südwesten war das in der Regel Natzweiler im Elsass – gibt es an vielen Orten in Baden-Württemberg. Dass so viele Schulklassen aus der Region nach Bisingen kommen, liegt zum einen am umfassenden Angebot – es gibt den Lehrpfad und das Museum, zwei Informationshefte der Landeszentrale für politische Bildung, das Online-Modul und Lernmaterialien im Museum – zum anderen an der guten Verkehrsanbindung. Viele Gruppen reisen mit dem Zug an und können dann direkt vom Bahnhof, der ersten Station des Geschichtslehrpfades, zum ehemaligen Lagerstandort in der Schelmengasse und zum Schieferabbaugelände im Kuhloch marschieren.

Diter Grupp und Schüler GGS - TübingenDiese Gelegenheit nutzte im November und Dezember auch die – inzwischen wohl bundesweit bekannte – Geschwister-Scholl-Schule aus Tübingen (GSS) und kam mit der gesamten Klassenstufe 9 sowie einer zehnten Klasse nach Bisingen. In drei Tranchen und jeweils im Schichtbetrieb wurden die insgesamt sechs Klassen durch die Ausstellung im Museum und über das Gelände geführt. Die Begleitlehrer waren von der Organisation und professionellen Betreuung so begeistert, dass sie die Gedenstättenfahrt nach Bisingen nun in ihr Schulcurriculum aufnehmen, das heißt für alle 9er-Klassen verbindlich machen wollen.

Dass die GSS auf Bisingen kam, hat auch etwas mit dem Schneeballeffekt zu tun. Die Initiatorin Julia Murken engagiert sich ehrenamtlich in der Jugendguide-Ausbildung und lernte die Bisinger Gedenkstätte im Sommer anlässlich des diesjährigen Jugendguide-Workshops kennen. Nun kam sie mit sechs Klassen wieder. Der Schneeballeffekt wirkt übrigens in beide Richtungen: Einige von Julia Murkens Schülern haben sich inzwischen für den neuen Jugendguide-Kurs angemeldet.

Text und Foto: Dr. Ines Mayer

Bericht der Schüler über den Besuch auf der Homepage der Schule: Exkursion in die KZ-Gedenkstätte Bisingen

Worte des Danks von Dr. Julia Murken,  sie ist promovierte Historikerin und unterrichtet am Gymnasium der Geschwister-Scholl-Schule Tübingen: 

Liebe Verena Lohr, liebe Frau Mayer, liebe Frau Blum, lieber Dieter!

Im Namen meiner Kolleg/innen möchte ich mich nochmals ganz herzlich für die drei gut geplanten und informationsreichen Tage in Bisingen bedanken. Ich denke, es war ein nachhaltiges Erlebnis für unsere Schüler/innen. Aus Lehrersicht war es optimal, anhand eines regionalen Beispiels (wofür man also auch nicht so weit fahren musste), die Schrecken eines KZ deutlich zu machen.

Wir finden Ihr Konzept – Fußmarsch über den Gedenkpfad, kombiniert mit Museumsführung – sehr gut geeignet für Schüler der Mittelstufe! Gerade der Weg durch den Wald lässt immer wieder die Möglichkeit, das Gehörte zu überdenken, nachzufragen – oder sich auch zwischendurch legitim „auszuklinken“, was in meiner Klasse vor allem die Jungs genutzt haben, ohne dabei aber die Exkursion zu torpedieren. Die schwierige Frage der „verordneten Betroffenheit“ ist bei dieser Art von Exkursion sehr gut gelöst, finde ich.

Wir werden gerne im nächsten Jahr mit dem nächsten Jahrgang wieder kommen. Frohe Weihnachtstage und alles Gute für das neue Jahr,

Julia Murken, im Namen der Fachschaft Geschichte der Geschwister Scholl Schule Tübingen

HoZoZei Do 07. Januar 2016

 

Fastnacht der Hölle” – Ausflug ins Haus der Geschichte am 28. Februar 2015

Siehe bitte auch Vorankündigung zum April 2015 – Bild unten – mehr dazu dann ab Ende März unter „Veranstaltungen“Fastnacht der Hölle Samstag, 28 Februar 2015 Wir fahren ins Haus der Geschichte zur Ausstellung “Fastnacht der Hölle – der Weltkrieg und die Sinne”. – siehe Link unten Abfahrt: 8.50 Uhr Treffpunkt um 8.30Uhr am Bahnhof Bisingen sein – Kauf von Metropol – Tickets Rückfahrt: 13.22 Uhr Bisingen: 15.07 Uhr

Link: Fastnacht der Hölle – Der Erste Weltkrieg und die Sinne
SO NAH - SO FERN - Plakat

Mosaiksteine eines bewegten Lebens

SchwaBo 1.10Als Andrea Maute, Schwarzwälder Bote, am 4. September 2014 bei mir anfragte, ob ich zu einem Interview zur Lebensgeschichte von Shalom Stamberg bereit wäre, zögerte ich zunächst sehr. Ich hatte beide Redaktionen unserer Lokalpresse angefragt, ob ich Presseberichte zu den Besuchen von Shalom Stamberg bei uns in Bisingen übernehen dürfte und bekam „grünes“ Licht. Andrea Maute hatte über meine Anfrage durch eine Kollegin erfahren – und so kam es zu ihrer Anfrage bei mir.

