70. Jahrestag der Deportation vom Stuttgarter Nordbahnhof nach Theresienstadt

Vorankündigung und google-Übersetzung in englische.

Nach dem vor etwas mehr als zwei Jahren der Verein „Gedenkstättenverbund Gäu-Neckar-Alb“ gegründet wurde (siehe auch entsprechende  Link!) besuchen Mitglieder der verschiedenen Gedenkstätten und -Initiativen nach Möglichkeit gemeinsam verschiedene themenorientierte Veranstaltungen. So auch am 22. August 2012 zur Veranstaltung des 70. Jahrestages der Deportation von 1.100 Juden nach Theresienstadt vom Stuttgarter Nordbahnhof.

Etwa 150 Personen nahmen an der Gedenkfeier teil und erlebten eine sehr besondere Zeit der Erinnerung. Verschiedene Berichte zum Thema, einen Zeitzeugenbericht und etwa 300 Namenlesung nahmen beinahe 2 1/2 Stunden Zeit in Anspruch.

Höhepunkt der eindrucksvollen Veranstaltung war der Vortrag der Überlebenden von Theresienstadt, Inge Auerbacher, die eigens zu dieser Veranstaltung am Vortag aus den USA angereist war. Als damals 7-jährig war sie nicht nur die Jüngste sondern auch das einzige Kind auf diesem Transport. Ihre Familie überlebte – allein die Großmutter, Betty Lauchheimer, die bereits im Dezember 1941 nach Riga deportiert wurde, überlebte nicht.  Inge Auerbachs Zeitzeugnis war zutiefst bewegend – insbesondere, als sie ihr Gedicht „Ich bin ein Stern“ vortrug und dazu den Anwesenden ihren eigenen „Gelben Stern“ und ihre Kennkarte präsentierte.

Freundinnen treffen sich ganz unverhofft

Link: Ich bin ein Stern – Inge Auerbacher erzählt ihre Lebensgeschichte

Link englisch: Inge Auerbacher. Holocaust Survivor, Author and Inspirational Speaker.

Helmut Gabeli – „Ehemalige Synagoge Haigerloch“ berichtete über die Geschichte der Haigerlocher Juden – darüber kann im nachfolgenden Link nachgelesen werden:

Vorankündigung:  Ein Abschied ohne Wiederkehr von Helmut Gabeli

Stuttgarter Zeitung:  Zeichen von Hoffnung und Erinnerung

Vorstände einzelner Gedenk-Initiativen, die sich im „Gedenkstättenverbund Gäu-Necker-Alb e.V.“ (siehe Link rechte Leiste) vor  2 1/2 Jahren zusammengschlossen haben.

„Abendliche Impressionen“ nach der Veranstaltung!

Besuch bei Rosel Wasserstein in München

Unserem Verein ist es ein großes Anliegen, den Kontakt mit den Überlebenden des KZ Bisingen und deren Angehörigen aufrecht zu erhalten – so steht es auch unter „Ziele“ als erster Punkt in unserer Vereinssatzung.

Besuche bei unseren Überlebenden des KZ Bisingen sind/waren aus Gründen weiter Entfernungen nicht immer möglich, ganz davon abgesehen, dass wir in Bisingen von ihnen mehrmals besucht wurden. Otto e Gunsberger und seine Frau Evin Melbourne, Shalom Stamberg  und seine Frau Selda in Haifa und mindestens einmal jährlich bei Isak Wasserstein und seine Frau Rosel in München, konnten allerdings doch Mitglieder des Vereins und Bürgermeister Joachim Krüger in ihren Häusern begrüßen.

Wir berichteten, dass Isak Wasserstein am Donnerstag, 05. Januar 2012 verstorben ist (siehe Beitrag vom 14. 01. 2012) und so schien es an der Zeit, seine lieben Frau, Rosel Wasserstein in München zu besuchen. Unabhängig von einander hatten sich Bürgermeister Joachim Krüger mit Hanne Grunert für den 23. Juli, und die Vorsitzende des Vereins für den 18. Juli bei Rosel Wasserstein angemeldet.

