Ein neuer Gedenkstein für den KZ-Friedhof von Shalom Stamberg – Haifa

Ein zweiter Höhepunkt in 2005: der zweite Besuch von Shalom Stamberg aus Haifa. Bereits bei einem Besuch der Familie Stanberg im Frühjahr 2004 hatte Shalom Stamberg den Wunsch geäußert, einen Gedenkstein auf dem KT-Friedhof Bisingen zu setzen. In der zweiten Aprilwoche 2005 erfolgte ein Anruf aus Israel – Shalom Stamberg meldete sich an für die Zeit von Freitag 06. – Mittwoch 11. Mai. Er wollte eine Tafel mitbringen, die dann auf einem Gedenkstein angebracht und als Pendant zum jüdischen Gedenkstein von 1998 aufgestellt werden sollte.

Am Samstag, 07. Mai, gab es einen Termin für Shalom Stamberg bei Steinmetz Rager – natürlich konnte in der Kürze der Zeit seines Aufenthaltes das Arrangement  nicht fertiggestellt werden – den Stein selbst, ein dunkelgrauer Granitstein musste erst bestellt und dann bearbeitet werden, um dann die silberne Messingplatte von Shalom Stamberg darauf zu befestigen.

„Es war eine Eingebung von oben, ich musste es tun zum 60. Jahrestag der Befreiung aller Konzentrationslager am 10. Mai 1945 und nichts konnte mich davon abhalten“ – so Shalom Stamberg am 10. Mai 2005 am frühen Nachmittag auf dem KZ-Friedhof Bisingen. Es war eine denkwürdige Veranstaltung – durch die Kreativität von Mitgliedern des Vereins Gedenkstätten KZ Bisingen und die Anwesenheit von Bürgermeister Krüger und Pfarrerin Hirschbach, einer Gruppe von Freunden des Vereins und einer Schulklasse  erhielt die symbolische Enthüllung der Gedenktafel einen würdigen Rahmen – Shalom Stamberg, Überlebender des KZ Bisingen, sprach allen Anwesenden einen großen Dank aus.

Am Montag, 09. Mai besuchte Shalom Stamberg die HGW-und Realschule in Bisingen und am Dienstag Vormittag war Shalom Stamberg als Zeitzeuge Gast in der Sichelschule Balingen. Im Folgenden Zeitungsberichte und Bilder dieses Nachmittags am 10. Mai 2010




Besuch von Isak Wasserstein und seiner Frau Rosel in Bisingen

Ein dritter Höhepunkt im ersten Halbjahr von 2005 war der Besuch von Isak Wasserstein mit seiner Frau Rosel aus München. Der Verein und die Gemeindebücherei Bisingen hatten ihn zu einer Lesung über seine Lebenstationen eingeladen. Verbunden wurde der Besuch mit zwei Zeitzeugenberichten in der Kaufmännischen Schule in Hechingen und in der 12. Klasse des Gymnasiums Ebingen. Die nachfolgenden Zeitungsberichte und Bilder (alle Fotos U. Hentsch) geben ausführliche Information über den Besuch, der von diversen privaten Einladungen begleitet wurde.

Sechstklässler der Realschule Bisingen singen zur Begrüßung „Hevenu Shalom Aleichem“

Isak Wasserstein liest aus seinem Buch: „Ich stand an der Rampe von Auschwitz“

Gespräche nach der Lesung: Rosel Wasserstein und Bürgermeister Joachim Krüger

Ein Autogramm für Hanne Grunert

Zeitzeugenbericht in der Kaufmännischen Schule Hechingen

Nach dem Vortrag – Zeit für Autogramme

Im Gespräch mit Schülerinnen

Auf dem Geschichtslehrpfad – hier am Steg, dem vermutlichen Eingang zum Lager und Apeelplatz

Geschichtslehrpfad: am ehemaligen „Ölbunker“

Geschiichtslehrpfad: an der Ölschiefer-Abbaukante

Geschichtslehrpfad: Iska Wasserstein an einer Info-Tafel an der Ölschiefer-Abbaukante

Bisinger Gemeinderat stimmt der Umgestaltung des Heimatmuseum zu / Gruppe aus den USA im Heimatmuseum

Auf der Gemeindratssitzung am 27. Juli 2005 gab es uneingschränkte Zustimmung für die Umgestaltung des Heimatmuseum – siehe „Nachrichtenblatt Bisingen“.

