Auszüge von den Gesprächskreis-Treffen im Frühjahr/Sommer – ein neuer Holocaust-Überlebender, Shalom Stamberg, Haifa, wird vorgestellt

Sitzung am Mittwoch 05. Februar 2003 – bei diesem Treffen konnte ich einen Bericht + Dias über die 1 1/2 jährige Volontärszeit in Shavei Zion im Gästehaus für Holocaust-Überlebende geben – und von Shalom Stamberg und seiner Geschichte im KZ Bisingen berichten.

Ein weiterer TOP u.a. war die seit langem bereits ‘andiskutierte’ Frage nach einem Logo für unseren Gesprächskreis – mit der Hoffnung auf baldige Realisierung.

Sitzung am Mittwoch 02. April 2003 –  bei diesem Treffen begannen die Vorplanungen für den Besuch der Gäste aus Israel. Mir wurde die Aufgabe übertragen, den Zeitpunkt des Besuchs, die Frage nach koscheren Mahlzeiten und evtl. Schulbesuchen mit Stambergs zu klären, sowie Flug und Hotelkosten u.v.a.m. in Erfahrung zu bringen. Wir sprachen über eine öffentliche Veranstaltung und Begleitung durch Mitglieder des Gesprächskreises der Familie Stamberg während ihres Aufenthaltes in  Bisingen. Bürgermeister Krüger sollte nach Einholung aller Fakten über Kosten, die auf die Gemeinde zukommen würden informiert werden.

Logo-Entwürfe für GesprächsFür das Thema: “Gesprächskreis-Logo“ hatten die Teilnehmer dieses Treffens auf Bitte im Einladungsbrief  eine Reihe von Vorschlägen mitgebracht – das Resultat im Bild links.

Eine Reihe weiterer Themen wurden besprochen – u.a. ein öffentlicher Abend  im November (Reichspogrom-Nacht 09.11.1938)? – mit dem Vorschlag einer  Veranstaltung über “Georg Elser”.

Sitzung am 22. Mai 2003 – mit dem Hauptthema “Shalom und Selda Stamberg in Bisingen” . Bürgermeister Krüger teilte uns mit, dass die Kosten für den Aufenthalt von Stambergs von der Gemeinde übernommen werden. Termin eine Woche vom  12. – 19. September 2003. Feinplanungen wurden für die nächste Sitzung im Juli aufgehoben. Für den Besuch in 5 Schulen (2 in Bisingen / 3 in der Region) stellten sich aus der Gruppe des Gesprächskreises Mitarbeiter für die Kontaktaufnahme mit den Schulen zur Verfügung. Eine öffentliche Veranstaltung mit Shalom Stamberg unter dem Titel “Schalom – ich habe Euch viel zu erzählen” wurde für den 14. 09. 2003 mit einer Führung durchs Heimatmuseum “vor”geplant.

Die weiteren TOPs sollen hier ausgelassen werden, da sie eher Geprächskreis-Interna beinhalten.

Sitzung am 03. Juli 2003 – Hauptthema war die Feinplanung des bevorstehenden Besuchs aus Israel – sie wurde dann auf der Sitzung am 01. September 2003 endgültig verabschiedet (bis auf noch kleine Lücken) – siehe Bilder:

2003 Stambergs -12003 Stambergs -2

Werbeanzeigen

Vorankündigung des Besuchs von Shalom und Selda Stamberg in der Presse

Bereits im Juli 2003 gab es einen ersten Pressebericht über den bevorstehenden Besuch von Shalom und Selda Stamberg in Bisingen – alle Vorberichte sind hier in Reihenfolge des Erscheinungsdatums nachzulesen. Vorab ist es notwendig noch einen Hinweis auf die Ankunft Shalom Stambergs in Bisingen Ende Januar 1945 geben: bei allen meinen Besuchen und immer weider Nachfragen an Shalom Stamberg erzählt er das Gleiche über seinen Transport nach Bisingen – er kam Ende Januar mit zwei Elektrikern und einem Ingenieur auf einen Lastwagen Ende Januar von Buchenwald nach Bisingen. Bei meinem Besuch im April 2009 erzählte er mir darüber wieder sehr ausführlich und zum ersten Mal auch darüber, dass er „Max“ den Ingenieur in Israel wiedergetroffen hat.

