Veranstaltung mit Shalom Stamberg, Haifa, am Freitagabend, 29. November 2013

Gedenkstäten KZ Bisingen 10jähriges Stamberg 29.11.2013 -11Am Freitagabend, dem 29. November 2013 hatte, wie später Bürgermeister Krüger sagte, „keine Maus“ mehr im Heimatmuseum Bisingen einen Platz. Beonders freute er sich über die große Anzahl junger Leute, die diese Abendveranstaltung besuchten. Dass unser letzter, uns bekannter Überlebender des KZ Bisngen noch einmal, zum vierten Mal  nach Bisingen kommen konnte kann durchaus als ein besnderes Geschenk angesehen werden – war es doch eben der erste Besuch Shalom Stambergs mit seiner Frau im September 2003, der den letzten Schub zur Gründung des Vereins gab!

Gedenkstätten KT Bisingen 10jähriges Stamberg 29.11.2013 abends -1Der Abend wurde musikalisch umrahnt von unserem Jugendguide und Vorstandsmitglied Jannik Bitzer und seinen Freunden Sinan Yurtulan, Benedikt Hees und Patrick Scholz. In das bekannte „Hava nagila“ zum Abschluss stimmten die Besucher mit Shalom Stamberg und seiner Frau Selda kräftig mit ein.

Gedenkstätten KZ Bisingen 10jähriges Stamberg 29.11.2013 abends -3Gedenkstätten KZ Bisngen 10jähriges Stamberg 29.11.2013 abends -4Da dieser Abend für Stambergs der Vorabend zum Schabbat und gleichermaßen der 4. Abend des  jüdischen Chanukka-Festes war, hatte Shalom Stamber darum gebeten die Chanukkah-Kerzen anzuzünden – die Vorsitzende gab dazu eine kleine Einführung über das Fest – Shalom sprach einen Segen und las einen Griß an die Anweseneden:

Gedenkstätten KZ Bisingen 10jähriges Stamberg 29.11.2013 abends -5„Shalom und Erew Tov leculam – das bedeutet Frieden und guten Abend alle zusammen.

Ich danke dem Verein Gedenkstätten KZ Bisingen, dass ich heute Abend zum 4. Mal hier sein kann und dass Sie alle hier sind und ich ein Grußwort an Sie sprechen kann. Nach Bisingen zu kommen ist immer schwer.

Das ist nur möglich weil vor zehn Jahren die erste Einladung vom Bürgermeister aus Bisingen, von Herrn Krüger, zu mir nach Gedenkstätten KZ Bisingen 10jähriges Stamberg 29.11.2013 -12Haifa kam – und es hier eine Gruppe von Menschen gibt, denen die Arbeit „gegen das Vergessen“ auf dem Herzen liegt,  und die sich  intensiv und ernsthaft mit der deutschen Geschichte  unter dem Nazi-Regime beschäftigen. Schon seit 10 Jahren sind sie alle für mich und meine Familie unsere guten Freunde. Niemand von Ihnen ist für das was geschehen ist verantwortlich aber ich habe eine Bitte an Sie alle,

– nicht zu vergessen – und nichts zu verleugnen, – sondern für die Geschichte Verantwortung zu tragen – nur so kann Zukunft gebaut werden, die sich mit dem Gewissen vereinbaren lässt.

Meine Botschaft ist: Das Jüdische Volk lebt und es wird ewig leben. Am Israel Chai – Shalom Haben Sie alle vielen Dank für Ihr Interesse und Ihre Aufmerksamkeit.                                         Shalom u’wracha leculam – das bedeutet: Frieden und Segen allen die hier sind.“__________

Gedenkstätten KZ Bisingen 10jähriges Stamberg 29.11.2013 abends -10Es gab ein Wiedersehen Stambergs mit Juliette F. aus Hechingen. Sie war als Volontärin für vier Wochen ihres Urlaubs im Gästehaus für Shoa-Überlebende in Shavei Zion, Nord-Israel im Oktober 2002. Innerhalb eines Gesprächs zwischen Shalom Stamberg und Juliette F. , stellte sich heraus, dass  Shalom Stamberg ein Überlebender des KZ Bisingen war.