Konrad Flegr, Bisingen, Mitarbeiter eier Internationalen Jugendaustausch-Organisation besuchte mit dreizehn Jugendlichen aus den USA das Heimatmuseum Bisingen.  Er schloß den Besuch mit den Worten ab: „Mag das KZ-Museum eine besondere finanzielle Belastung für die Gemeinde Bisingen sein, so ist es auf jeden Fall auch ein einzigartiger, unersetzlicher Ort der Geschichtsbewahrung, der über Bisingen hinaus Wirkung zeigt.“


Informations-und Gedenkfahrt „Unternehmen Wüste“

Im September 2005 hatte der Verein zu einer „Spurensuchen“ Gedenkfahrt eingeladen zu der sich neun Teilnehmer meldeten. Hans Martin führte die kleine Gruppe zu verschiedenen Plätzen, an denen sich noch Relikte der ehemals 10 „Wüste“-Werke befanden und zu den 3 KZ-Friedhöfen auf denen insgesamt 3480 Opfer (aus Massengräbern exhumierte) Opfer, viele davon namenlos wie z. B. in Bisingen, an die Dimension des Wahnsinns des Unternehmen „Wüste“ erinnern.

Bereich B27-Abfahrt nach Haigerloch/von Moos überdeckter Kontrollschacht der Wasserleitung, die von der Böllatmühle zum Kuhloch von den Häftllicngen des KZ Bisingen unter unvorstellbaren Bedingungen verlegt werden musste.

An der "Böllatmühle"

Stauwehr "Böllatmühle" - hier befand sich ein Pumpenhaus und eine Trafostation

In Erzingen, Dormettingen und Schörzingen rote Ziegelstein-Relikte, in denen sich u.a. Elektrogebläse und Trafostationen befanden

EIne kleine Kapelle auf dem KZ-FRiedhof in Schörzingen (549 Opfer). In der Kapelle sind Namenstafeln mit Herkunftsland angebracht

"Lege, HERR, einen Schrecken auf sie, dass die Heiden erkennen, dass sie Menschen sind." Psalm 9,21 - Hebräische Inschrift auf dem Gedenkstein in Schörzingen

Achteckiges "Öltank"-Relikt im Eckerwald

Ein Gebäudeblock, dessen Decke irgenwann einstürtzte hat die "Initiative Eckerwald" als Feilichmuseum eingerichtet

Oktober 2005 – Vorstandswahl und Vorschau für 2006

Bei der Jahreshauptversammlung mit Wahlen am 26. Oktober 2005 wurde der Vorstand bestätigt.  Hanne Grunert, seit 15.01.2005 als „wissenschaftliche Mitarbeiterin“ bei der Gemeinde Bisngen tätig, wurde vom Verein als kooptierte Sachverständige und Mitglied im Verein aufgenommen. Ein Rückblick auf die Aktivitäten der vergangenen zwei Jahre kann in Hinsicht auf die Mitgliederzahl und finanzielle Möglichkeiten als durchaus positiv bewertet werden.

In 2006 wird sich der Verein voll auf die Umgestaltung der Ausstellung im Heimatmuseum zum 10-jährigen Bestehen im Oktober konzentrieren.

Besuch aus Amsterdam zum Gedenken an den Tod des Vaters am 14. November 1944 in Dautmergen

Anfang Juni 2010 besuchte die Familie Brouwer-Fontaine die Gedenkstätte Dautmergen/Schömberg ( siehe Bericht hier vom 09.06.2010: „Jetzt wissen wir endlich wo und wann….“). Der Vater von Helene Brouwer-Fontaine, Franz Fontaine,  starb am 14. November 1944 mit 43 Jahren in Dautmergen. Das war für Helene Brouwer-Fonatiane und ihren Ehemann Cees de Brouwer Grund genug zum 14.11.2010 erneut nach Dautmergen zu kommen, um an der neben dem Friedhof gelegenen Gedenkstätte des Vaters von Leny, wie Freunde sie nennen, zu gedenken.

