Bisingen – Zeitzeugenberichte – Das Aussehen des Lagers

Das Aussehen des Lagers
Hermann Noell, einer der wenigen deutschen Häftlinge in Bisingen, beschreibt in einem Bericht für die französische Militärregierung in Hechingen 1945/46, wie das KZ Bisingen aussah:
„Das Lager bestand aus einer großen feuchten Wiese; ein gefährlicher Stacheldrahtzaun, der noch mit anderen spitzen Hindernissen gesichert war, umgab den Platz. Hier und da wurde er durch Wachtürme durchbrochen. Auf dem Wachturm und in den Wachhütten standen SS-Leute bewaffnet Posten. Die Häftlinge (…) mussten zunächst in schlechten Zelten auf der feuchten Wiese zubringen; später wurden sie in Baracken oder richtiger in mangelhaften Pferdeställen untergebracht. Für die Insassen waren acht Baracken vorgesehen. (…) In sechs Baracken gab es gemeinsame Schlafstätten; an den Wänden waren Brettergestelle errichtet; auf diesen lagen drei Bretter übereinander; auf jedem Brett mussten drei Häftlinge schlafen, obwohl der Platz nur für einen ausreichte. Anfangs erhielt der Häftling nicht eine Decke, später bekamen drei Mann eine Decke zugeteilt. Um diese Decke entstand oft in der Nacht ein bedauerlicher Kampf und zerstörte manchmal die Kameradschaft: Eine echte Kameradschaft sollte auch nicht aufkommen, sie war von der Lagerleitung nicht gewollt.“

Arbeit im Ölschieferwerk
Hermann Noell „Jeder Häftling, der noch auf den Beinen stehen konnte, musste arbeiten, ob er wollte oder nicht. Der größte Teil der Lagerinsassen hatte die Aufgabe, in einigen Gebieten, die sich in der Nähe des Lagers befanden, Schiefer zu brechen und aus dem Schieferbruch Öl zu gewinnen. Die Arbeit war schwer, sehr schwer und wurde von SS-Leuten und OT-Leuten überwacht. (…) Die Ausgabe der Kräfte stand in keinem Verhältnis zu der Ernährung, folglich musste jeder bald versagen oder in einen Schwächezustand verfallen. Die Absicht der SS-Mannschaft war, möglichst viel Arbeitsleistung, alle Kräfte aus ihren Opfern herauszuholen und sie dann ihrem aufgezwungenen Elend zu überlassen. Wenn einer bei der Arbeit vor Schwäche, Hunger und Elend zusammenbrach, so ließ man ihn nicht etwa liegen, nein, man prügelte auf ihn ein, bis er dem Tode nahe war. (…) Die Urheber waren meistens SS-Leute, zuweilen auch OT-Leute.“ (OT= Organisation Todt)

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Aus: „Möglichkeiten des Erinnerns“ – Bisingen, 1997, von Christine Glauning

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