Yad Vashem bestätigt Eintrag in die Datenbank

Yad Vashem 12Am 23. Mai 2009 kam Post aus Jerusalem mit der Bestätigung von Yad Vashem bezüglich des Eintrags der „Gedenkstätten KZ Bisingen“ im dortigen Archiv. Ein großer Schritt für einen kleinen Verein.

Weitere Übergaben werden folgen!

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Gemeinsame Aktion von Schüler-AG und Bauhof und ein Überraschungsbesuch

Vorbereitungsarbeiten zur Erneuerung des Stegs am Appellplatz in der Schelmengasse

SchülerAm Donnerstag, 14. Mai. war es so weit. Geschichtslehrer Huesfeld, Realschule Bisingen, war fest entschlossen mit seiner Schüler-AG am Nachmittag beim Abriss des Stegs mitzuhelfen. Notwendig geworden war diese Aktion, da bereits im vergangen Herbst jahrelangen Witterungseinfluss aber auch leider mutwillige Zerstörung den Steg nahezu unbegehbar gemacht hatten.

Um 14:00h fand traf sich die kleine Schülergruppe, sieben siebt- und zwei sechst Klässler,  mit ihrem Lehrer am Einsatzort und ließ sich von einem Bauhof-Mitarbeiter in die Arbeit einweisen.

IMG_7429Bei meinem Eintreffen vor Ort um 14:45h zeigte sich der Steg bereits als ein Gerippe, aus dem hunderte stark verrosteter Nägeln ragten. Die erste Fuhre mit Brettern wurde gerade weggefahren – die Buben stapelten gemähtes Gras mit so mancherlei jugendlicher Ausgelassenheit zu großen Haufen. Herr Huesfeld ermahnte gelegentlich sehr ruhig aber bestimmt zur Vorsicht im Umgang mit den Heugabeln, ohne die vergnügliche Atmosphäre der jugendlichen Hilfskräfte aufzuheben.

GunsbergersJa, und dann kam der Überraschungsbesuch: in Begleitung von Hanne Grunert und Ines Mayer wollten es sich Otto und Eve Gunsberger, sie waren schon bei der Eröffnung des Geschichtslehrpfads 1998 Gäste der Gemeinde Bisingen, nicht entgehen lassen einen Blick auf  die „Aktion am Steg“ zu werfen. IMG_7432Während einige der Jungens damit beschäftigt waren, mittels eines IMG_7440Akkuschraubers die Nägel aus dem Unterbau des Stege zu drehen, ein jedoch oft erfolgloses Unterfangen, wagten andere nach überwundener Schüchternheit die eine oder andere Frage zu stellen, die Otto Gunsberger gerne beantwortete. IMG_7452

Am Ende verabschiedete er sich mit einem Lob an die Jungens für ihren Einsatz.

Auch Herr Staller-Hinz, Bauhof,  stellte den jungen Mitarbeiten auf meine Nachfrage ein gutes Zeugnis aus: die Jungens seien schon eine tüchtige Hilfe gewesen. So ging am Ende auch ein Dank an Herrn Huesfeld, der seine Schüler-Geschichts-AG zu dieser Aktion motivieren konnte.
Die Wiederherstellung des Stegs ist auf Anfrage beim Bauhof  ist für die Mitte des Jahres geplant – wir, der Verein  Gedenktstätten KZ BIsingen,  bitten Besucher des Geschichtslehrpfades hierfür um Verständnis.

Besuch von Otto Gunsberger und seiner Frau Eve, Melbourne, in Bisingen

Im Folgenden der Bericht für die Lokalpresse von Hanne Grunert über den Besuch von Otto Gunsberger, Holocaust-Überlebender des KZ Bisingen und seiner Frau Eve, Melbourne vom 10. – 17. Mai 2009 in Bisingen. Hanne Grunert ist Museums-Kuratorin der Gemeinde Bisingen und stellvertretende Vorsitzende des Vereins „Gedenkstätten KZ Bisingen“ – (Fotos: Hentsch).

