Zum 70sten Jahrestag der Reichspogromnacht eine neue Zeitschrift und ein Interview

titelblatt-rundschau-1ruckblatt-rundschau-1Die Fotos enthalten die Titelseite und das Rückblatt der „Rundschau“ mit dem Beiträgen „In gemeinsamer Sache“ von Heinz Högerle, Rexingen und „Einigkeit macht stärker“ von Konrad Pflug, Landeszentrale für politische Bildung, Stuttgart. Anklicken zur Vergrößerung – Text wird gut lesbar!

Heinz Högerles Beitrag berichtet über die Vernetzung und Arbeit der Gedenk-Initiativen. Der Beitrag von Konrad Pflug stellt eine Ergänzung dazu dar.

Der 70.ste Jahrestag der Reichspogromnacht am 09. November 2008 war uns Anlass, unsere erste gemeinsame Zeitschrift „Rundschau“ herauszubringen. Jede der sieben Initiativen – Gedenkstätte Synagoge Baisingen, Gedenkstätten KZ Bisingen, KZ-Gedenkstätten Eckerwald/Schörzingen und Dautmergen-Schömberg, Ehemalige Synagoge Haigerloch, Alte Synagoge Hechingen, Ehemalige Synagoge Rexingen, Ehemalige Synagoge Rottweil –  ist darin mit einem Beitrag vertreten.
Die „Rundschau“ liegt seit Mitte Oktober in den Gedenkstätten der jeweiligen Initiativen aus und wird für den Unkostenbeitrag von 1,- Euro abgegeben.

Der nachfolgende Bisinger Beitrag für die Erstausgabe der Zeitung ist ein Interview mit einem jungen Bisinger. Mir war es wichtig sein Projekt über die Gedenkstätten KZ Bisingen und vor allem seine Vorgehensweise zur Realisierung dieser Arbeit vorzustellen – als mögliche Hilfe für andere junge Menschen, die sich für die Thematik: „Gegen das Vergessen“ engagieren möchten. Fabian Hoffmann hat mich gebeten auch weiterhin mit seinem Vornamen und „Du“ anzusprechen – das sollte hier aus verschiedenen Gründen einfach noch Erwähnung finden.

Geschichte betrifft uns alle – man muss darüber Bescheid wissen“
Interview mit Fabian Hoffmann, einem 17 jährigen Bisinger Schüler  über sein Schul-Projekt zum Thema  „Gedenkstätten KZ Bisingen“

img_3091fabian_2Fabian Hoffmann lernte ich im Frühjahr 2005 kennen, als er mit sechs anderen Achtklässlern der Bisinger Realschule im März ein 4tägiges Sozialpraktikum bei uns in den Gedenkstätten KZ Bisingen absolvierte. Schon damals fiel Fabian mir durch seine einerseits zurückhaltende Art aber andererseits auch starkes Interesse an allem was er sah und hörte, auf. Ende Februar 2008 rief er mich an, erzählte mir, dass er z. Z. das Wirtschaftsgymnasium in Hechingen besucht und fragte, ob ich ihm Hilfestellung für sein „Schulprojekt“ über unsere Gedenkstätten geben könnte. Die Schüler hatten zum Abschluss der 11 Klasse die Aufgabe erhalten eine „Werbe-Kampagne“ für ein Objekt ihrer Wahl zu erarbeiten Die Zusage der Unterstützung war ihm sicher.

Fabian, Du hast mir erzählt, dass Geschichte eines Deiner Lieblingsfächer ist,  jedoch die Geschichte des 1. und 2. Weltkriegs nicht dazu gehörte. Zu Deinen Favoriten zählten Ägypten und das Altertum generell. Wie kam es, dass Du Dich im März 2005 für das Praktikum in den Gedenkstätten KZ Bisingen entschieden hast?

Fabian: Seit meinem sechsten Lebensjahr ist es mein Wunsch Lehrer zu werden, und Geschichte interessiert mich sehr. So dachte ich, es ist vielleicht wichtig, auch die Geschichte der Weltkriege und die Geschehnisse in Bisingen kennen zu lernen, vielleicht würde ich ja im Praktikum Gefallen daran finden. So kam es zu dieser Entscheidung.

