Ausflug ins „Jüdische Haus“ Emmendingen

Vorab: eigentlich war ich, Uta Hentsch,  für diesen Ausflug nach Emmendingen auch auf der Teilnehmerliste – musste dann jedoch aus Krankheitsgründen leider absagen, Umso mehr freue ich mich jetzt über den Beitrag zum Ausflug von Ines Mayer, 2. Vorsitzende unsres Vereins – vielen lieben Dank, liebe Ines :)___________ENDE

Samstag, den 5. März 2016

Ausflug ins „Jüdische Haus“ Emmendingen -2Über schneebedeckte Schwarzwaldhöhen führte der diesjährige Ausflug des Vereins Gedenkstätten KZ Bisingen nach Emmendingen ins „Jüdische Haus“. Dort wurden die Besucher von Gedenkstättenkollegin Noemi Wertheimer empfangen, die eine sehr persönliche Führung zu den ehemaligen und aktuellen Spuren jüdischen Lebens in der Stadt hielt.

Ausflug ins „Jüdische Haus“ Emmendingen -1Zufälligerweise kam gleich zu Beginn der Rabbiner der jüdischen Gemeinde, die zusammen mit Lahr und Offenburg oirganisiert ist, vorbei und gestattete einen Blick in den neuen Synagogenraum in der Glaskuppel eines Hochhauses, bevor dort der Sabbatgottesdienst begann. Die alte, noch in den 1920er-Jahren optimistisch erweiterte Synagoge befand sich in unmittelbarer Nähe zur evangelischen und katholischen Kirche sowie zum markgräflichen Schloss und wurde daher in der „Reichskristallnacht“ 1938 nicht angezündet, aber geplündert und fachmännisch gesprengt. Der mit dunklen Pflastersteinen gefasste Grundriss auf dem Schlossplatz gibt heute Lage und Umfang des Gebäudes an.

Versteckt in einem Winkel des Platzes befand sich die ehemalige Mikwe, das rituelle jüdische Bad, das von den Nationalsozialisten im November 1938 buchstäblich übersehen wurde. Gespeist vom Wasser des Mühlbaches war das Bad nur bis Ende des 19. Jahrhunderts in Betrieb, da die Ansiedlung von Industriebetrieben im Osten Emmendingens zu einer Verschmutzung des Wassers führte. Heute ist im gut erhaltenen Bad das Wasser wieder sauber und im winzigen Haus darüber – hier hatte der Synagogenvorstand gewohnt – befindet sich eine kleine aber feine Ausstellung zur jüdischen Kultur und Geschichte Emmendingens. Zu der gehörte übrigens auch Goethe: Sein Schwager Johann Georg Schlosser, Gatte von Goethes Schwester Cornelia, war Ende des 18. Jahrhunderts Oberamtmann in Emmendingen und hat viel dafür getan, die Lebenssituation der jüdischen Bürger zu verbessern.

Mit dem Machtantritt der NSDAP im Januar 1933 wurde das bis dahin im wesentlichen friedliche Zusammenleben von Christen und Juden in der Stadt jäh beendet; die Zerstörung der Synagoge am 10. November 1938 und die Deportation der jüdischen Bürger in das Lager Gurs in Südfrankreich im Oktober 1940 und von dort nach Auschwitz markiert den endgültigen Exodus. Von den deportierten Emmendinger Juden kam nach 1945 nur ein Mann zurück, der aber schon 1952 – mit Mitte dreißig – an den Spätfolgen der KZ-Haft starb. Die heutigen Mitglieder der jüdischen Gemeinde sind nicht mit den früheren Bürgern verwandt, sie stammen fast ausschließlich aus der ehemaligen Sowjetunion.

Mit reichen Eindrücken trat die Bisinger Delegation den Heimweg über den Schwarzwald an – nicht ohne davor Noemi Wertheimer das Versprechen eines Gegenbesuchs in Bisingen abgenommen zu haben.

 

 

 

 

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