Eve und Otto„Einen schönen Namen hast Du“

Otto und Eve Gunsberger besuchen Bisingen – von Hanne Grunert

In geschlossenen Viehwaggons wurden im März 1945  Häftlinge des Konzentrationslagers Buchenwald in das „Wüste“-Werk 2 nach Bisingen transportiert. Viele Männer überlebten diesen Transport nicht, die anderen krochen  krank und halb verhungert aus dem Zug, unter ihnen auch Otto Gunsberger.  Seinen ersten Aufenthalt in Bisingen vor vierundsechzig Jahren wird er wohl nie vergessen. Nur mit viel Glück überlebte er kurz vor Kriegsende den Transport nach Dachau und die Befreiung durch das amerikanische Militär.  „Ein paar Tage später“, erinnert sich Otto Gunsberger, „hätte ich nicht mehr gelebt.“

Einundfünfzig Jahre später steht er wieder am Ort seines Leidens.  „Ich bin sehr dankbar, dass Sie es mir ermöglicht haben, an dieser Gedenkfeier teilzunehmen“ sagte Otto Gunsberger im November 1996 (Anmerkung: siehe auch „Kategorie 1996“), der mit drei weiteren Überlebenden des KZ Bisingen auf Einladung der Gemeinde zur Eröffnung der Ausstellung „Schwierigkeiten des Erinnerns“ gekommen war.
Otto und Eve Gunsbergers Besuch in der vergangenen Woche war weniger von feierlichen Empfängen als von herzlichen Begegnungen geprägt. IMG_7295Im IMG_7290Heimatmuseum Bisingen fanden sich am Mittwochabend viele Freunde und Bekannte ein,  die auf ein Wiedersehen mit den Gunsbergers schon lange gewartet hatten. IMG_7318Ein Rundgang durch die vor knapp drei Jahren umgestaltete Ausstellung über das Ölschieferwerk durfte natürlich nicht fehlen.

IMG_7461Auch Bürgermeister Krüger nahm sich gerne Zeit für seine Gäste und hatte ein offenes Ohr für ein Anliegen Otto Gunsbergers. Für das Gräberfeld auf dem KZ-Friedhof wünscht er sich zwischen den Kreuzen jüdische Grabsteine, denn über ein Drittel der Opfer des KZ Bisingen waren Juden.  Bei der Zusammenkunft im Rathaus konnte der Verein KZ Gedenkstätten Bisingen  den Gästen einen Reisekostenzuschuss überreichen, den sie bei der Berliner Stiftung „Erinnerung, Verantwortung, Zukunft“ beantragt hatten.   Diese Stiftung leistet wertvolle Erinnerungsarbeit und unterstützt unter anderem Begegnungen junger Menschen mit Opfern der NS-Diktatur.

IMG_7232Mindestens so wichtig wie das Treffen mit alten Freunden und Bekannten war Otto Gunsberger die Begegnung mit der jungen Generation.  Im Technischen Gymnasium Balingen (Bild li) sowie in den Realschulen Haigerloch und Bisingen fand er ein äußerst aufmerksames Publikum, das mucksmäuschenstill seinen Schilderungen über die Stationen seines Leidens folgte. IMG_7353BIsingen Realschule14(Realschule Bisingen: Begrüßungslied: „Havenu Shalom aleichem“ – IMG_7400wir wünschen Frieden euch allen- und Verabschiedung, li Rektor Tröger)

Der ungarische Jude Gunsberger wurde 1944, gerade 17jährig,  nach Auschwitz-Monowitz deportiert, wo er unter unmenschlichen Bedingungen Zwangsarbeit leisten musste. Gunsberger erzählt, dass er wegen seines schönen deutschen Namens Otto einem Schlosserkommando zugewiesen wurde, in dem es etwas mehr zu essen gab – seine Rettung.  In Buchenwald, seiner nächsten Station, waren die Verhältnisse im Lager so katastrophal, dass er sich meldete, als Arbeitskräfte für ein anderes Lager gesucht wurden. „Es kann nur besser werden“ dachte er, bis er nach Bisingen kam und eines anderen belehrt wurde. Noch im Herbst 1946, sobald er sich stark genug für die Heimreise fühlte, machte er sich auf den Weg zurück nach Ungarn.

