Besuch aus Tel Aviv mit einer neuen Gedenktafel für den KZ-Friedhof Bisingen

Ein dritter Höhepunkt in 2007 war der Besuch von Chaim und Idit Gil, Tel Aviv, Anfang Okober 2007.

Die Begegnung mit Idit und Chaim Gil in Tel Aviv Ende September 2007 führte zu einem neuen Ereignis für den Verein Gedenkstätten KZ Bisingen. Der Bericht der Vorsitzenden des Verein  der aus Tel Aviv nach Bisingen ging, zeigt in Kürze worum es geht.

Besuch aus Tel Aviv in Bisingen  – Information der Vorsitzenden des Vereins „Gedenkstätten KZ Bisingen“

Chaim und Idit Gil bei einem Treffen in Tel Aviv – Foto U. Hentsch

Der Bruder des im Dezember 1944 im KZ Bisingen umgekommenen Yankiel Gil, Chaim Gil, wird am Sonntag, den 7. Oktober um 15.00 Uhr mit seiner Tochter Dr. Idit Gil die Gedenkstätte KZ Bisingen besuchen und möchte auf dem KZ-Friedhof Bisingen einen kleinen Gedenkstein mit dem Namen seines Bruders setzen.

Diese Nachricht erreicht mich in Shavei Zion, Israel, während meiner neunwöchigen Volontariats- und Besuchsreise. Ich konnte Chaim und Idit Gil in Tel Aviv treffen und habe bereits einige Informationen erhalten. Die Brüder Gelibter (jetzt „Gil“) wurden nahe Radom in Polen geboren, kamen 1941 in das Arbeitslager Radom. Chaim kam 1944 von dort nach Auschwitz , dort trennten sich ihre Wege endgültig und er konnte seinem Bruder nur noch von einem anderen Zug aus zuwinken. Yankiel kam nach Deutschland und gelangte über das KZ Vaihingen/Enz mit einem Transport nach Bisingen. Recherchen der Gils ergaben, dass er hier im Dezember 1944 verstarb.

Die Gils werden für eine Woche im Zollernalbkreis bleiben. Für Holocaust-Überlebende ist es von ganz besonderer Bedeutung, den realen Ort ihrer verstorbenen Angehörigen aufsuchen zu können. Für die beiden Gäste aus Israel wäre es ein besonderes Zeichen der Anteilnahme, wenn sich zu der kleinen Zeremonie um 15.00 Uhr einige Mitglieder und Freunde des Vereins Gedenkstätten KZ Bisingen einfinden würden.

Dafür herzlichen Dank- und Schalom- Uta Hentsch, Shavei Zion, Israel

Der Aufenthalt der Gil’s lag in den bewährten Händen von Hanne Grunert. Über den Besuch siehe: Zeitungsartikel, Bilder und die Rede von Idit Gil (auszugsweise in Deutsch – gesamte Rede in Englisch als pdf-Datei).

Rede von Idit Gil – Auszug  deutsch)

Zwei elementare Bedürfnisse menschlicher Wesen die uns von anderen Kreaturen unterscheidet, sind der Wille zu wissen und der Wille zu verstehen. Sie sind der Antrieb unserer Entwicklung. Während dieser Reise brachten wir einiges über den Platz in Erfahrung, an dem mein Onkel Jakob Gelibter begraben liegt. Nun wissen wir aus erster Hand etwas über den Ort, an dem er die letzten Monate seines kurzen und tragischen Lebens leiden musste.

Nie werden wir begreifen können warum er und 1.157 weitere menschliche Wesen sich hier an diesem Platz zu Tode arbeiten mussten und nur noch menschlicher Staub waren.

Indem du, Vater, den Gedenkstein mit Jakobs Namen hier an seiner Begräbnisstätte setzt, stellt du Jakobs Identität wieder her. Er ist nun nicht mehr länger ein anonymes Opfer sondern ein menschliches Wesen, das umkam, noch bevor es Familie hatte, die sich hätte kümmern können.

Es ist unmöglich, denjenigen zu vergeben, die diese Verbrechen begangen haben. Aber, wie Hans uns sagte: Es gibt auch andere Deutsche.

In der Tat haben wir während unseres Aufenthalts ‚andere Deutsche‘ getroffen, die uns unterstützten und Mut machten auf unserer schwierigen Reise. Durch ihre Überzeugung verließen sie ihren Weg und gingen weit über ihre Pflicht hinaus, um unseren Aufenthalt produktiv und angenehm zu gestalten.

Wir möchten all denjenigen danken, die uns begleiteten und die es ermöglichten, den Gedenkstein zu setzen: die Mitglieder des Vereins, Dr. Andreas Zekorn, Uta Hentsch, die unsere Kontakte zur Gemeinde Bisingen herstellte, Bürgermeister Krüger für seine Unterstützung und seine warme Gastfreundschaft und nicht zuletzt Hanne Grunert, die unserer Reise bedeutungsvoll machte.

Wir hoffen, dass die Erinnerung an die Opfer, die im KZ Bisingen umkamen, nicht nur ein Eckstein bleibt sondern vielmehr ein Katalysator für einen weiterführenden Dialog und zwischen allen Menschen, besonders zwischen Israelis und Deutschen, sein wird.

Vielen Dank und Shalom! – Idit Gil Chaim Gil  . ganze Rede (englisch): Rede Idit GIl. englisch

Idit Gil / Chaim Gil / Bürgermeister Joachim Krüger

„Die Stimme des Blutes deines Bruders schreit zu mir von der Erde.“ 1. Mose 4,10

Chaim Gil besucht den Geschichtslehrpfad

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