Hier die Geschichte – ich habe sie aus meinem Israel-Reisebericht 2009 (aus einer anderen meiner Webseiten herauskopiert): Shalom hatte uns schon im September 2003  berichtet, dass er Ende Januar mit einem Ingenieur zusammen aus Buchenwald bei uns in B. angekommen war. Max war etwa 25 bis 30 Jahre älter als Shalom und Shalom erzählte mir gestern, dass dieses Max für ihn wie ein Vater war. Shalom hat ja dann später, ohne je eine Ausbildung gemacht zu haben als Elektriker gearbeitet und in einem bestimmten Elektrogeschäft in Haifa seine notwendigen Gerätschaften eingekauft. Dort hat er über seinen langen Leidensweg erzählt und darüber, dass er zuletzt mit einem Ingenieur namens Max von Buchenwald nach B. gekommen war, um dort die noch notwendigen elektrischen Arbeiten zur Inbetriebnahme der Manufaktur zur Ölgewinnung aus Ölschiefer zu erledigen. Ja, und über den Inhaber dieses Geschäftes kam es dann – welch ein Wunder – dass Shalom und Max sich 1992 in Haifa wieder trafen. Max war nach Südamerika emigriert und hatte Familie in Israel die er besuchte zu der auch  und schließlich wanderte er dann in Israel ein. Nach der Befreiung in Staltach im Mai 1945 durch die Amerikaner, hatten sich ihre Wege getrennt. Das Wiedersehen nach all den Jahren in Israel war für beide mehr als ein großes Wunder. Und wieder nannte Max Shalom „seinen Sohn“, der ihm in Bisingen das Leben gerette hat, denn ohne Shaloms handwerkliche Tätigkeiten in  Bisingen wäre er, Max „nichts“ gewesen, da er schon damals nicht in der Lage war auf die Masten zu klettern um seine zu Papier gebrachten Pläne zu realisieren. Es gab einige wiederkehrende Treffen, bis Max dann zwei Jahre später seinem Krebsleiden erlag.

Für mich klingt diese Geschichte absolut der Wahrheit entsprechend – zumal zwischen den Transporten vom 26. November 1944 und dem nächsten am 07. März 1945 keine anderen Zugtransporte nach Bisingen stattgefunden haben. Ein weiterer Punkt, der Shalom Stambergs Erzählung als der Wahrheit entsprechend unterstützt ist die Tatsache, dass erst am 23. Februar 1945 in Bisingen der erste „Meiler“ gezündet wurde. Eine Kurz-Legende über die Leidensodyssee Shalom Stambergs hier: Kurz-Legende Shalom Stamberg

002a-SchwaBo 04neu !SchwaBo - 04003Hohen.Zoler. 04

Besuch von Shalom und Selda Stamberg in Bisingen – 13./14. September 2003

Endlich war es soweit – die intensiven Planungen für den Besuch von Shalom und Selda Stamberg aus Haifa, Israel, waren plötzlich Realität geworden. Es wird hier eine Abfolge von Bildern und Zeitungsartikeln über den Besuch aus Israel erscheinen. Da es eine ziemliche Fülle an Material ist sind es kleine „Bild“-Vorausschauen, die durch „click“ vergrößert werden können. Über dem Pfeil oben links gelangt man gleich wieder zum Artikel zurück.