Rosel Wasserstein lebt heute mit Bozena T., ihrer Betreuerin einer wunderbaren Persönlichkeit, zusammen, die auch bereits in der Zeit der letzten Tage von Isak Wasserstein im Haus war. Rosel Wasserstein erzählte, dass sie in den Tage nach dem Tod ihres Mannes alles was zu erledigen war wie im Traum durchführte. Die Vorbereitungen für die Überführung nach Israel benötigten viel Kraft bis es dann am Montag, 09. Januar 2012 „nach Hause ging“. Bozena begleitete Rosel Wasserstein auf diesem schweren Weg nach Israel – denn für Rosel Wasserstein war es nie eine Frage, ihr Ehemann, Isak, sollte  an der Seite ihrer beiden Kinder, David und Miriam, auf dem Friedhof von Herzlyia, hier wohnt ihre Schwiegertochter mit den Enkelkindern, beigesetzt werden. (Das Bild oben links hat uns Rosel Wasserstein zur Verfügung gestellt. Links oben hinter Isak Wasserstein Grab ist das Grab der Tochter Miriam – der Sohn David hat unmittelbar etwas  davor rechts seine letzte Ruhestätte! Beide, David und Miriam Wasserstein sind kurz hintereinander in den 90ziger Jahren an Krebs verstorben – was für eine Tragödie für die Eltern!)

Das jiddisches Lied „Schlaf mein Kind“, das Isak Wasserstein immer wieder leise vor sich her gesungen hat, dessen Autor nicht bekannt ist, wird im nächsten Jahr zum Jom HaShoa vom Chor der Münchener Synagoge vorgetragen.

Am Donnerstag 18. Juli 2012 besuchten wir den „Englischen Garten“ – herrliches Wetter, wunderschöne Natur, gute Gespräche, Tränen  und „dennoch“: viel Fröhlichkeit, wie dem Bild durchaus entnommen werden darf!

Vom Besuch unseres Bisinger Bürgermeisters, Joachim Krüger, mit Hanne Grunert am Montag, 23. Juli 2012 zwei Bilder von Bozena T.  Rosel Wasserstein erzählte, dass auch dieser Besuch eine große Freude für sie war mit einem Besuch am Starnberger See und einem kleinen Bummel durch München. Bei einem Treffen mit Bürgermeister Krüger sagte er gestern in einem Gespräch über den Besuch in München  abschließen zusammenfassend: „menschlich sehr wertvoll und wichtig!“

Fotos: Bozena T.

Hier eine Reihe von Links:  Berichte, Bilder und Videos zu Isak Wasserstein

Schüleraktion auf dem Geschichtslehrpfad und Abschluss der AG-Spurensuche


Zum fünften Mal gab es heute Nachmittag, Dienstag 24. Juli, eine Aktion bei der Schüler einer 9. Klasse der Realschule Bisingen mit ihrem Geschichtslehrer, Herrn Huesfeld,  im Bereich der ehemaligen  Hydrierungsanlage (Gebläsestation) Hand anlegten und die Sicht auf die Relikte des „Wüste“ -Werk 2 durch Beschnitt des Wildbewuchs wieder optimierten. Mit von der Partie war wie stets Adolf Binde, der allerlei nötige Utensilien nebst einer Kiste mit erfrischendem Sprudel dabei hatte.

Um kurz nach 14 Uhr begann die Arbeit – sieben Schüler, Herr Huesfeld und Adolf Binder betätigten sich in der zugewachsenen Kuhle und nach einer Stunde war der Blick auf die riesigen Betonruinen wieder frei!

Zwei andere Schüler halfen Herrn Fecker vom Bauhof einen Schotterweg im Bereich des ehemaligen Öltanks anzulegen, der zeitweilig einfach unbegehbar ist. 2 1/2 Tonnen Schotter mussten in Schubkarren geschaufelt werden – der Inhalt wurden von Herrn Fecker fachgerecht platziert. Nun soll abgewartet werden, wie sich diese Form von Befestigung bewähren wird – um dann gegebenenfalls, wenn notwendig weitere Maßnahmen durchzuführen.

