2012 – ein Rückblick auf die vergangenen zwölf Monate

Weihnachtsgruß blog VereinLiebe Freunde und Mitglieder, zum bevorstehenden Jahreswechsel senden wir Ihnen/Euch die besten Wünsche für frohe und friedvolle Festtage und einen gelungenen Übergang vom alten ins neue Jahr 2013!


AG-Spurensuche Bisingen:Besuch aus Israel -1Geschichtslehrpfad Bisingen -Schüleraktion 10Wir können auf ein gutes Jahr 2012 zurückblicken mit einer Reihe themenbezogener Veranstaltungen, mit vielen guten Schüler-Aktionen, der AG-Spurensuche (Realschule), dem 27.Januar 2012 (Internationaler Holocaust-Gedenktag mit Schülern der GHW-Realschule und Realschule Bisingen), mit  Schüleraktionen auf dem Geschichtslehrpfad, einem Lehrer- und einem Referendar-Seminar.

Es gibt eine Neuauflage „Berufswahl“ von Otto Gunsberger und ein neues Materialienheft (Lese-und Arbeitsheft) der Landeszentrale für politische Bildung, Stuttgart: „Wir sind gezeichnet fürs Leben, an Leib und Seele“ (Unternehmen „Wüste“ das südwürttembergische Ölschieferprojekt und seine sieben Konzentrationslager) mit Autoren der Initiative Eckerwald und der Gedenkstätte KZ-Bisingen e.V.

DSCF0785-65 Jahre KZ-FRiedhof Bisingen:Dr. Zekorn&GästeAls besonderer Höhepunkt ist wohl die Veranstaltung „65 Jahre KZ-Friedhog Bisingen“ am 29. April zu benennen.  Bisingens Bürgermeister Joachim Krüger –  Balingens Kreisarchivar Andreas Zekorn und Baden-Württembergs Landesrabbiner Nathanael Wurmser, IRGW-Stuttgart und die Pfarrer der Evangelischen und Katholischen Gemeinde Bisingens, viele Freunde des Gedenkstättenverbundes „Gäu-Neckar-Alb“ und viele Freunde des Vereins hatten sich  Zeit genommen, um der Opfer des Wüstewerk 2, Bisingen, zu gedenken.


Dr. Gideon Greif Bisingen -3Die Vortragsabende mit Dr. Gideon Greif – Historiker Israel/USA, zum Thema Funktionshäftlinge) und Yad vashem - Votrag Arik Rav-On Vortrag 3Arik Rav-On. Direktor für die deutschsprachigen Länder und die Schweiz von Yad Vashem über Arbeit, Ziele, Visionen von Yad Vashem konnten viele interessierte Zuhörer verzeichnen.

Es gab auch in diesem Jahr wieder viele Schüler- und Besuchergruppen – die genaue Anzahl wird noch ermittelt.

Der Verein hat jugendlichen Zuwachs erhalten – drei junge Männer, zwei davon sind ehemalige Schüler von Dieter Grupp, sind Mitglieder des Vereins geworden und bringen sich bereits als aktive Mitarbeiter ein. Einer von ihnen hat am „Jugendguide-Projekt“ von Kreisarchivar Dr. Sannwald, Tübingen, teilgenommen. Ein dritter junger Mann aus Balingen wurde ebenfalls Mitglied – sein kleiner Bruder hat an einer der vergangenen AG-Spurensuche-Projekte teilgenommen. Es wurden auch mehrere GFS-Projekte (Gleichwertige Feststellung von Schülerleistungen) durchgeführt.

Wir haben Abschied genommen von Isak Wasserstein, München, der am 05. Januar 2012 verstarb.

Franziska Blum, Tübingen, ist seit dem 1. September 2012 als Nachfolgerin von Hanne Grunert bei der Gemeinde angestellt. Wir danken Frau Blum dafür, dass sie schon nach kurzer Zeit so gut mit unserem Verein kooperiert.

Wir möchten an dieser Stelle Hanne Grunert noch einmal großen Dank aussprechen für sieben Jahre außerordentlich gute Zusammenarbeit mit unserem Verein und wünschen ihr für den künftigen Weg alles Gute und Erfolg.

