Zur richtigen Zeit am richtigen Ort – zum Wasserrohrbruch im Heimatmuseum Bisingen

Mittwochvormittag, 15. Februar 2012: um 13:30h wollten sich die Museumskuratorin  der Gemeinde Bisingen, Hanne Grunert und die Vorsitzende des Vereins Gedenkstätten KZ Bisingen, Uta Hentsch,  im Rathaus Bisingen treffen um gemeinsam einen Förderantrag auszufüllen.

Da dieser Antrag noch im Büro/Archiv des Heimatmuseums lag, ging Hanne Grunert am Vormittag los um ihn zu holen und wurde der bis dahin unbeobachteten „Springflut“ aus dem Waschbecken der obere Etage gewahr. Sie hatte bereits den unteren Ausstellungsraum und die Küche „bewässert“! Per Anruf waren sehr schnell die entsprechenden Helfer der Gemeinde Bisingen zur Stelle – und einige Fotos zeigen z.B. den Wasserstand im Heizungskeller, Bereich Öltanks 10 cm +!. Weitere Details können in den beiden Zeitungsberichten nachgelesen werden. Durch die Nässe im gesamten Gebäude und die durch díe aufgedrehten Heizungen zwecks besserer Trocknung herrscht im Haus eine subtropische Atmosphäre, begleitet von nicht angenehmen „Modergeruch“.

Diese Aufnahme entstand am Sonntag, 19.02. – mir beschlug ständig die Linse  und so erkennt man sehr gut 1. den Feuchtigskeitszustand und 2. die Wölbung der Küchendecke nach unten. Küchendecke  und eine Wand der Küche müssen wohl bis zur Küchenzeile hin vollständig erneuert werden. Alle technischen Geräte im unteren Raum und Ausstellungsobjekte sind unversehrt geblieben – das ist für uns alle ein Glücksfall. Am Freitag, 24. Februar 2012 waren am Vormittag noch ein die Trockenfirma und Versicherung vor Ort – Ergebnisse sind dem vereins-Vorstand zu diesem Zeitpunkt noch nicht bekannt.

Das Heimatmuseum wird auf jeden Fall für längere Zeit geschlossen bleiben – die Zeit der völligen Trocknung der Räume benötigt etwa 4 – 6 Wochen – erst dann können die notwendigen Reparatur-/Renovierungsarbeiten  durchgeführt werden. Bürgermeister Krüger hat zugesichert, dass er „ein Auge darauf halten wird“.

Der Vorstand des Vereins „Gedenkstätten KZ Bisingen“ dankt an dieser Stelle allen Helfern der Gemeinde Bisingen für ihren schnellen Einsatz am Tag des Geschehens sehr herzlich.

Mittwoch 29. Februar 2012 – in der Hohenzollerischen Zeitung ist im Zusammenhang mit einem Wasserschaden in Thanheim zu lesen, dass der Schaden im Heimatmuseum auf rund 10.000 Euro liegt.

Unterer Ausstellungsraum aktuell am 23.02.2012

„Einblicke“ am Sonntag, 04. März 2012 Raumtrockner in der Küche und unterem (3 kleine ein großes Bild unten) Raum arbeiten rund um die Uhr – die Raumluft lädt nicht zum „Langeverweilen“ ein.  In der Küche wird das Fachwerk des alten Gebäudes sichtbar – und ein kleines rotes Herz lässt die Besucherin schmunzeln :-)!

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Bisinger Schüler der GHW- und Realschule und der Realschule gedenken der Opfer des Nationalsozialismus

Montag, 30. Januar 2012 – Bereits zum sechsten Mal fand aus Anlass der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz am 27. Januar 1945 eine Gedenkstunde mit Schülern der GHW- und Realschule im Heimatmuseum Bisingen statt.

Hanne Grunert und Uta Hentsch waren am  27. Januar für die Gedenkfeier im Stuttgarter Landtag angemeldet, daher wurde das Treffen mit den Schülern in diesem Jahr  auf den Wochenbeginn danach verlegt. Mit ihren Lehrern, Frau Billet-Barfuss, Herrn Merz, Herrn Steg und Rektor Tritz kamen Schülerinnen und Schüler der Klassen 8a/8b am Montagmorgen ins Heimatmuseum Bisingen.