Dass der 14.11. in diesem Jahr ein Sonntag und Volkstrauertag in Deutschland war, beinhaltet für die Gäste aus Amsterdam ein besonderes Ereignis: auf dem KZ-Friedhof Schömberg fand eine Gedenkveranstaltung statt, die bereits seit vielen Jahren hier am Volkstrauertag von den Kirchengemeinden der umliegenden Ortschaften einen festen Platz in der Arbeit „Gegen das Vergessen“ gefunden hat.

Dazu siehe den Bericht vom Zollernalb Kurier hier zu Abschluss. Für Helene Brouwer-Fontaine und ihren Mann Ceese de Brouwer waren die Reden/Ansprachen ein besonders starkes, emotionelles Erlebnis – sie waren sehr stark beeindruckt von den „vielen Teilnehmern“ an diesem Gedenken an die vielen Opfer des Wahnsinns-Unternehmens „Wüste“.

Am Nachmittag danach und am Abend gab es Treffen mit Mitarbeitern der „Initiative Eckerwald“ und der Gesprächsstoff über die Vergangenheit ging auch in dienen Stunden bis zum späten Abend nicht aus.

Hanne Grunert, von der Gemeinde Bisingen hatte die Betreuung der Gäste übernommen, wie bereits auch schon beim ersten Besuch im Juni – und am Ende gab es eine herzliche Verabschiedung mit der Vision, eines Wiedersehens im nächsten Jahr.

Bericht über die Gedenkfeier: Zollernalb Kurier am 15.11.2010

Alle Fotos: Hentsch

Erinnerung an den Novemberpogrom in Haigerloch

Vortrag 05.11.2010 - Heimatmuseum BisingenUnd ’s isch doch au‘ d’r Synagog nix passiert. Net?

Zu einem Vortrag zum Thema: der Novemberpogrom in Haigerloch in der Nacht vom 09. zum 10. November 1938, hatte der Verein Gedenkstätten KZ Bisingen eingeladen. Neunzehn Besucher erhielten umfangreiche Einblicke in geschichtliche, „nach“-juristische und Haigerloch speziell betreffende Fakten um die Geschehnisse der als „Reichspogromnacht“ bekannten Übergriffe deutscher Nazi-Schergen gegen persönliches Eigentum, Synagogen und Schulen von jüdischen Bürgern im Nazi-Deutschland. Es wurde ein sehr informativer Abend, die Ausführungen von Helmut Gabeli wurden durch entsprechendes Bildmaterial unterstützt.

Zu Beginn seiner Ausführungen zu Haigerloch stellte Helmut Gabeli zwei „Vorbemerkungen“ zur Thematik der Novemberpogrome vor. Erstens zusammenfassend: (…..) Es ist daher kaum möglich, eine gerade Linie aus der Lutherschen Forderung, die Synagogen niederzubrennen, und den barbarischen Vorgängen im November 1938 zu ziehen. Selbstredend kann es natürlich sein, dass manch nationalsozialistischer Täter subjektiv durch die Luther’sche Aufforderung, die Gotteshäuser der Juden anzuzünden beeinflusst oder gesteuert war. Aber das ist – wenn man es in Betracht zieht – wohl nur auf der Ebene der örtlichen Täter vorstellbar. Zweitens: Die Annahme einer Art Test, wie weit die deutsche Bevölkerung bereit sei, die antijüdische Politik der Nazis zu dulden oder mit zu tragen – für diese Hypothese sind – soweit ersichtlich – keine Belege vorhanden.