An dieser Stelle noch einmal ein herzliches Dankeschön an alle Beteiligten, den Schülern, Herrn Huesfeld, Adolf Binder und Herrn Fecker, besonders eben auch an den Bauhof, der es möglich machte, diese „Öltank“-Weganlage doch heute auf den Weg zu bringen.

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Die vierte Unternehmung „AG-Spurensuche“  für Schüler der Realschule Bisingen endete am Donnerstag, 12. Juli mit dem Besuch der „Alte Synagoge“ Hechingen. 11 Schüler der Klassen 7b (2) und 6a/b (9) hatten sich mit Erstwunsch für diese Arbeitsgemeinschaft eingetragen. Am 23. Februar 2012 startete der Unterricht mit einer gegenseitigen Vorstellung. Wir baten die 11 Jungens für uns aufzuschreiben, warum sie sich für diese AG entschieden und welche Vorstellungen sie hätten. Hier im Bild ihre Antworten, die doch durchweg sehr erstaunlich sind.  An 13 Donnerstagen gab es verschiedene Programme: Filme, selbst erarbeitet Interviews, Besuche des KZ-Friedhofs, des Heimatmuseums und des Geschichtslehrpfades. Ja, und wie tief ist nun der Öltank?????? Na, sooooooooooooooo tief!

Am 21. Juli gab es eine unerwartete interessante Begegnung mit einer jüdischen Familie im Heimatmuseum und am Schluss eben der Besuch der Synagoge in Hechingen. Da die Mutter eines Schülers anbot mit zu fahren, konnte die ganze Gruppe per Auto nach Hechingen fahren, und das Warten auf den Bus zur Rückfahrt blieb uns erspart. Vielen Dank liebe Mutter von Christian! Für einige der Jungens wird besonders der 29. April in Erinnerung bleiben – der Sonntag, an dem sie aus Anlass des 65. Jahrestages des KZ-Friedhof Bisingen Namen von Opfern des „Wüste“-Werk 2, Bisingen, vorlesen konnten.

„Unsere Boys“ waren eine fröhliche, fragende und für uns, die Betreuer, sehr angenehme kleine Gruppe. Bei einem Abschlussgespräch in Hechingen meinten sie, ihr Entscheidung wäre gut gewesen und auf unsere Anfrage einer künftigen Fortführung einer solchen AG hin: ja – wir sollten das auch weiterhin machen. So kann abschließend gesagt werden: Ja – die gemeinsamen Stunden haben allen Beteiligten viel Spaß und Freude gemacht :-)! Symbolik in der Hechinger Synagoge

Siehe auch die Berichte: „65 Jahre KZ-Friedhof Bisingen“ und „Denk mal, Mahnmal und manchmal…“

Verabschiedung von Hanne Grunert


Im Anschluss an die Mitgliederversammlung des Vereins Gedenkstätten KZ Bisingen am Montag, 16. Juli wurde Hanne Grunert verabschiedet. Über Ihre Arbeit in der und für die Gemeinde Bisingen kann in den hier hinzugefügten Presseberichten nachgelesen werden.

Für das Team unseres Vereins war Hanne Grunert mehr als eine große Hilfe – von Februar 2007 bis März 2011 war sie 2. Vorsitzende und aktiv beteiligt an unendlich vielen gemeinsamen Vereins-Projekten – hier ist kein Platz, um alles auf zu zählen. Liebe Hanne, was haben wir nicht alles gemeinsam erlebt!!! Wie viele Förder-Anträge, Besucherstatistiken  und Teilnahmebescheinigungen haben wir mit Deiner Hilfe ausgefüllt auf den Weg gebracht – Du warst und bleibst einfach „GROßARTIG“!!!

Wir waren nur eine kleine Gruppe an diesem Abend – und es war ein zusätzliches Geschenk, dass sich unser Bürgermeister, Herr Krüger, für diesen Abend Zeit genommen hat.