Samstag, 13. September 2003 – Führung durch das ehemals jüdische Hechingen und Besuch auf der Hohenzollernburg

Hechingen-Synagogue2-HCH-Synagoge6-HCH Rabbiner SchmalzbacbFrau Werner, bekannt für ihre hervorragenden Stadtführungen, zeigt das Bild von Leon Schmalzbach, Lehrer und letzter Rabinatverweser der israelitischen Gemeinde.

3-HCH-MemobuchEinblick in das „Memo-Buch“ – Otto Werner hat in mühsamster Kleinarbeit die Daten der ehemals jüdischen Bürger Hechingens zusammengetragen.0003avor der Hechinger Synagoge Über die Restaurierung der Hechinger Synagoge und die Ausführungen von Johanna Werner sagte Stamberg: „Ich habe keine Wort, ich kann nicht glauben, was ich sehe und höre – so wunderbar ist das.“ Als zum Abschluss der Führung das „S’hma Israel“ – Höre Irael – (5. MOse 6,4) musikalisch erklang, war die tiefe innerliche Bewegung des Ehepaars Stamberg nicht zu übersehen.

4-HCH-BrunnenDer Hechinger „Stadtbrunnen“ erzählt die Geschichte der ehemals jüdischen Bürger Hechingens.Frau Werner

Im Gespräch – Selda Stamberg und Frau Werner

Shofar!

Shalom Stamberg, gern zu einem kleinen Scherz aufgelegt, funktioniert kurzer Hand eine Brezel zu einem Shofar um.

8-Pano-BurgAuf dem Weg zur Hohenzollernburg – leider konnten wir darin keine Bilder aufnehmen9-auf der Burg.

Selda 03Sonntag, 14. September 2003 – morgens waren Stambergs von Frau Pfarrerin Hirschbach zum Gottesdienst in die Evangelische Kirche der Gemeinde Bisingen eingeladen mit einem anschließenden Stehempfang.Vor d.Kirche 14.09

Hirschbach über Besuch von Shalom

Am Nachmittag traf eine Gruppe von Freunden des Gesprächskreis‘ „Möglichkeiten des Erinnerns“ und viele durch die Presse aufmerksam gewordene Interessierte auf dem KZ Bisingen Shalom und Selda Stamberg. KZ-FriedhofKaddisch 14.09

Nach dem persönlichen Grußwort spricht Shalom Stamberg den Kaddish – das jüdische Totengebet.

Am Abend gab es eine öffentliche Veranstaltung mit dem Thema: „Schalom – ich habe Euch viel zu sagen“ – ein Titel, der an Shalom Stamberg Worte erinnerte, die er zu mir bei unserem ersten Treffen in Haifa am 28. November 2002 sagte: „Ich habe den Bisingern viel zu erzählen!“ krüger 14.09Für Bürgermeister Joachim Krüger hatte Shalom Stamberg einen Brief des Bürgermeisters von Haifa mitgebracht.

Alle Fotos: U.Henstch

15.09Interview-SchwaBoShalom-legende -1 copyShalom-Legende-2 copyShalom-Legende-3 copy

Besuch von Shalom und Selda Stamberg in Bisingen – 15./16. September 2003

Am Montag, 15. September 2003 besuchten Shalom und Selda Stamberg morgens die Grund-Haupt und Werk-Realschule in Bisingen – die Aufmerksamkeit der Schülerinnen und Schüler war sehr groß – und nach anfänglicher Befangenheit wurden anschließend doch noch viele Fragen gestellt. Shalom Stamberg erinnerte sich später im Besonderen daran, dass er Tränen in Augen von Schülern gesehen hatte.

013a GHWR-Schule012 With pupils School at Bisingen

Krüger at the town hall BisingenDanach ab es einen Empfang für Stambergs bei Bisingens Bürgermeister Joachim Krüger im Rathaus.

015-"golden" guestbook Bisingen

Dem Eintrag ins „goldene“ Buch (natürlich symbolisch gesprochen) folgen kleine Geschenke aus Haifa von Stambergs and Herrn Krüger – dabei gibt ein winzig kleines „Käschtle“ einige Rätsel zum Öffnen auf – am Ende ist dann aber doch noch geschafft.