Es folgte ein historischer Zeit-Kontext zum Pogrom. Der junge Franzose Hershel Grynzspan hatte am 07. 11. 1938 in Paris nach einem Gespräch mit dem deutschen Legationsrat Ernst von Rath auf diesen geschossen. Grynzspan wollte damit auf die verzweifelte Lage seiner Eltern und deren Deportation von Deutschland zurück nach Polen aufmerksam machen.  Grynzspan selbst, In Deutschland geboren, durfte weder nach Deutschland zurück noch erhielt er eine Aufenthaltserlaubnis in Frankreich. Von Rath erlag am 09.11.1938 seinen schweren Verletzungen. Am späten Abend riefen aus München die Gauleiter ihre Gauleitungen an und instruieren sie in mehr oder minder präziser Form, mit entsprechenden Aktionen gegen Synagogen, jüdische Häuser und Geschäfte loszuschlagen.

Vortrag-Helmut Gabeli, Haigerloch im Heimatmuseum Bisingen/05.11.2010Haigerloch in den frühen Morgenstunden des 10.11.1938: gegen 2 Uhr morgens rückte von Weildorf kommend eine etwa 40köpfige Truppe aus Richtung der St. Annakirche her in das Haag ein. Wie man später erfuhr, handelte es sich dabei um SA-Angehörige aus Sulz

„Heute wissen wir“, so Helmut Gabeli, „dass von einem spontanen Ausbruch des Volkszorns keine Rede sein kann. Wir haben gehört, dass es sich um eine geplante und von oben angeordnete Terroraktion gegen die jüdische Bevölkerung und deren Besitz handelte.“

Die Haigerlocher Synagoge wird zwar nicht niedergebrannt, aber doch geschändet und schwer beschädigt. Sämtliche Scheiben werden eingeschlagen, die Türen eingedrückt und die ganze Inneneinrichtung demoliert. Auch die Mikwe, d.h. das rituelle Bad, wird schwer beschädigt. Auch am jüdischen „Gasthaus Rose“ wütet der Zerstörungstrupp. 17 Fenster und das Glas der Eingangstür gehen allein hier zu Bruch. Vormals fanden hier die Festlichkeiten der Jüdischen Gemeinde statt. Der Weinvorrat bleibt unversehrt. Allerdings hat die Wirtin Julie Levi, die im Begriff ist nach England auszuwandern, die Vorräte zumindest schon zum Teil an Gastwirte der umliegenden Gemeinden verkauft. Wein bleibt Wein! Das Inventar der Gaststätte wird nahezu völlig zerstört.

Ehemalige Jüdische Schule, Wohnung des lehrers und Rabbinatsverwesers Gustav Spier sel.A.Am jüdischen Gemeindehaus, in dem die Schule, die Lehrerwohnung und früher auch das Rabbinat untergebracht waren, wird der Schulsaal ebenfalls völlig demoliert und die Wohnung des Lehrers Spier schwer beschädigt. Hierzu berichtet Ruth Ben-David, die Tochter des letzten jüdischen Lehrers und Rabbinatsverwesers Gustav Spier in einem Gespräch mit mir, Uta Hentsch, 2009 im Kibbuz Tirat Zvi: […] Der Pöbel drang ins Haus ein >>und wollte die silbernen Geräte der Familie rauben. […] Aus Wut warf ein junger Nazi die Dose gegen die Wand – der Deckel erhielt eine Beule und ein Füßchen brach ab.

Welch ein Glücksfall, dass mit Hilfe einheimischer Packer, die das Gepäck für die Auswanderung von Ruth im Februar 1939 (Letzter Kinder-/Jugendtransport nach England) zusammen packten und verplombten, das kostbare Familiensilber gerettet werden konnte. Die Packer rieten der Familie Spier, das Silber in der Wäsche zu verstecken. So gelangte das Silber zusammen mit Ruth nach England und nach dem Weltkrieg nach Israel, wo es Ruth noch heute im Kibbuz verwahren und nutzen kann. Die umfangreiche Bibliothek von Gustav Spier, die an zwei Wänden Regale füllten wurde zerstört: Die Bücher wurden herausgerissen und auf einen Haufen oder zum Fenster hinaus auf die Straße geworfen. Gustav Spier wurde erheblich  misshandelt.“

Es folgten viele weitere Namen von jüdischen Familien in Haigerloch, deren Wohnungseinrichtungen dem wahnsinnigen Zerstörungswillen des braunen SS-Pöbels zum Opfer fielen. 11 Haigerlocher Männer wurden verhaftet und in das Konzentrationslager Dachau eingewiesen, von wo sie erst nach Wochen wieder frei kamen.