Ja, und mit dem Abschiedsgeschenk war es nicht so einfach: ein Gutschein? wofür? – erhielt ein NEIN! Ein Sachbuch? was für eins? – erhielt ebenso ein NEIN! Ja und dann kam die Idee für etwas ganz persönliches – und das hat ja dann unter Mithilfe von Helga und Nicole zum Erfolg geführt, wie für alle Anwesenden an diesem Abend erfahrbar wurde.

Bild 4: Jutta Rager

←Unser Gruß an Hanne

Presse-Mitteilungen: 

Bilderschau erinnert an siebenjährige Arbeit – Schwarzwälder Bote am 18. Juli 2012

 

Besuch des Dokumentationszentrums Hailfingen-Tailfingen

Es war eine sehr kleine Gruppe, die sich am Samstag, 14. Juli um 14:15 Uhr auf den Weg nach Hailfingen-Tailfingen begab, um das Dokumentationszentrum im alten Rathaus und das Mahnmal am Westende der ehemaligen Startbahn, die beide am 11. April 2010  eröffnet bzw. eingeweiht wurden zu besuchen. Die hier hinzugefügten Bilder mit Texten können per Anklick zum Lesen vergrößert werden.

Die Gedenkstätte wurde am 06. Juni 2010 in einem Festakt mit etwa 700 Anwesenden, darunter Überlebenden und Politprominenz eingeweiht. Eröffnung des Dokumentationszentrums Hailfingen-Tailfingen  mit Link zur „Einweihung des Mahnmals“.




Die KZ-Häftlinge hatten in erster Linie die Aufgabe, den Nachtjägerflugplatz Hailfingen auszubauen und auszubessern.
Text auf einer vom Förderverein Synagoge Baisingen e.V. gestifteten Gedenktafel: Am 19.11.1944 traf vom Konzentrationslager Stutthof (bei Danzig) ein Transport mit 600 jüdischen Häftlingen in Tailfingen ein. Die meisten Gefangenen waren vorher in Auschwitz, etwa 50 kamen aus dem Baltikum. Sie waren zwischen 14 und 60 Jahre alt und stammten aus 16 verschiedenen Ländern. Das KZ Haiffingen – Tailfingen war ein Außenlager von Natzweiter/Struthof (Elsaß).

Die Häftlinge arbeiteten in den umliegenden Steinbrüchen, am Ausbau der Startbahn und am Bau von zwei Rollwegen, fällten Bäume und wurden beim Entfernen von Blindgängern eingesetzt. Sie schliefen in einer umzäunten Flugzeughalle
anfangs auf dem blanken Boden, der nur mit Stroh ausgestreut war. Es gab unzulängliche sanitäre Einrichtungen und keine ärztliche Versorgung. Die meisten Häftlinge starben an den Folgen der schweren Arbeit, der Unterernährung, der Kälte und an Krankheiten. Manchmal erhielten die Männer von den Bewohnern der Orte, durch die sie auf dem Weg zur Arbeit kamen, etwas Essbares. Nachgewiesen ist der Tod von 186 Häftlingen. Zwischen dem 21.11.1944 und dem 5.1.1945 wurden im Krematorium in Reutlingen 99 Tote des Hailfinger Lagers verbrannt. 15 Häftlinge. die zwischen dem 4.12. und dem 9.12,1944 starben, wurden im Krematorium in Esslingen eingeäschert. In dem Massengrab, das am 2.6.1945 entdeckt wurde, waren die Überreste von 72 oder 73 Toten. Mitte Februar 1945 wurde das Lager geräumt.

Wir arbeiteten 12 Stunden; zu Beginn gingen wir zu Fuß vom Lager weg; der Hangar stand auf dem Flugplatz. Mein Arbeitsplatz war am weitesten weg, wir mussten durch drei Dörfer zum Steinbruch. Ungefähr 4 km. Es gab Bauern, die absichtlich oder nicht was vom Wagen fallen lassen: Kartoffeln, Karotten. Es hängt von den Wachleuten ab. Manche sehen weg, manche
nicht. Einige Kameraden sind erschossen worden, weit sie aus der Kolonne herausgingen.“ –
lsrael Arbeiter – Überlebender

ES war ein interessanter Nachmittag in Hailfingen-Tailfingen un unser Dank geht an Frau Boes, Mitarbeiterin im Team der KZ Gedenkstätte Hailfingen-Tailfingen, die uns durch das Dokumentationszentrum führte.