014gifts from ShalomMedaille Haifa017 more tha words could sayVom Rathaus zum gemeinsamen Mittagessen und nach einer kleinen Verschnaufpause für Shalom und Selda Stamberg steht am Nachmittag diese Tages der Besuch im Heimatmuseum mit der Ausstellung „Schwierigkeiten des Erinnerns auf dem Programm. Herr Hahn, Leher der Sichelschule Balingen hat es sich nicht nehmen lassen, mit einer kleinen Schülergruppe per Zug anzureisen um an diesem Treffen teilzunehmen.018Museum Bisingen-1019Museum Bisingen -2

027Memory-Tafel "without"Auch für’s Museum hat Shalom Stamberg Geschenke mit gebracht: neben seinem persönlichen Bild als Häftling ein Bild, welches er noch fertig montieren wird mit einer immerbrennenden Lampe – der Text darauf: „Im Gedenken an die Menschen, die im KZ Bisngen umgekommen sind – Shalom Stamberg, ein Überlebender, Israel, Haifa – September 2003. Seinen Häftlingsanzug, den er bis zur Befreiung getragen hat, schenkte er Herrn Bürgermeister Krüger für das Museum020Museum Bisingen-3. Mayor Krüger

Danach gab einen Rundgang durch die Räume des Museums und viele KrügerKrüger033Stambergs with pupilsanregende Gespräche zwischen den Gästen und „Einheimischen“. Auch hier durfte der Eintrag ins Gästebuch nicht fehlen und am Ende gab es noch eine interessante Fragestunde zwischen den Balinger Schülern, die ihre Fragen bereits vorbereitet hatten. Ein langer Tag,mit einem anspruchsvollen Tagesprogramm ging zu Ende. Shalom Stamberg sagte abends – dass es ihm unendlich schwer war – er jedoch sehr zufrieden über alles was war ist.

Dienstag, 16. September 2003 – die Freie Waldorfschule in Balingen-Frommern hatte Stambergs zu einem Besuch eingeladen. Auch hier hatte Shalom Stamberg eine sehr aufmerksame Zuhörerschaft – 035"Waldorf"school Balingen -2Herr Grebe Lehrer Shalom035"Waldorf" school Balingen -1an der Waldorfschule hatte den Kontakt mit dem Gesprächskreis hergestellt und die Schüler bereits gut auf das „Unternehmen Wüste“ vorbereitet. Nach einem Begrüßungslied gab Shalom Stamberg seinen Bericht, dem sich eine Frage-Runde anschloß  – das Bild zeigt die Betroffenheit der jungen Menschen, als sie die Häftlingsnummer in Realität betrachten können. 037 Walsorfschool .Vegetable gardenEin abschließender Rundgang durch die 038"Potato harvest"013ZAK-18.09Außenanlagen mit kleinen Gemüse und Obstgärten – halfen Shalom Stamberg, die Anspannung der vergangenen zwei Unterrichtsstunden zu reduzieren.

Dienstag, 16. September 2003 – nachmittags – mit einer kleinen Gruppe von IntereShalomssierten geht es auf den 1998 eröffneten Geschichtslehrpfad (siehe 041"History way" -2unter „KZ Bisingen-LERNFELDER). Wie für alle unseren Überlebenden, ist auch für Shalom Stamberg nicht möglich sich zu orientieren – allein die 041"History way" -3043"Hisrory way" groupHohenzollernburg ist für ihn ein  Erkennungszeichen. Hans Martin, informiert ausführlich und kompetent an den einzelnen Stationen (Info-Tafeln) – und so manches vertiefende Gespräch zwischen Hans und Shalom läßt immer wieder neu den ganzen mörderischen Wahnwitz dieses Unternehmens erkennen.                          Alle Fotos: U.Hentsch