In drei Verfahren haben die Gerichte in Hechingen, Tübingen und Rottweil in den Jahren 1947 bis 1949 den Tathergang festgestellt und auf die für angemessen gehaltenen Strafen erkannt. Vor der Strafkammer des Landgerichts Hechingen fand wegen dieser Vorgänge vom 16. bis 19. Dezember 1947 das Strafverfahren gegen die Täter statt. Insgesamt standen 21 Männer der SA und der SA-Reserve Sulz, sowie zwei Haigerlocher vor Gericht.

Von den 23 Angeklagten wurden in den drei Strafverfahren wegen der Ereignisse vom 9. zum 10. November 1938 in Haigerloch acht Angeklagte freigesprochen. Ein Angeklagter  erhielt eine Gefängnisstrafe von sechs Wochen. 14 Angeklagte wurden zu Gefängnisstrafen zwischen drei und zehn Monaten verurteilt. Soweit ersichtlich konnten sie als „freie Männer“ den Gerichtssaal verlassen, da die Untersuchungshaft jeweils auf die verhängte Strafe angerechnet wurde.

Schlusssatz von Helmut Gabeli: „Ist der Synagoge tatsächlich nichts passiert?“


Helmut Gabeli ist 2. Vorsitzender des Gesprächskreis Ehemalige Synagoge Haigerloch  e.V. und Träger des Obermayer German-Jewish Award 2010


Ein Nachruf für Walter Looser-Heidger / Initiative Eckerwald (Unternehmen „Wüste“)

Walter Looser-Heidger

Zweiter Vorstandsprecher der Initiative Gedenkstätte Eckerwald

1937 – 2010

Die Initiative Gedenkstätte Eckerwald hat einen ihrer wichtigsten und treuesten Mitarbeiter verloren. Völlig überraschend starb Walter Looser-Heidger in der vergangenen Woche. (Foto: privat)

Als wir uns am Freitagabend zu unserem Arbeitstreffen zusammenfanden, fiel gleich auf, dass einer fehlte: Walter. Gegen halb acht Uhr telefonierte Tatjana mit Otto, ihrem Mann, ob er nicht bei Walter in seiner Wohnung vorbeischauen könne. Otto machte sich auf den Weg. Was er berichtete, deutete schon ziemlich auf die furchtbare Nachricht hin.

Etwas später machten sich Elisabeth und Gerold Müller auf den Weg, noch etwas später Gertrud. Schließlich war es klar: Walter ist tot. Das Unfassbare war Wirklichkeit geworden.

Nach unserem bisherigen Kenntnisstand starb er am Mittwochabend in seiner Wohnung, vermutlich an den Folgen einer zu spät erkannten Zuckerkrankheit.

Inzwischen ist der Termin für die Trauerfeier bekannt: Donnerstag, 28. Oktober, 15.00 Uhr, in der Predigerkirche in Rottweil.

Die grässliche Lücke, die sein Tod in das Wirken unserer Initiative hineinreißt, können wir noch gar nicht richtig ermessen. Und ebenso die Lücke in menschlicher Hinsicht.

Während ihrer 25jährigen Geschichte der Gedenkstätte Eckerwald engagierte sich Walter von Anfang an.

Unzählig sind die Führungen, bei denen er Schulklassen, Lehrerkollegien, Vereinsgruppen, Menschen jeden Alters durch den Eckerwald begleitete.

Ohne seinen unermüdlichen organisatorischen Einsatz wären die Begegnungswochen mit den überlebenden KZ-Häftlingen und ihren Angehörigen kaum denkbar gewesen.

Und wenn es darum ging, diese Menschen in ihrer Heimat zu besuchen, in Frankreich, Luxemburg, Polen oder in Norwegen, Walter war immer dabei.