Mehr zu diesem Abend kann den beiden Presseberichten entnommen werden (siehe unten) – und dem Link vom Schwäbischen Tagblatt: Shalom Stamberg berichtet von seiner Zeit im KZ Bisingen nachgelesen werden. Mit einer Reihe von Bildern (Wöhr/Hentsch) soll ein kleiner Eindruck über die Stimmung des Abends wiedergegeben werden. – Fotos: Wöhr/Hentsch

Gedenkstätten KZ Bisingen 10jähriges Stamberg 29.11.2013 abends -7jpgGedenkstätten KZ Bisingen 10jähriges Stamberg 29.11.2013 abends -9Gedenkstätten KZ Bisingen 10jähriges Stamberg 29.11.2013 abends -15Gedenkstätten KZ Bisingen 10jähriges Stamberg 29.11.2013 abends -17Gedenkstätten KZ Bisingen 10jähriges Stamberg 29.11.2013 abends -14Gedenkstätten KZ Bisingen 10jähriges Stamberg 29.11.2013 abends -16Gedenkstätten KZ Bisingen 10jähriges Stamberg 29.11.2013 abdnes -17jpgGedenkstätten KZ Bisingen 10jähriges Stamberg 29.11.2013 abends -16Gedenkstätten KZ Bisingen 10jähriges Stamberg 29.11.2013 abends -18

SchwaBo 02.12.2013 StambergHoZoZeit 03.12.2013 Stamberg

Werbeanzeigen

Shalom Stamberg, Überlebender des KZ Bisingen, als Zeitzeuge im Gymnasium Ebingen

Aus Anlass des 10jährigen Bestehens des Vereins „Gedenkstätten KZ Bisingen“ besuchte Shalom Stamberg mit seiner Frau Selda aus Israel kommend Bisingen in der Zeit vom 25. 11. – 02. 12. 2013 zum vierten Mal das Kirchspiel Bisingen. Der erste Besuch von Shalom Stamberg im September 2003 gab den letzten noch notwendigen Schub zur Gründung des Vereins „Gedenkstätten KZ Bisngen“ – der aus dem langjährigen Gesprächskreis „Möglichkeiten des Erinnernes“ am 28. November 2003 hervorging. Siehe dazu auch unter der Kategorie „About“!

Für Shalom Stamberg und seine Frau Selda, standen drei Schulbesuche als Zeitzeuge auf dem Programm in dieser Woche – und am Mittwoch vormittag, dem 27. November 2o13 ging es von Bisingen „an der Alb“ hinauf „auf die Alb“ nach Ebingen.

Unser Vorstandsmitglied, Dieter Grupp, Lehrer am Gymnasium Ebingen, hatte es möglich gemacht, dass Shalom Stamberg als Zeitzeuge ins Gymnasium Ebingen eingeladen wurde. 

Verein gedenkstäten KZ Bisingen 10jähriges S.Stamberg im Gymnasium Ebingen 27.11.2013  -1Schulleiter Dr. Schenk begrüßte die Gäste aus Haifa vor etwa 200 Schülern sehr herzlich und über en Verlauf der Veranstaltung kann im Bericht für die Presse von der Lehrerin Stefanie Doldinger hier nachgelesen werden.

Fotos: Grupp und Doldinger___________________________

Arbeit gegen das Vergessen heißt Zukunft bauen

Fast 70 Jahre nach Ende des Holocaust gibt es nicht mehr viele, die die Grauen jener Zeit erlebt haben. Einer der letzten Überlebenden des Holocaust und letzte Überlebende des KZ Bisingen, Shalom Stamberg, sieht genau darin seine große Verantwortung: Denn eine Zukunft, in der diese Grauen sich nicht mehr wiederholen, ist nur möglich, wenn wir gegen das Vergessen arbeiten. Darum kam er von Haifa, Israel, nach Bisingen zum 10jährigen Bestehen des dortigen Vereins „KZ-Gedenkstättenverein Bisingen e.V.“, für dessen Gründung er damals Auslöser war. Auf Einladung von Geschichtslehrer Dieter Grupp besuchte er auch das Gymnasium Ebingen, wo er vor den Schülerinnen und Schüler der Klassen 9 und der Kursstufe 1 aus seiner Vergangenheit erzählte.

PICT2566 - ymnasium Ebingen Schüler 27.11.Selten war eine so große Menge von Schülern in der Schulmensa derart still und aufmerksam wie an jenem Mittwochmorgen, als Uta Hentsch, 1. Verein Gedenkstätten KZ Bisingen 10jähriges -S. Stamberg im  Gymnasium Ebingen 27.11.2013 -2Verein Gedenkstätten KZ Bisingen 10jähriges S.Stamberg im Gymnasium Ebingen 27.11.2013 -3aVorsitzende des Vereins, mit Shalom Stamberg und dessen zweiter Ehefrau Selda auf einem kleinen Podium sitzend, diesen interviewte. Behutsam führte sie ihn durch die Stationen seiner Kindheit und Jugendzeit, die er erst im Warschauer Ghetto verbrachte, aus dem er als gerade einmal 13jähriger auf abenteuerliche Weise in der Nacht floh, nur um wieder in ein Arbeitslager gesteckt zu werden.

