27.01.2008 – Internationaler Holocaust-Gedenktag im Heimatmuseum Bisingen

2-plakat-2701Für den „Verein Gedenkstätten KZ Bisingen“ war es ein großes Anliegen, zu einer öffentlichen Gedenkstunde um 18:00h einzuladen und erhielt dazu große Unterstützung durch die Leiter-und Lehrerschaft der Grund-Haupt-und Werkrealschule Bisingen mit den Schülern der Klasse 9a+b.

In vielen lokalen Gemeinden, Gedenkstätten-Initiativen, Kirchen und Freien Gemeinden Europas und Deutschlands wurde am Sonntag des Tages der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz am 27.Januar 1945 durch die rote Armee gedacht. Mit eingeschlossen in das Gedenken waren gleichermaßen auch die von den Nazis und ihren Schergen ermordeten sechs Millionen Juden und eine Million Menschen aus Minderheitsgruppen und physisch/geistig behinderten Menschen.

Bereits eine Stunde vor Beginn der Veranstaltung wurden die Schüler von drei Mitgliedern des Vereins zur Einstimmung auf die Gedenkstunde in drei kleinen Gruppen in verschiedenen Räumen des Museums mit unterschiedlichen Inhalten zur Geschichte des Konzentrationslager Bisingen vertraut gemacht.
Die Begrüßung zu Beginn beinhaltete gleichermaßen den Dank an die etwa 40 Schüler und Lehrer für ihr Engagement und ihre Teilnahme an der Thematik des Gedenkens an diesem Tag. Dank für ihr Kommen ging auch an Pfarrerin Heidrun Hirschbach und Rektor Alfred Tritz.

Zunächst wurde daran erinnert, dass der damalige Bundespräsident Roman Herzog, am 06. Januar 1996 den 27. Januar zu einem „Nationalen Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus“ erklärte hatte. „(….) Der 27. Januar soll dem Gedenken an die Opfer der Ideologie vom „nordischen Herrenmenschen“ und „Untermenschen“ und ihrem Existenzrecht dienen. Die Wahl des Datums zeigt das unmissverständlich“ sagte Herzog am 19. Januar 1996.

Internationale Bedeutung bekam der 27. Januar dann am 02. November 2005, als die UN-Vollversammlung in New York erstmals eine von Israel vorgebrachte Resolution annahm.
„Ich bin bewegt und fühle mich privilegiert, diese historische Resolution ein zu bringen“, sagte der israelische UN-Botschafter Dan Gillerman am Montag zu Beginn er Beratung. „Die Vereinten Nationen wurden gegründet auf der Asche des Holocaust. Die Vereinten Nationen tragen eine besondere Verantwortung dafür, dass der Holocaust und was man aus ihm lernen kann niemals vergessen wird und dass diese Tragödie für immer als Warnung vor den Gefahren des Hasses, der Engstirnigkeit und der Vorurteile besteht.“ Das versammelte Gremium nahm den Antrag mehrheitlich an, den 27. Januar zum Internationalen Gedenktag für den Mord der deutschen Nationalsozialisten an 6 Millionen Juden zu ernennen. Von 191 anwesenden Staaten wurde die Resolution nach Gillermann von 104 Staaten unterstützt. Mit Verabschiedung dieses Antrags wurden die einzelnen Länder aufgefordert, Unterrichtsprogramme zu erstellen, um zu helfen, dass ein Völkermord in Zukunft verhindert und gegen Holocaust-Verleugnung, Diskriminierung und Gewalt gegen Minderheiten entschieden vorgegangen wird.

Für die Mehrzahl der Judenheit ist der Begriff „Holocaust“ (griech. „holocautoma“ – völlig verbranntes/Brandopfer) nicht annehmbar. Der Begriff „Brandopfer hat für sie hochreligiösen Inhalt, der den „Levitischen Opferdiensten“ (3./4Mose – 3. Mose 16,3: ein Widder zum Brandopfer am großen Versöhnungstag, Jom Kippur) zu zuordnen ist. Das hebräische Wort „Schoa“, Vernichtung, Untergang, Zerstörung, große Katastrophe – ist für die Judenheit die angemessene Bennennung und in der Tat: sollte letztendlich nicht da Jüdische Volk als Gesamtheit“ endgültig“ vernichtet werden.

7-kerzenZum Gedenken an sieben Millionen Ermordeter, als Botschaft für Hoffnung und Zeichen der Entschlossenheit jeder Form der Holocaust-Leugnung und des Antisemitismus wie auch der Diskriminierung und Gewalt von Minderheiten entgegen zu wirken, entzündeten sieben Schüler sieben Lichter – sechs Lichter für sechs Millionen ermordeter Juden und ein Licht für eine Million ermordeter Nichtjuden – Szinti und Roma, Kommunisten und Sozialisten, Homosexuelle, geistig und physisch Behinderte und auch Christen, wie Dietrich Bonhoeffer.

Ein Film „Wir gedenken den Opfern des Holocaust“ von Claudia Simon, Mössingen, schilderte in beklemmender Weise die Zustände im Konzentrationslager Auschwitz, und verknüpft diese mit Aussagen von Zeitzeugen. Mit einer Sequenz aus „Großer Gesang des Yizchak Katzenelson vom ausgerotteten jüdischen Volk“ – Teil 4: „Schon wieder die Waggons“ wurde der Abschnitt des Gedenkens abgeschlossen – die Atmosphäre tiefer Betroffenheit über das Gesehene und Gehörte war „greifbar“ und real erkennbar.

Ein 30minütiges, musikalische Programm von Schülern der Klasse 9a+b und etwa 20 Lehrern der Grund-Haupt- und Werkrealschule Bisingen, einschließlich ihres Rektors Herrn Tritz, bildete den zweiten Teil der 8img_0147Gedenkstunde. John Newtons „Amazing Grace“, Bob Dillens „Die Antwort weiß nur der Wind“ , Marlene Dietrichs „Sag mir wo die Blumen sind“ und zum Abschluß Jürgen Werths „Wie ein Fest nach langer Trauer“ wurden als absolut professionell zu bezeichnen vorgetragen in instrumentaler Begleitung von Karl- Heinz Merz, Claudia Bilet-Barfuß und Herrn Barfuß.

6-pfrEine Anmerkung zum Inhalt der einzelnen Lieder wurde jeweils von Schülern vorgetragen. Mit einem nochmaligen großen Dank an die Mitwirkenden der Grund-Haupt- und Werkrealschule an dieser Stelle. Ihr Einsatz zeigte Vorbildcharakter ganz besonders auch
für die jungen Menschen, die Sie unterrichten. Dazu passt ein abschließendes Wort von Eli Wiesel, dass für unser Heute und für unsere Zukunft eine Mahnung und Aufforderung zu verstehen ist:
„Es war möglich, in die allmächtig erscheinende Herrschaft des Terrors einzugreifen. Alles. was dazu nötig war, war es zu wollen. Eine Geste, ein Zeichen der Anteilnahme, ein Funke Menschlichkeit genügten.“
Ein herzlicher Dank an dieser Stelle geht an die Schüler und ihre Lehrer, die diese Gedenkstunde sehr eindrucksvoll gestaltet haben. Uta Hentsch, Bisingen (Fotos Hentsch).

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Schwarzwälder Bote, Hanne Grunert

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Noch einige Bilder zur Veranstaltung:

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