In den letzten Jahren lag ihm besonders auch die neue Gedenkstätte beim KZ-Friedhof in Schömberg am Herzen. Nicht nur, dass er sich bei der Gestaltung der Exponate beteiligte, er erarbeitete vor allem auch Hintergrundwissen, studierte mit akribischer Genauigkeit Aktenmaterial, Transportlisten, Nummernbücher und Sterberegister.

Dass der Besucher heute auf den ansprechenden Glastafeln am Betonwürfel die Namen von 1774 KZ-Opfern der Lager Dautmergen und Schömberg lesen kann, ist im Wesentlichen sein Verdienst. Es war ihm absolut wichtig, dass die Toten nicht bloß als abstrakte Zahlen erscheinen, sondern dass sie ihre Namen, welche man ihnen im KZ durch Nummern ersetzte, zurückbekamen. „Denn“, so sagte er, „mit den Namen erhalten sie auch ihre menschliche Würde zurück.“

Er hat sich ganz klar für die Mitgliedschaft unserer Initiative im neu gegründeten Gedenkstätten-Verbund Gäu Neckar Alb eingesetzt; und auch dafür, dass unsere Initiative die geplante Hauptamtlichen-Stelle mitfinanziert und trägt. Im Vorstand des Verbundes hatte er das Amt des dritten Sprechers. Seine Beiträge sind in der „Gedenkstätten-Rundschau“, der Verbands-Zeitschrift, veröffentlicht. (Fotos: Hentsch)

Walter wurde für sein beispielhaftes Engagement  im Spätherbst des Jahres 2007, er war gerade siebzig geworden, mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt.  In der Initiative Eckerwald hinterlässt sein plötzlicher Tod eine tiefe Lücke, so dass wir noch gar keine richtige Vorstellung haben, wie es weitergeht. Auf jeden Fall werden wir ihn in bleibender Erinnerung behalten. Er war ein guter Mensch, manchmal etwas ruppig, aber immer hilfsbereit, keine Aufgaben scheuend. Seine Genauigkeit, mit der er recherchierte und arbeitete, hat manchmal dazu geführt, dass man auf Ergebnisse lange warten musste. Im Endeffekt jedoch lieferte er beste Ergebnisse.

Gerhard Lempp – Initiative Eckerwald

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Der Vorstand des Vereins „Gedenkstätten KZ Bisingen“ möchte an dieser Stelle den Angehörigen Walter Looser-Heidgers und den Freunden der „Initiave Eckerwald“ seine aufrichtige Anteilnahme aussprechen. Auch für uns, „die Bisinger“,  wirst Du, lieber Walter. in guter Erinnerung und bei den Treffen des neu gegründeten Dachverbands „Gäu-Neckar-Alb e.V.“ auch im Gespräch bleiben.

AG-Spurensuche in Aktion auf dem Geschichtslehrpfad

Wie in den beiden Jahren  zuvor gibt es auch in diesem Winterhalbjahr an der Realschule eine AG-Spurensuche. Leiter dieser Schüler-AG sind wieder die beiden Vorsitzenden vom Verein Gedenkstätten KZ Bisingen.

Elf Schüler der 6. und 7. Klassen haben sich mit Erstwunsch für das Thema der Geschichte Bisingens in den letzten acht Monaten des Zweiten Weltkriegs eingetragen. Schon in der ersten Stunde mit Begrüßung, gegenseitigem Kennenlernen und „Programm“-Wünschen seitens der Schüler staunten wir nicht schlecht über bereits vorhandene Kenntnisse und sehr gezielte Vorstellungen der Gruppe, worüber sie hören möchten, vor allem auch von Zeitzeugen, auch aus Bisingen.

Am Donnerstag, dem 07.10. wurde der „Ölbunker“ auf dem Geschichtslehrpfad bei herrlichem Herbstwetter Objekt einer „Abräum“-Aktion. Seit Jahren hatte sich auf der Oberfläche des Beton-Tanks zunehmend eine dicke Decke von Moos und dichtem, hohen Pflanzenbewuchs angesammelt. Der Bauhof hatte entsprechende Gerätschaften zur Verfügung gestellt. Mit von der Partie waren neun Schüler und Adolf Binder, im Vereinsvorstand, der immer bestens ausgerüstet ist für derartige Unternehmungen und vielen gute Ratschlägen zu geben weiß.