Von dort floh er in seinem festen Willen, seine Familie wieder zu sehen, wiederum, indem er sich mitten im Winter nachts unter einem Stacheldrahtzaun hindurch grub. 1942 wiederum wurde er aber mit seiner Familie zusammen nach Auschwitz deportiert: Wie ein Stück Vieh kam er sich damals vor, das in der Herde zum Schächten geführt wird. Und sofort bei der Ankunft wurde er von seiner Mutter und seinen Geschwistern getrennt: Der berüchtigte KZ-Arzt Dr. Mengele höchst persönlich sortierte die Ankommenden aus in „arbeitsfähig“ und sofort zu „erledigen“.

So geschah es, dass er in der Folgezeit für die IG Farben arbeitete. Dann aber kam er ins KZ Buchenwald und dort hatte er die Tatsache, dass er den Holocaust überleben würde, einem glücklichen Zufall zu verdanken: Es wurden dringend Elektriker gesucht. Zwar war Shalom Stamberg kein ausgebildeter Elektriker, aber sein Vater hatte ein Elektrogeschäft und so kannte er sich genug aus, um einen Schaltplan zu zeichnen, der die Verwaltung überzeugte. Aufgrund dessen wurde er Ende Januar 1945 nach Bisingen gebracht.

Die Umstände für die Häftlinge dort waren miserabel, die Arbeit in der Ölförderung und in der primitiven Fabrik extrem. Weil er noch jung und flink war, wurde Shalom Stamberg dazu eingesetzt, auf Strommasten zu klettern und dort Isolatoren zu verbinden. Lange währte diese Zeit jedoch nicht, denn das Kriegsende war absehbar und es gab in Bisingen für die Häftlinge weder mehr Kleidung noch Nahrung. Daher wurde er nach Dachau transportiert und dort schließlich von der amerikanischen Armee befreit. Zusammen mit seiner ersten Frau, die er direkt nach der Befreiung kennen lernte, wanderte er 1948 nach Israel aus.

Obwohl Shalom Stambergs  nie die deutsche Sprache gelernt hat und Uta Hentsch einiges auch zusammenfassend erklären musste, hatte dieser kleine, aber so energische Mann seine Zuhörer absolut in Bann gezogen. Wie kann jemand, so fragten sich alle, so viel Leid und Qual so viele Jahre überleben und nun nach Deutschland zurückkehren, um mit den Enkeln und Urenkeln derer, die ihm einst seine Familie, seine Kindheit und Jugend genommen haben, so freundlich, fast freundschaftlich und offen umzugehen? Es sei wie ein Dynamo, erklärt der Elektriker, den er in seinem Herzen habe: Er trieb ihn an zu überleben, weil er seine Familie wieder sehen wollte, und treibt ihn heute noch an, weil er Optimist ist und sieht, dass wir aus der Geschichte gelernt haben und immer noch lernen. ______________________ENDE

Verein Gedenkstätten KZ Bisingen 10jähriges S.Stamberg im Gymnasium Ebingen 27.11.2013 -4Dieter Grupp bedankte sich im namen der Schulleitung, des gesamten Leherkollegiums und der Schüler bei den Gästen aus Israel sehr herzlich – für Gespäche mit Stambergs, Lehrern und Schülern blieb noch ausreichend Zeit.

Shalom Stamberg hatte zu Beginn des Interviews den Schülern eine für ihn sehr wichtige Botschaft vorgelesen:

Niemand von Ihnen ist für das was geschehen ist verantwortlich aber ich habe eine Bitte an Sie alle, 

–       nicht zu vergessen

–       und nichts zu verleugnen,

–       sondern für die Geschichte Verantwortung zu tragen

Nur so kann Zukunft gebaut werden, die sich mit dem Gewissen vereinbaren lässt.

Er beendete das Gespräch mit dem Satz: Shalom u’wracha leculam – das bedeutet: Frieden und Segen für alle die hier sind.

Verein gedenkstätten KZ Bisingen 10jähriges S.Stamberg im Gymnasium Ebingen Dieter:Stambergs und  27.11.2013 -5

Besuch aus Tel Aviv mit einer neuen Gedenktafel für den KZ-Friedhof Bisingen

Ein dritter Höhepunkt in 2007 war der Besuch von Chaim und Idit Gil, Tel Aviv, Anfang Okober 2007.

Die Begegnung mit Idit und Chaim Gil in Tel Aviv Ende September 2007 führte zu einem neuen Ereignis für den Verein Gedenkstätten KZ Bisingen. Der Bericht der Vorsitzenden des Verein  der aus Tel Aviv nach Bisingen ging, zeigt in Kürze worum es geht.