In allen drei Schulen folgten Gunsbergers Ausführungen viele Fragen, für deren Beantwortung er sich Zeit nahm. Auf eine antwortete er nur kurz und dennoch konnten sich die Schüler plötzlich das Ausmaß des Leidens besser vorstellen: „Wieviel wogen Sie am Ende des Krieges?“ „35 Kilo.“
IMG_7444!!!!!!!Am Platz des ehemaligen Lagers sahen die Gunsbergers nachmittags einer Aktion der Geschichts-AG der Realschule Bisingen zu.  Die Siebtklässler halfen begeistert, den inzwischen stark beschädigten Holzsteg, der ersetzt werden muss,   zu demontieren. Nicht weit von dieser Stelle stand Otto Gunsberger im Frühjahr 1945, zu schwach, um auch nur eine Schaufel halten zu können.

Bei ihren Ausflügen zu den Sehenswürdigkeiten der Umgebung begeisterte die Gunsbergers immer wieder das satte, nasse Maiengrün, dass sie aus ihrer Wahlheimat Australien nicht kennen.  Nach dem Aufstand in Ungarn 1956 war das Paar nach Melbourne emigriert, wo es bis heute lebt.

„Wir sollten versuchen, gemeinsam eine bessere Welt zu schaffen, in der keine dieser Tragödien, die Sie in dieser Ausstellung sehen und von denen ich Ihnen berichtet habe, jemals wieder vorkommen“ sagte Otto Gunsberger bereits 1996 in Bisingen. Nach wie vor ist ihm das ein wichtiges Anliegen. Ende-

!!Zollernalb Bote 13. 05Hier im Anschluss noch ein Pressebericht des Zollernalb Bote vom 13, Mai 2009 über den Zeitzeugenbericht im Technischen Gymnasium Balingen am 12. Mai 2009

Die aktuelle Situation des Rechtsextremismus in Baden Württemberg

1-Plakat 08IMG_7179 VerfassungsschutzDer Einladungstermin unseres Vereins an Herrn Neumaier zum 08. Mai 2009, den 64. Jahrestag der Kapitulation,  war bewusst ausgewählt und es war ein Glücksfall, dass unser Wunsch-Referent diesen Termin bestätigen konnte. Die Teilnehmer Zahl verhielt sich quantitativ in sehr überschaubaren Grenzen dafür in qualitativer Bestbesetzung.IMG_7176-08.05. Museum Auch an dieser Stelle noch einmal Dank an alle, die sich für dieses wichtige Thema Zeit genommen haben, bzw. Zeit nehmen konnten.

Foto von li → re: B. Ullrich für die Hohenzollerische Zeitung, Bürgermeister J. Krüger, H. Grunert-Museumkuratorin und stellvertretende Vorsitzende, H. Martin-unser Fachmann für die NS-Geschichte, Herr Neumaier vom Verfassungsschutz.

Die Ausführungen Neumaiers waren umfangreich und beinhalteten die neuesten Zahlen über rechtsextremistische Umtriebe in BW. Im Folgenden sollen zwei Zeitungsberichte einen Eindruck über diesen Abend vermitteln:

Schwa-Bo 11HZ - 11

Die Gedenkstätten KZ Bisingen und der Verein in der Datenbank von Yad Yaschem

img_6552img_6566Die Gedenkstätten KZ Bisingen und der Verein sind nun in der Datenbank  von Yad Vashem unter der „Item“-Nummer 7108979, Bisingen-KZ Gedenkstätten, zu finden. Bei einem Besuch am 27. April 2009 in Yad Vaschem habe ich weitere Dateien, eine DVD mit einem Film von 1996, der Eröffnung des Museums, und eine DVD vom ersten Besuch Shalom Stambergs mit seiner Frau Selda, Haifa, mit Bildern und sämtlichen Zeitungsberichten im Archiv abgegeben.  Allerdings ist die Einsicht nur bei einem Besuch des Archivs von Yad Vashem möglich.   Die Entscheidung vom vergangenen Jahr, in Israels größter und weltbekannter Holocaust-Gedenkstätte die Bisinger KZ Gedenkstätte und den Verein vorzustellen war erfogreich – weitere Informationen aus Bisingen – vor allem auch von weiteren Besuchen Holocaust-Überlebender – sind angefragt. Im Laufe der nächsten Monate werden weitere DVD’s aus den Jahren 1996, 1998, und ab 2004 nachgetragen werden.