Die Jungens zeigten sich voll motiviert und ein jeder war in der Tat voll dabei.

Wir hatten gedacht, dass wir die Doppelstunde überziehen müssten, jedoch war pünktlich um 15:00h die Aktion erfolgreich beendet – der „Ölbunker“ wieder völlig frei von allem Wildbewuchs und die Freude darüber groß. Den Schülern gilt ein großes Lob für ihren tüchtigen Einsatz.

Eine Woche später, am 14.10.,  wurden die Jungens auf ihren  eigenen Wunsch hin im Bereich der ehemaligen Entschwelungs-Anlage tätig. Es bleibt an dieser Stelle zu sagen:  „Hut ab, boys“ – das war prima 🙂 Heiko, Julius, Paul, Marco, Michael, Marius, Fabian, Jonas, Clemens, Maximilian und Christian! (von rechts nach links)

 

Jugendgruppe aus New York besucht die Gedenkstätten KZ Bisingen

Am 09. September 2010 besuchte eine kleine Gruppe junger New Yorker (16-18jährig) mit Ihrem Leiter, Danny Morris,  die Gedenkstätten KZ Bisingen. Die Reisen nach Europa werden gesponsert vorn der „Childrens’s Aid Society“ – einer Organisation, die umfassende Unterstützung für Kinder in Not, von der Geburt bis zum frühen Erwachsenenalter, und für ihre Familien bietet, um die Lücken zwischen dem was Kinder haben und was sie brauchen um zu gedeihen, füllen. Bereits zum zweiten Mal war eine solche Gruppe auf ihrer Deutschland-Rundtour, vom 03.-14.09.2010   im Rahmen der Prinzessin-Kyra-von-Preußen-Stiftung auch auf die Burg Hohenzollern nach Bisingen eingeladen. Die jungen Leute sind alle Angehörige von Terroropfern vom 11. September 2001 und hatten vorher schon Berlin und Bielefeld (Zweigstelle der deutsch-amerikanischen Organisation „Youth Work“) besucht.

Der Besuch im Heimatmuseum „Mut zur Erinnerung – Mut zur Verantwortung“, immer ein Programmpunkt für Danny Morris wenn er in Bisingen ist, war für die acht New Yorker ein „sehr beeindruckendes Erlebnis“, wie sie später sagten. Sie hatten nicht allein viele Fragen zu den einzelnen Themenbereichen im Museum sondern auch Tränen über das Gehörte. Auch beim Besuch auf dem KZ-Friedhof  gaben sie ihrer großen Betroffenheit über so viele Opfer in so kurzer Zeit Ausdruck. Ein Gang über den Geschichtslehrpfad blieb wegen beginnenden Regens aus – und so wurde dann zum Abschluss dieses Tages (am Vormittag hatte Bürgermeister Krüger ins Rathaus eingeladen) der Einladung der Bisinger Feuerwehr zum Grillen Folge geleistet. Auch wenn dieser Besuch nun nicht mehr zum Besuch der Gedenkstätten KZ Bisingen gehört, sollen ein paar Bilder über den einzigartigen und super gut gelungenen  Einsatz der Bisinger Feuerwehr-Mannschaft für die jungen New Yorker erzählen. Da gab es in der Tat ein „volles Programm“ für die Jugendlichen mit interessanten praktischen Einblicken in die Arbeit bezüglich der diversen, oft das eigene Leben gefährdende Einsätze. Nicht zu vergessen der köstliche Imbiss, der von Mitarbeitern der Feuerwehr Bisingen mit vollem Einsatz und sichtlicher Freude für die Gäste aus New York zubereitet wurde. Bilder: 1+2 „in voller Montour“ / 3 mit „Fingerspitzengefühl“ / 4 mit Bürgermeister Joachim Krüger / 5.6.7. „auf geht’s“ – in 23m Höhe ein Rundblick über das Kirchspiel Bisingen / 8 Überreichung kleiner Geschenke / 9 Abschlussabend am Montag 13.09.2010