Erzähle ein wenig über Deine damaligen Eindrücke.

Fabian: Ich fand es zunehmend spannend. Die Eindrücke im Museum haben mich vollkommen eingenommen, und ich wollte mehr über diese Zeit wissen – das Praktikum hätte länger sein können.

Neben dem Fach Geschichte haben ja auch die Fächer Biologie, Deutsch und Französisch einen hohen museum-neu-ausschnittStellenwert für Dich  und außerdem liest Du sehr gerne. Warum hast Du Dir für Dein „Werbe-Kampagne“-Projekt“ ausgerechnet die Gedenkstätten KZ Bisingen mit der Ausstellung im Heimatmuseum ausgewählt und welches Ziel wolltest Du damit erreichen?

Fabian: Die Erfahrungen im Sozialpraktikum im März 2005 haben mich sehr beeindruckt und weit voran gebracht. Ich wollte damit gegen die Verdrängung arbeiten, die Mitschüler mit dieser Arbeit ansprechen.
Wie können Menschen die Geschichte verdrängen – es ist doch die Geschichte Bisingens. Geschichte betrifft uns alle – man muss darüber Bescheid wissen.

Euer Lehrer, hatte einen relativ knappen Zeitraum für dieses Projekt bis hin zur Vorstellung angesetzt. Du musstest Dir ja für die Erarbeitung zum Thema zunächst ein Konzept anlegen. Wie bist Du vorgegangen?

Fabian: Ich hatte ja noch die Unterlagen aus dem Sozialpraktikum. Außerdem hatte ich mir ein Buch über Sozialpädagogik „Vom Nutzen der grauen Theorie – für Referendare“ gekauft und gelesen. Ich notierte zunächst alle Ideen, die mir zum Thema kamen. An einem Abend war ich  so erschöpft von der Arbeit, dass ich beschloss früher als geplant schlafen zu gehen. Als ich am nächsten Morgen um 5:00h aufstand, war das Konzept fertig in meinem Kopf.

Bitte erzähle doch abschließend über die Präsentation Deiner Arbeit in der Schule und die Reaktion Deiner Mitschüler und Deines Lehrers zu Deinem Referat.

Fabian: Zwei Schulstunden standen für meine Projekt-Vorstellung zur Verfügung und als ich einmal begonnen hatte war die Aufregung vergessen – es floss sehr gut. Obwohl ich ja viel Zeit hatte, erschien sie mir doch nicht ausreichend – meine Mitschüler hätten den Film den ich zeigte gerne bis zum Ende gesehen (Anmerkung: ein Film mit einem Bisinger Zeitzeugen und einem Holocaust-Überlebenden). Mein Lehrer fand es sehr interessant über die JUSO-Gruppe zu hören, die ja mit der ganzen Aufarbeitung zur Geschichte des KZ Bisingen begonnen hatte. Er gab dazu noch einige Ergänzungen. Am Ende hat er mich gelobt für meine Arbeit.

Welchen Stellenwert möchtest Du der Auseinandersetzung mit der „Drittes Reich-Thematik“ und Holocaust grundsätzlich und dem Geschehen in dieser Zeit in Deinem Heimatort Bisingen speziell im Schulunterricht geben?

Fabian: Einen hohen Stellenwert. Ich habe bis zum Sozialpraktikum nicht gewusst wie interessant und wichtig die Kenntnis über unsere Geschichte ist. Das Thema darf in der Schule nicht fehlen. Sicher kommt es auf den Einstieg an und hier in Bisingen gibt es ja die Möglichkeit praktisch vor Ort Erfahrungen machen zu können.

Vielen Dank Fabian für die Mitteilung Deiner Erfahrungen und Dein großartiges Engagement zum Thema: „Mut zur Erinnerung und Mut zur Verantwortung“. Junge Menschen wie Du sind ein starker Hoffnungsträger gegen das Vergessen! Viele gute Wünsche für den vor Dir liegenden Weg und gutes Gelingen für alle Deine Vorhaben.

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Das Interview mit Fabian Hoffmann führte Uta Hentsch, Vorsitzende des Vereins „Gedenkstätten KZ Bisingen“ im Juli 2008 – Fotos: Hentsch

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