Mein anfängliches Zögern überwand ich mit dem Gedanken: sag ja – das bringt dich in notwendigen positiven Druck – das wird gut sein.

Heute, am 1. Oktober  2014 erschien der Bericht von Andrea Maute im Bisinger Lokalteil des „Schwarzwälder Bote“ – und ich stelle ihn hier auf unsere Seite – so wird das den „positive Druck für mich – fest dran zu bleiben“ positiv erhöhen. 

Auf Seite 7 im werdenden Buch heißt es am Ende  in einem Vorwort von mir:  So möchte die Lebensgeschichte von Shalom Stamberg aus Haifa, Israel, als kleiner Mosaikstein in der Arbeit „Gegen das Vergessen“ einen weiteren Beitrag zur Barbarei unter dem NS-Regime ihren sehr persönlichen und wichtigen Beitrag leisten.“ 

 

Otto Gunsbergers Tochter und Enkel am Technischen Gymnasium Balingen

Techn. Gymnasium Balingen, 18. Juli 2014. Besuch der Familie con Otto Gunsberger - ehemals KZ Bisingen -2von Dr. Ines Mayer, Bisingen – Pressereferentin /  Philipp-Matthäus-Hahn-Schule Balingen

Fast 70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs gibt es kaum noch Überlebende des Holocaust. Letztes Jahr im April starb in Melbourne Otto Gunsberger, der im Frühjahr 1945 von den Lagern Auschwitz und Buchenwald kommend im KZ Bisingen Zwangsarbeit beim Schieferabbau verrichten musste.

2009 war er zum letztenmal hier und besuchte damals auch das Technische Gymnasium in Balingen. Nun möchten seine Tochter Claire Vosk und zwei seiner Enkel, Adrian und Andrew, die Mission fortführen und das Gespräch mit deutschen Schülern suchen.

Vor zwei 12er-Klassen des Balinger TGs berichtete Claire Vosk anschaulich vom Leidensweg ihres Vaters in der letzten Kriegsphase, aber auch vom Neubeginn in Australien und den eigenen Erfahrungen als Tochter zweier Holocaust-Überlebender. „Kann man in so einer Familie überhaupt eine normale Kindheit haben?“ fragt sie selbst und gibt eine bemerkenswerte Antwort: Gerade die Tatsache, dass Otto Gunsberger Schlimmes mitgemacht und viele Verluste erlitten hatte, habe ihn zu einem besonders liebevollen Vater für ihren Bruder und sie gemacht.

Wenn zuhause über den Holocaust gesprochen wurde, dann immer ohne Kollektivhass zu erzeugen, die Deutschen als Volk zu verurteilen. Im Gegenteil: Gunsberger habe immer die Menschen besonders herausgestellt, die damals geholfen hatten. Geschichte, so schreibt Gunsberger wenige Tage vor seinem Tod als Widmung in ein Buch, könne auf zwei Arten vermittelt werden: Die eine schüre Hass, die andre vermittle Toleranz. Er selbst habe sich immer der zweiten Variante verpflichtet gefühlt.

Dass diese Haltung auch auf die Enkel abgefärbt hat, zeigten die persönlichen Sätze, die der 20-jährige Adrian an die TG-Schüler richtete. Er bat sie, die Opfer des Holocaust nicht zu vergessen. Gerade in Zeiten, wo alte und neue Ressentiments aufflackern, sei eis wichtig, Frieden und Toleranz zu praktizieren, sich der Suche nach Sündenböcken entgegenzustellen. Was die TG-Schüler den Dreien am Ende mit auf den weg gaben, waren zwei einfache Worte: „Kommt wieder!“

Link zur Hohenzollerische Zeitung: „Für Frieden und Toleranz“

Techn. Gymnasium Balingen, 18.Juli 2014 Besuch der Familie von Otto Gunsberger, ehemals KZ Bisinsgen -3Techn. Gymnasium Balingen 18.7.2014 Besuch er Familie von Otto Gunsberger - ehemals KZ Bisingen -1Techn. Gymnasium Balingen, 18. Juli 2014 Besuch der Familie von Otto Gunsberger, ehemals KZ Bisingen -4Techn. Gymnasium Balingen, 18. Juli 2014. Thoughts of Otto Gunsberger and of his daughter Clair Vosk-5Techn. Gymnasium Balingen, 18. Juli 2014 - Gedanken von Otto Gunsberger und seiner Tochter Clair Vosk

Fotos U. Hentsch – per „klick“ vergrößern