„Denk mal“ / „Mahnmal“ / „Manchmal….“


←“Denk mal“

Am Mittwoch, 20. Juni 2012 war auf der Bisinger-Lokalseite der „Hohenzollerische Zeitung“ zum Thema Unternehmen „Wüste“ – Dormettingen, „Wüste Werk 8“ nebenstehender Artikel veröffentlicht.

Das „Wüste Werk 8“, wie alle anderen 9 Wüste Werke ein Außenlager des Konzentrationslagers Natzweiler-Struthof (Elsaß), wurde im Januar 1945  aufgebaut und bestand bis April 1945

Über die interessanten Details zum „Schiefer-Erlebnis“ in Dormettingen, Artikel per Klick vergrößern.

← „Mahnmal“ 

Auch in Dußlingen, dem ehemaligen „Wüste“ Werk 1, innerhalb des Unternehmen „Wüste“ geht die Aufarbeitung der Geschichte mit großen Schritten voran – siehe Artikel im „Schwäbisches Tagblatt“. Die Verbindung des Vereins Gedenkstätten KZ Bisingen mit Dußlingen kam durch eine Anfrage Werner Steinmetz – Verein „Israelplattform“ an die Vorsitzende des Bisinger Gedenkstättenvereins, im Februar 2012, zustande. Er fände es gut, wenn Bisingen dazu kommen könnte, meinte er  und vermittelte die Teilnahme an der Gemeinderatssitzung in Dußlingen am 21. Juni 2012 – ein telefonisches Interview von Herrn Eike Freese mit der Vorsitzenden des Vereins in Bisingen erfolgte am 22. Juni 2012.

Wenn auch gelegentlich journalistische Abwandlungen von tatsächlich formulierten Aussagen der interviewten Person mit Staunen registriert werden können 🙂 –  bleibt als sehr erfreuliches Faszit: mit der Planung von Gedenkorten in Dormettingen und Dußlingen  zu den bereits bestehenden Gedenkstätten  in Eckerwald und Bisingen schließt sich ein Kreis der Aufarbeitung zum Thema: Unternehmen „Wüste“ – dem wahnwitzigen Projekt der Ölgewinnung aus dem Ölschiefergestein an der Westseite der Schwäbischen Alb mit weit über 3480 (die auf „Krankentransporten“ und Todesmärschen nach Auflösung der Lager sind nicht bekannt) Opfern innerhalb von 8 Monaten. So ist an dieser Stelle auch den Bürgermeistern und Gemeinderäten von Dormetting und Dußlingen Dank zu sagen und allen an der Realisierung der Gedenkorte Beteiligten gutes Gelingen zu wünschen.

Ein Mahnmal für „Wüste“ 1 in Dußlingen                      Kommentar: Ein Mahnmal in Dußlingen

„Manchmal……“ 

„Manchmal kommt alles anders als man denkt“ – so heißt es in einem Sprichwort – und so geschah es am Donnerstag Nachmittag, dem  21. Juni 2012. Die Schüler-AG Spurensuche begann um 13:30 Uhr im Heimatmuseum, es war sehr heiß draußen und die Tür zu unteren Raum stand offen. „Arbeitsblätter“, die ich mit den 10 anwesenden 5. und 6. Klässlern der Realschule Bisingen (alle hatten sich Ende Februar 2012 mit Erstwunsch zu unserer Arbeitsgemeinschaft über die Geschichte Bisingens vom August 1944 bis April 1945 angemeldet, ein Schüler war krank) besprechen wollte waren ausgeteilt! Ich ging noch einmal ins Archiv um etwas zu holen, und als ich wieder zurück kam standen drei Erwachsene, ein Herr und zwei Damen im Raum uns schauten sich um. Da das Heimatmuseum in der Woche nicht geöffnet ist, war ich sehr  erstaunt und begrüße sie und fragte nach ihren Wünschen.