Danken möchten wir Ihnen/Euch allen für die Unterstützung in der Arbeit „Gegen das Vergessen“ – und Rosel Waserstein mit Bürgermeister Krüger und Hanne G.ein besonderer Dank geht an unseren Bürgermeister Herrn Joachim Krüger für die großzügige Unterstützung unseres Vereins und die Aufrechterhaltung der Kontakte zu unseren Überlebenden und ihren Angehörigen. (BM Krüger, Rosel Wasserstein, Hanne Grunert/ Besuch bei R. Wasserstein in München 08/2013)

Logo - LpBDie Landeszentrale für politische Bildung Stuttgart, Gedenkstättenarbeit, hat uns auch in diesem Jahr wieder sehr großzügig mit finanzieller Hilfe unterstützt – so geht auch nach Stuttgart unser Dank.

Für 2013 haben wir uns viel vorgenommen und vertrauen darauf, dass wir auch im neuen Jahr mit Ihrer/Eurer freundlichen Unterstützung rechnen dürfen. Dafür im Voraus vielen Dank!

Über alle Aktivitäten sind unter der Kategorie 2012 ausführliche Berichte mit vielen Bildern und Presseberichten zu finden. 

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65 Jahre KZ-Friedhof Bisingen – über die Gedenkstunde am Sonntag, 29. April 2012

Nach dem am  50. und 60. Jahrestag des KZ-Friedhof Bisingen öffentliche Veranstaltungen zur Erinnerung an die Bisinger Opfer des wahnwitzigen und menschenverachtenden Unternehmen „Wüste“  ausgefallen waren, bot es sich an, aus Anlass des  65. Jahrestages zu einer Gedenkstunde einzuladen. Die Initiative dazu kam vom Vorstand des Vereins „Gedenkstätten KZ Bisingen“ – der sich gleich hier an dieser Stelle bei Herrn Dr. Andreas Zekorn, Kreisarchivar- Zollernalbkreis  und Herrn Bürgermeister Joachim Krüger bedanken möchte, dass sie als Veranstalter mit dem Verein Gedenkstätten KZ-Bisingen gezeichnet haben.  Unser Dank geht auch  Herrn Pfarrer Ulrich Günther für die Evangelische Gemeinde Bisingen und Pater Joachim Rzesnitzek vom Katholischen Pfarramt Bisingen  für Ihre Bereitschaft  der „aktiven Teilnahme“. Ein besonderer Dank geht an Herrn Landesrabbiner Natanael Wurmser, IRGW-Stuttgart. Er ließ es sich nicht nehmen, trotz einer anderen Veranstaltung am späteren Nachmittag nach Bisingen zu kommen, um das Kaddisch, das Jüdische Totengebet* zu sprechen.  Für viele der Besucher, war gerade diese Sequenz der Veranstaltung, wie in späteren Gesprächen zu hören,  „sehr stark  bewegend“! (*darauf wird noch einmal eingegangen). Unser Dank geht an alle Gästen, die einen Termin für diese Veranstaltung in ihrem Terminkalender finden konnten. Unser Dank gilt aber auch all denen, die gerne gekommen wären, jedoch wegen familiärer Gründe, Termine oder aus Krankheitsgründen nicht teilnehmen konnten und gute Wünsche zum Gelingen ausgesprochen haben.

Auch den Schülern der 6. und 7. Klasse  der Realschule Bisingen, Christian, Jonas, Arthur, Marvin und Robbin gilt ein ganz besonderer Dank! Sie haben die Lesung der schweren Namen hervorragend gemeistert. Unser Dank gilt auch ihren Eltern, die die Erlaubnis dazu gegeben und ihre Söhne begleitet haben.

Herr Dr, Zekorn hat freundlicher Weise seine Rede für unsere Seite zur Verfügung gestellt – so wird dieser Bericht mit seiner Begrüßung und einem kurzen Rede-Abschnitt beginnen:

Rede anlässlich der Gedenkstunde „65 Jahre KZ-Friedhof Bisingen“ am Sonntag 29. April 2012, 14 Uhr – Dr. Andreas Zekorn, Kreisarchiv Zollernalbkreis

Sehr geehrte Damen und Herren

Es ist ein trauriger und zugleich würdiger Anlass zu dem wir uns heute hier zusammengefunden haben. Auf den Tag genau vor 65 Jahren, am 29. April 1947, wurde hier der KZ Friedhof in Bisingen feierlich eingeweiht, um den Opfern des Unternehmens „Wüste“ in Bisingen eine würdige Ruhestätte zu geben. Ich heiße Sie alle, meine Damen und Herren, recht herzlich zu dieser Gedenkstunde willkommen.

Ich begrüße Herrn Landesrabbiner Netanel Wurmser als Vertreter der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württemberg

Ich begrüße Herrn Pfarrer Ulrich Günther für die evangelische Gemeinde Bisingen und Pater Joachim für die katholische Gemeinde.

