Veranstaltung: 70. Jahrestag der Wannsee-Konferenz / Freitag 20. Januar 2012

Bisisngen Die Wannsse-Konferent - Veranstaltung am 20.01.2012Die Endlösung der Judenfrage – der „verwaltete Mord“ an den Juden Europas    Entscheidungen zum Völkermord in noblem Ambiente bei „Cognac und Häppchen“

Bericht für die Presse von Uta Hentsch

Aus Anlass des 70. Jahrestages der Wannsee-Konferenz zur „Endlösung der Judenfrage“ am 20. Januar 1942 hatte der Verein Gedenkstätten KZ Bisingen am Freitag, 20. Januar 2012 zu einer Gedenkveranstaltung ins Bisinger Heimatmuseum eingeladen.

Zwanzig Besucher, darunter Bisingens Bürgermeister Joachim Krüger, Helmut Gabeli, „Ehemalige Synagoge Haigerloch“ mit seiner Frau und Dr. Norbert Kirchmann, „Alte Synagoge Hechingen“, nahmen sich Zeit für diesen Abend. Die 1984 entstandene deutsche, filmische Rekonstruktion  „Die Wannseekonferenz erhielt seine Authentizität aus den aufgefundenen fünfzehn Protokollen und weiteren Dokumenten, sowie auch aus diesbezüglichen Aussagen von Adolf Eichmann.

Nach Begrüßung der Gäste gab die Vorsitzende des Vereins eine kurze Einführung zum Film. Mit einigen Bildern wurde ein Teil der Protokolle gezeigt. Die fünfzehn Nazi-Größen der Konferenz waren promovierte Juristen, Volkswirte und auch Theologen. Sie alle, auch Heydrich, Sohn eines Komponisten und Direktor eines Konservatoriums, kamen aus guten, scheinbar geordneten Familienverhältnissen. Aus explizit christlich-religiösen Familien kamen sieben der Teilnehmer, Wilhelm Kritzinger, Reichskanzlei, war z.B. Sohn eines Pfarrers.

Weiterhin wies Uta Hentsch auf die Rolle die der Großmufti von Jerusalem, Mohammed Amin-el Husseini, auch der „SS-Mufti“ genannt, spielt, hin. Er wurde zu einem großen Unterstützer der Judenfrage von außen. Im November 1941 nach Berlin angereist mit mehreren Jahren Aufenthalt, paktierte der Großmufti mit Hitler in der „Judenfrage“ in jeder Hinsicht. „Abu Ali“ (Vater Ali), war der Beiname, den der Mufti Hitler gab. Himmler verehrte den Großmufti beinahe unterwürfig, das lassen Grußkarten und Bilder von beiden unzweifelhaft erkennen.

In einem Telegramm an den Mufti schreibt Himmler zum am 02. November 1943: „Die nationalsozialistische Bewegung Großdeutschlands hat seit ihrer Entstehung den Kampf gegen das Weltjudentum auf ihre Fahnen geschrieben, Sie hat deshalb schon immer mit besonderer Sympathie den Kampf der Freiheitsliebenden Araber, vor allem in Palästina gegen die jüdischen Eindringlinge verfolgt. Die Erkenntnis dieses Feindes und der gemeinsame Kampf gegen ihn bilden die feste Grundlage des natürlichen Bündnisses zwischen dem nationalsozialistischen Großdeutschland und den freiheitsliebenden Mohammedanern der ganzen Welt. In diesem Sinne übermittle ich Ihnen am Jahrestag der unseligen Balfour-Deklaration meine herzlichsten Grüße und Wünsche für die glückliche Durchführung Ihres Kampfes bis zum Endsieg.“ Reichsführer der SS – Gez. Heinrich Himmler

Der gemeinsame Hass auf die Juden weltweit und die Rolle, die der Großmufti in der gesamten faschistischen Ideologie spielte ist bis heute in der Öffentlichkeit weitgehend unbekannt und soll offenbar auch unbekannt bleiben. (Tilman Tarach, Der Ewige Sündenbock, Seite 43). Auch für die Besucher der Gedenkveranstaltung im Heimatmuseum war die Dimension dieser unseligen Verbindung weitgehend unbekannt.

Der 1984 entstandene deutsche Film gibt die Atmosphäre dieser folgenschwersten Besprechung der Menschheitsgeschichte unter dem NS-Regime eindrücklich wieder. Es war eine von außerordentlichem Zynismus und Vulgarismus geprägte Sitzung in noblem Ambiente der „Marlier“-Villa, am Großen Wannsee gelegen.  (heute eine Gedenkstätte!). Mit eiskalten Willen fanden die Planungen und Vorgehensweisen zur Vernichtung von 11.000.000 Juden aus ganz Europa bei „Cognac und Häppchen“ nach nur neunzig Minuten ihren „bürokratischen“ Abschluss. (Eichmann dazu im Prozess 1961: „Das geht eben sehr ruhig zu, und es werden nicht viele Worte gemacht. Es dauert auch nicht ehr lange. Es wird dann ein Cognac gereicht durch die Ordonanzen und dann ist die Sache eben vorbei.“) Man mochte eigentlich gar nicht mehr zuhören und/oder zuschauen, so schockierend ging diese Sitzung zur  „verwalteten“ „Endlösung der Judenfrage“ vonstatten. Drei Jahre später endete diese Planung mit der katastrophalen Folge, dem Völkermord an 6.000.000 Juden. Im Klartext wurde von Zu-Tods-Schinden, Erschießung und Vergasung gesprochen. Im Protokoll, nach Aussage von Eichmann im Prozess 1961 von einer Sekretärin geführt und von ihm endgültig abgefasst, war lediglich von Sonderbehandlung die Rede!

Mit Beendigung des Film: „Die Wannseekonferenz“ herrschte im Heimatmuseum Bisingen absolute Stille – der Film führte ganz offensichtlich zunächst einmal zu Sprach- und auch Fassungslosigkeit. Die Vorsitzende fragte nach einer kleinen Zeit dann, ob jemand etwas sagen möchte – daraufhin kam es für eine knappe Stunde zu angeregter Diskussion auf hohem Niveau. Bürgermeister Krüger angefragt für ein abschließendes Wort: „es war ein guter und wichtiger Abend“ wurde von allen bestätigt. Um 22:40h verabschiedeten sich die letzten Teilnehmer aus Haigerloch mit der Anmerkung: Ihr habt ja einen wirklich großartigen Bürgermeister in Bisingen. Am Samstag erhielt die Vorsitzenden einen Anruf mit den Worten: „es war bei aller Entsetzlichkeit eine unvergesslich gute Veranstaltung.“

2 Fotos: Uta Hentsch

Zur Einführung in den Abend Bilder und Texte zum Thema (ppt): Wannsee-Konfernz-Verein Gedenkstätten KZ BIsingen 20.01.2012

Link zur Webseite zu dem Film von INFAMEDIA : Wannseekonferenz Information zum Film

Artikel in der Jüdische Allgemeine Nr 3/12 am 19. Januar 2012: Organisiertes Verbrechen

Artikel in der Jüdische Allgemeine Nr 3/12 am 19. Januar 2012: Bei Getränken und Schnittchen

Artikel Jüdische Allgemeine 20.01.2012Ort deutscher Schande

Diverse Reden von der Veranstaltung in Berlin:

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