Besuch der Ausstellung: Fastnacht der Hölle – Der Erste Weltkrieg und die Sinne

Fastnacht der HölleBeschreibung zur Ausstellung aus dem Internet:

Der Erste Weltkrieg sprengte alle Maßstäbe der Wahrnehmung: Mit infernalischem Lärm von Explosionen und Geschützfeuer an der Front. Mit Kampfgas, das in Mund und Nase kroch. Mit Gerüchen von Verwesung und Exkrementen in den Schützengräben. Mit unermesslichem körperlichen und seelischen Leid. Mit Hungersnöten in der Heimat. Aber auch mit neuen technischen Möglichkeiten wie der Luftaufklärung oder der massenhaften Verbreitung der Fotografie. Propaganda manipulierte zudem die Wahrnehmung durch Auge und Ohr. „Fastnacht der Hölle“ führt den Ersten Weltkrieg vor Augen, bringt den Krieg zu Ohren, macht ihn fühlbar, veranschaulicht seinen Geschmack und Geruch.

Bericht von Franziska Blum über den Besuch der Ausstellung

Unsere kleine Gruppe mit Museumsführer Holtbrügge - re im Bild

Unsere kleine Gruppe mit Museumsführer Holtbrügge – re im Bild

Am Samstag, 28. Februar 2015, machte der Verein Gedenkstätten KZ Bisingen e.V. eine Exkursion ins Haus der Geschichte in Stuttgart. Museumsführer Heiner Holtbrügge führte die kleine Gruppe in einem überaus interessant gestalteten Rundgang durch die Ausstellung „Fastnacht der Hölle – der Erste Weltkrieg und die Sinne“. Dabei ging es weniger um die harten Daten des Krieges, als vielmehr um die veränderte Kriegführung und deren Auswirkung auf die menschlichen Eindrücke. An Sinnesstationen konnten die Besucher Kriegseindrücke nachempfinden – etwa den Gestank im Schützengraben oder den Lärm von Explosionen und Geschützfeuer an der Front. In drei großen Themenblöcken veranschaulichte die Ausstellung die Erfahrungen der Menschen an der Front, der Etappe und in der Heimat. Grundlagen für die Gestaltung bildeten eine Unzahl an Feldpostbriefen und Gegenständen, die das Thema auf einer teilweise sehr persönlichen Ebene vor Augen führte. Auch die Nachwirkungen des Krieges waren Thema: die große Anzahl von Kriegsversehrten, die Elektroschocktherapien und Prothesen erhielten, fanden nur schwer zurück ein normales Leben. Das Schicksal von Theodor Hinsberg macht auf brutale Weise deutlich, wie mit Veteranen umgegangen wurde. Nach einer Verschüttung in Verdun und mehrfachen Verwundungen wurde er 1917 wegen „neurasthenischer Symptome“ in das Reservelazarett der Psychiatrie Freiburg eingeliefert. Da sein Arzt keine Verbindung zwischen dem Kriegsdienst und dem Ausbruch der Erkrankung sah, erhielt er keine Rente. Die folgenden 23 Jahre verbrachte Hinsberg ununterbrochen in psychiatrischen Anstalten. Am 8. Juli 1940 wurde er im Rahmen der T-4-Aktion in Grafeneck ermordet. Dieses Schicksal traf etwa 5.000 Weltkriegsveteranen.

 

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