Ich begrüße Herrn Bürgermeister Krüger

und ich grüße Frau Hentsch, Frau Grunert und alle Mitglieder des Vereins Gedenkstätten KZ Bisingen sowie die anwesenden Vertreterinnen und Vertreter der Gedenkstätteninitiativen,

Ich begrüße euch, liebe Schülerinnen, Schüler und Lehrende der Realschule Bisingen, die ihr euch heute eingefunden habt und bereit seid, an der Gedenkstunde mitzuwirken.

Und ich grüße Sie alle meine Damen und Herren, die Sie gekommen sind.

Zunächst darf ich Herrn Landrat Günther-Martin Pauli entschuldigen, der wegen einer Terminüberschneidung an der heutigen Gedenkstunde nicht teilnehmen kann. Er hat mich gebeten für den Zollernalbkreis teilzunehmen und lässt seine besten Grüße entrichten. Diesem Wunsch kam ich gerne nach, bin ich dich doch seit dem Beginn meiner Tätigkeit als Kreisarchivar des Zollernalbkreises, seit 1991, mit dem erschütternden Thema Unternehmen Wüste stets eng verbunden.

Ich möchte Ihnen zunächst nochmals kurz die Hintergründe für das Unternehmen Wüste in das Gedächtnis rufen und Ursachen für die Anlage des hiesigen KZ-Friedhofs.

Das Unternehmen „Wüste“ wurde im Juli 1944, in der letzten Kriegsphase, am Fuße der Schwäbischen Alb begründet. Beim Unternehmen „Wüste“ ging es um die Gewinnung von Öl aus Ölschiefer, der sich entlang des Albtraufs findet. Vor allem wegen des geringen Ölgehalts des Schiefers und wegen der technisch nicht ausgereiften Verfahren waren die Versuche zur Ölgewinnung im Grunde erfolglos, die bereits 1943 begannen. Dem Einsatz geschwächter, häufig kaum arbeitsfähiger KZ-Häftlinge als Arbeitskräfte kam dabei letztlich keine entscheidende Bedeutung mehr für den Misserfolg zu.

In Schömberg gewann man, offiziellen (!) Angaben zufolge, im Zeitraum von Dezember 1944 bis März 1945, innerhalb von vier Monaten, aus 26.220 t Schiefer gerade einmal 273 t Öl und 86 l (!) Benzin, d.h. aus 96 t Gestein war eine Tonne kaum verwendbares Öl hergestellt worden. Und das unter immensen Opfern an Menschenleben!

Der gesamte Text (mit diversen Links zum Thema)  kann als pdf.Datei herunter geladen werden: Gedenkstunde_65_Jahre_KZ_Friedhof_Bisingen_publikation

Vorstände von Gedenkinitiativen,  hatten sich auf den Weg nach Bisingen gemacht eine Neuerung, die dem Zusammenschluss von 10 Initiativen zum Gedenkstättenverbund  „Gäu-Neckar-Alb e.V.“ vor genau zwei Jahren zu verdanken ist. Auch Euch, liebe Freunde, sei Dank gesagt.

Frau Rager, Bisingen,  hat für den „Schwarzwälder Bote“ einen sehr guten Bericht geschrieben – per „klick“ vergrößern.

Dr. Andreas Zekorn, Kreisarchivar Zollernalbkreis

Bürgermeister Joachim Krüger, Bisingen

Landesrabbiner Natanael Wurmser, IRGW-Stuttgart

*Anmerkung zum Kaddisch: das Kaddisch-Gebet ist als „Gebet für die Toten“ bekannt. -Genau genommen ist es jedoch ein Gebet, des dem Höchsten  die Ehre gibt und stellvertretend für die Verstorbenen rezitiert wird. An das Kaddisch für die Toten des Holocaust werden  die Namen von Todeslagern hinzugefügt: Auschwitz, Lodz, Ponar, Babi Yar, Maidanek, Birkenau, Kovna, Janowska. Es ist wohl die Nennung der Namen, die den Zuhörer tief  bewegt und wie auch an diesem Sonntag, so manchen das Taschentuch hervorholen ließ!

Pater Joachim und Pfarrer Günther, Bisingen

Vorstand Gedenkstätten KZ Bisingen e.V. und Schüler der Realschule Bisingen

Web-Adresse des Dachverbands „Gäu-Neckar Alb e.V.“ – neu!!!:
Gedenkstättenverbund Gäu-Nckar e.V.
Alle Fotos Hentsch/Wöhr