Besuch aus Tel Aviv in Bisingen  – Information der Vorsitzenden des Vereins „Gedenkstätten KZ Bisingen“

Chaim und Idit Gil bei einem Treffen in Tel Aviv – Foto U. Hentsch

Der Bruder des im Dezember 1944 im KZ Bisingen umgekommenen Yankiel Gil, Chaim Gil, wird am Sonntag, den 7. Oktober um 15.00 Uhr mit seiner Tochter Dr. Idit Gil die Gedenkstätte KZ Bisingen besuchen und möchte auf dem KZ-Friedhof Bisingen einen kleinen Gedenkstein mit dem Namen seines Bruders setzen.

Diese Nachricht erreicht mich in Shavei Zion, Israel, während meiner neunwöchigen Volontariats- und Besuchsreise. Ich konnte Chaim und Idit Gil in Tel Aviv treffen und habe bereits einige Informationen erhalten. Die Brüder Gelibter (jetzt „Gil“) wurden nahe Radom in Polen geboren, kamen 1941 in das Arbeitslager Radom. Chaim kam 1944 von dort nach Auschwitz , dort trennten sich ihre Wege endgültig und er konnte seinem Bruder nur noch von einem anderen Zug aus zuwinken. Yankiel kam nach Deutschland und gelangte über das KZ Vaihingen/Enz mit einem Transport nach Bisingen. Recherchen der Gils ergaben, dass er hier im Dezember 1944 verstarb.

Die Gils werden für eine Woche im Zollernalbkreis bleiben. Für Holocaust-Überlebende ist es von ganz besonderer Bedeutung, den realen Ort ihrer verstorbenen Angehörigen aufsuchen zu können. Für die beiden Gäste aus Israel wäre es ein besonderes Zeichen der Anteilnahme, wenn sich zu der kleinen Zeremonie um 15.00 Uhr einige Mitglieder und Freunde des Vereins Gedenkstätten KZ Bisingen einfinden würden.

Dafür herzlichen Dank- und Schalom- Uta Hentsch, Shavei Zion, Israel

Der Aufenthalt der Gil’s lag in den bewährten Händen von Hanne Grunert. Über den Besuch siehe: Zeitungsartikel, Bilder und die Rede von Idit Gil (auszugsweise in Deutsch – gesamte Rede in Englisch als pdf-Datei).

Rede von Idit Gil – Auszug  deutsch)

Zwei elementare Bedürfnisse menschlicher Wesen die uns von anderen Kreaturen unterscheidet, sind der Wille zu wissen und der Wille zu verstehen. Sie sind der Antrieb unserer Entwicklung. Während dieser Reise brachten wir einiges über den Platz in Erfahrung, an dem mein Onkel Jakob Gelibter begraben liegt. Nun wissen wir aus erster Hand etwas über den Ort, an dem er die letzten Monate seines kurzen und tragischen Lebens leiden musste.

Nie werden wir begreifen können warum er und 1.157 weitere menschliche Wesen sich hier an diesem Platz zu Tode arbeiten mussten und nur noch menschlicher Staub waren.

Indem du, Vater, den Gedenkstein mit Jakobs Namen hier an seiner Begräbnisstätte setzt, stellt du Jakobs Identität wieder her. Er ist nun nicht mehr länger ein anonymes Opfer sondern ein menschliches Wesen, das umkam, noch bevor es Familie hatte, die sich hätte kümmern können.

Es ist unmöglich, denjenigen zu vergeben, die diese Verbrechen begangen haben. Aber, wie Hans uns sagte: Es gibt auch andere Deutsche.

In der Tat haben wir während unseres Aufenthalts ‚andere Deutsche‘ getroffen, die uns unterstützten und Mut machten auf unserer schwierigen Reise. Durch ihre Überzeugung verließen sie ihren Weg und gingen weit über ihre Pflicht hinaus, um unseren Aufenthalt produktiv und angenehm zu gestalten.

Wir möchten all denjenigen danken, die uns begleiteten und die es ermöglichten, den Gedenkstein zu setzen: die Mitglieder des Vereins, Dr. Andreas Zekorn, Uta Hentsch, die unsere Kontakte zur Gemeinde Bisingen herstellte, Bürgermeister Krüger für seine Unterstützung und seine warme Gastfreundschaft und nicht zuletzt Hanne Grunert, die unserer Reise bedeutungsvoll machte.

Wir hoffen, dass die Erinnerung an die Opfer, die im KZ Bisingen umkamen, nicht nur ein Eckstein bleibt sondern vielmehr ein Katalysator für einen weiterführenden Dialog und zwischen allen Menschen, besonders zwischen Israelis und Deutschen, sein wird.

Vielen Dank und Shalom! – Idit Gil Chaim Gil  . ganze Rede (englisch): Rede Idit GIl. englisch

Idit Gil / Chaim Gil / Bürgermeister Joachim Krüger

„Die Stimme des Blutes deines Bruders schreit zu mir von der Erde.“ 1. Mose 4,10

Chaim Gil besucht den Geschichtslehrpfad