Nach der Begrüßung entzündeten zwei Schüler Kerzen und Uta Hentsch informierte über die Bedeutung des 27, Januar, der am 03. Januar 1996 vom damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog zum „Nationalen Gedenktag und die Opfer des Nationalsozialismus“ erklärt wurde. Das Arbeits- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau war das größte, technisch am besten ausgerichtete und grausamste aller Konzentrationslager. Am 27. Januar1945 war es das erste aller Lager, das durch die Rote Armee der Sowjetunion befreit wurde. Am 1. November 2005 verabschiedete die UNO diesen Tag als „Internationalen Holocaust-Gedenktag“. Die Begriffe „Holocaust“ (griechisch) und „Shoa“ (hebräisch) wurden erklärt und es gab einen Hinweis auf die Opfer der Vernichtungsmaschinerie des Nazi-Regimes, Kommunisten, Homosexuelle, 500.000 Szinti und Roma und viele andere, nach Sicht der Nationalsozialisten „minderwertige“ Menschen. Über 6 Millionen Juden von insgesamt 11.000.000 jüdischen Bürgern Europas wurden Opfer der systematischen Vernichtung durch Erschießen und Vergasung mit anschließender Verbrennung

Nach der Einführung wurden die Achtklässler die Akteure: in vier Antikriegsliedern, zu denen jeweils eine Information zum Text gegeben wurde. In Bob Dylans Lied „Die Antwort mein Freund….“ mit seinen vielen unbeantworteten Fragen auf die nur der Wind die Antwort weiß ist ein Lied, dass zu allen Zeiten Ausdruck der Trauer, der Anklage aber auch die Ohnmacht ist  So symbolisiert der amerikanische Songwriter Pete Seeger in seinem „Sag mir wo die Blumen sind….“ den ewigen Kreislauf des Krieges, der nur durchbrochen werden kann, wenn die Menschen endlich beginnen, aus den Fehlern früherer Generationen zu lernen. Mit dem Lied: „So ist Versöhnung, so muss der wahre Friede sein…“ von Jürgen Wert, wird die Hoffnung auf Versöhnung und Frieden durch Vergeben und Verzeihen ausgesprochen.

Hanne Grunert informierte über das Unternehmen „Wüste“ und das KZ Bisingen mit seinen vielen Opfern, die hier vor Ort an Schwäche, Hunger, Misshandlungen, Erschießen und Aufhängen ihr Leben verloren. Nach einem fünfzehnminütigen Film über Auschwitz-Birkenau mit einer Zeitzeugin konnte man eine kleine Zeit eine Stecknadel fallen hören – die Betroffenheit war greifbar und dennoch gab es dann Fragen zum Thema.

Herr Tritz bedankte sich bei den Schülerinnen und Schülern für ihren Fleiß, mit dem sie mit ihren Lehrern die Lieder eingeübt und das Interesse, welches sie mit Beteiligung an dieser Gedenkstunde gezeigt haben. Es gab noch Zeit, die verschiedenen Räume der Ausstellung im Heimatmuseum anzuschauen – Flyer wurden mitgenommen – Schüler fragten nach den Öffnungszeiten des Heimatmuseums. Abschließendes Resume.: es war eine gute und wichtige, wenn auch für die jungen Leute durchaus eine nicht leichte Gedenk- und Unterrichtsstunde.

Zu den nachfolgenden Zeitungsberichten noch eine Richtigstellung/Ergänzung: an der Gedenkstunde in der Realschule Bisingen am 31. Januar 2012 nahmen etwa 70 Shüler der Klassen 9a,b und c und drei Schüler der 10. Klasse teil. Im Deutschunterricht wird sich in der 10. Klasse zum Thema Literatur  mit einem Buch beschäftigt. In diesem Schuljahr war es  das Buch „Grafeneck“ ein Roman von Rainer Gross. Die Schüler haben die Möglichkeit mit der Erarbeitung des Buche ihre Deutschprüfung abzulegen. Konrad Wiget, Religionslehrer, hat in seinem Unterricht anhand des Buches die Schüler mit dem Euthanasie-Projekt des Nazi-Regimes bekannt gemacht und eine Verknüpfung mit den Inhalten der Gedenkstunde zum 27.01.2012 hergestellt. Die drei Zehntklässler trugen wichtige Fakten über Grafeneck vor.  Mit der Vorstellung des Euthanasie-Programm am Beispiel „Grafeneck“  wurde eine Verbindung zwischen den ersten Vergasungen „Vor unsrer Haustür“ zu den  auf der Wannseekonferenz am 20.01.1942 verabschiedeten „Endlösung der Judenfrage“  zu den Gaskammern von Auschwitz hergestellt. Herr Wiegt besucht drei bis vier weiteren Lehrern (je nach Schüleranzahl) vor den Sommerferien schon seit vielen Jahr mit den Schülern der 9. Klassen die Gedenkstätten Natzweiler/Struthof. Alle Lager des Unternehmen „Wüste“ – auch Bisingen –  waren Außenlager von Natzweiler-Struthof. Alle Fotos: U.Hentsch-vorletztes Bild, Rektor Tröger

30. Januar 2012 – Gedenkstunde 27. Januar 2012 – Schüler der Klassen 8a/b der GHW- und Realschule Bisingen:

27. Januar 2012 – Landtag in Stuttgart erinnert an die Opfer des Nationalsozialismus

Am 27. Januar 2012 waren Hanne Grunert (Gemeinde Bisingen) und Uta Hentsch (Vorsitzende des Vereins Gedenkstätten KZ Bisingen) Teilnehmer an der Gedenkstunde für die Opfer des Nationalsozialismus. Viele Gedenkstätten und -Initiativen waren eingeladen und konnten ihre Orte des Gedenkens präsentieren.

Landtagspräsident Guido Wolf  zitierte zu Beginn seiner Rede Golo Mann: „Wo Alles möglich war wird immer Alles möglich sein“ – und bezog sich damit sogleich auf die Mordserie“ vor 10 Jahren, die uns gerade so stark beschäftigt; und weiter „1/5 unserer Bevölkerung ist Gruppen-/judenfeindlich – der braune Ungeist lebt weiter – in Springerstiefeln und grauem Zwirn.“ Drei wichtige Merksätze formulierte Guido Wolf:   1. Nüchterne aber wahre Feststellungen; 2. Zeichen setzen für Geschichtsbewusstsein und 3. Gedenken wird erst richtig zur Gedenkkultur, wenn es unseren Alltag durchdringt. Wolf ging auf die Aufgaben des Verfassungsschutzes ein und beendete seine Rede mit er eindringlichen Feststellung: „Substanziell betrachtet sind wir alle die eigentlichen Verfassungsschützer.“

Prof. Dr. Dr. h.c. Aleida Assmann, Universität Konstanz, erläuterte in ihrer Rede: „Die transformatorische Kraft der Erinnerung“, wie sich die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit von vorangegangener Ablehnung eben eine „verwandelte Kraft „zur Erinnerung hin entwickelt. Die Frage nach dem „warum und der Notwendigkeit“ von Gedenkstätten stellte Prof. Assman drei Leitgedanken vor: 1. Gedächtnisorte sind begehbare Geschichtsbücher;  2. Gedächtnisorte sind wichtige Kontaktzentren für Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft und 3. Gedächtnisorte sind die Stimme historischer Zeugen, die nachträglich zum Sprechen gebracht werden können.

Frau Thelen, Landeszentrale für politische Bildung, Stuttgart, interviewte drei Jugendguides der Gedenkstätten Hailfingen-Tailfingen und stellt so deren Arbeit vor – die Idee dabei: Jugendliche führen Jugendlich (wobei gesagt werden muss,das es dabei um sehr umfangreiche Programme geht, die hier nicht aufgezeigt werden können!).

Als Rahmenprogramm zu den Reden gab  Musikstücke von Bach, John Dowland und Paganini, vorgetragen von drei jungen Preisträgern des „Karl-Adler-Jugendmusikwettbewerb Baden-Württemberg.

Bleibt anzumerken, dass es keine Erwähnung darüber gab , dass der 27. Januar  am 01. November 2005 von der UNO als „Internationaler Holocaust-Gedenktag“ verabschiedet wurde!

Hier im Link eine Pressemitteilung über die Veranstaltung: Gedenkstunde im Landtag Stuttgart am 27.01.2012

Im Erdgeschoss und der ersten Etage hatten die verschiedenen Gedenk-Initiativen aus Baden-Württemberg (insgesamt heute 66 Gedenksorte in BW!)  ihre Infostände – hier einige Bilder. Per Anklick können sie vergrößert und die Namen der Initiativen gelesen werden. Alle Fotos U.Hentsch

27.01.2012 Pressemitteilung

Nachfolgender Link enthält die Reden im Landtag. Wenn die Seite der LpB erscheint „Aktuelles“ anklicken.

Falls es nicht klappt nach dem Link die Reden als pdf. Datei zum runterladen:

Reden im Landtag

rede_wolf_27_1_12

vortrag_assmann_27_1_12