Der junge Herr meinte: „ja, wir sind Israelis und forschen nach den Spuren meines Großvaters, der hier in Bisingen gelebt hat und Anfang der 30iger Jahre nach Palästina emigriert ist!“ Ich war zunächst sprachlos und sagte dann auf hebräisch „herzlich willkommen“ – nun waren die drei zunächst sprachlos, und die 10 Junges hatten „große Ohren und große Augen“! Es war eine ziemlich verrückte Situation – einmal war ich ja mit den Schülern verabredet und andererseits konnte ich ja die drei Besucher unmöglich nicht einfach so sang- und klanglos verabschieden. Asaf G.,   lebt derzeit mit seiner Frau und zwei Kindern in Frankfurt, seine Mutter in Bad Kissingen und sein Schwester Rebecca in Haifa. Ich bat Asaf  den Schülern etwas zu sagen – und er erzählte in einwandfreiem Deutsch von Palästina, dem Dritten Reich, dem Holocaust und dem Staat Israel – und meinte abschließend „kommt später einmal nach Israel – es ist ein schönes Land“.

Wir machten dann gemeinsam einen Rundgang durchs Heimatmuseum – und ich dachte dabei an den Großvater und Bisingen……. irgendwie passte da etwas nicht zusammen. Vor der Legende von Isak Wasserstein blieben sie stehen und erzählten, dass sie Wassersteins schon sehr lange kennen – alles war in dieser sog. Unterrichtsstunde doch irgendwie recht unwirklich.

Die Auflösung zum Großvater kam bei der Verabschiedung: „ja, dann werden wir ‚Bai -Bisingen‘ verlassen und weitersuchen und in dem Moment ahnte ich wo der Großvater wohl gelebt hat – nämlich in Baisingen. Ich fragte Asaf: Du sagtest eben Bai-Bisingen meintest Du vielleicht Baisingen? – er sagte nein, nein Bisingen. Ich erzählte ihm ein wenig von Rottenburg/Baisingen – er und seine Mutter  wurden sehr hellhörig und übersetzten es der Rebecca. Sie erhielten eine Gedenkstättenrundschau mit der Adresse von der Gedenkstätte Rottenburg/Baisingen und natürlich ein Buch von Isak Wasserstein „Ich stand an der Rampe von Auschwitz“. Die Verabschiedung war sehr herzlich und die Jungens hatten eine Unterrichtsstunde erhalten, wie man sie in der Form wirklich nicht organisieren kann! Ich denke, diese „recht außergewöhnliche“ AG-Spurensuche-Stunde wird für die Schüler sicher in besonderer Erinnerung bleiben!

Einladung zum Besuch des Dokumentationszentrums und KZ-Außenlagers Hailfingen-Tailfingen / weitere Termine

Es ist lange her, dass der Verein Gedenkstätten KZ Bisingen Besuche von KZ-Außenlagern bzw. Informations- und Gedenkfahrten in der Region durchgeführt hat. Mit guter Beteilung fanden in 2004 ein Ausflug zum „Goldbacher Stollen“ in Überlingen und 2005 einer Informations- und Gedenkfahrt „Unternehmen Wüste“ statt.

Treffpunkt:

Samstag, den 14. Juli 2012 um 14 Uhr am Rathaus Bisingen. Wir werden Fahrgemeinschaften bilden. Die Fahrzeit beträgt etwa 45 Minuten – die Führung beginnt um 15Uhr – der Eintritt ist frei.                                                                                                   

Volker Mall und/oder Harald Roth werden die Führung für uns übernehmen. Beide haben als Wegbereiter für die Realisierung des Projekts „Das KZ-Außenlager Hailfingen-Tailfingen“ jahrelange ehrenamtliche Vorbereitung geleistet. Die Gedenkstätte wurde am 06. Juni 2010 in einem Festakt mit etwa 700 Anwesenden, darunter Überlebenden und Politprominenz eingeweiht.

Weitere Termine:

Mitgliederversammlung am Montag, 16. Juli 2012, 20 Uhr im Heimatmuseum Bisingen, Kirchgasse 15

 Veranstaltung am Dienstag, 13. November 2012, 20 Uhr  im Heimatmuseum Bisingen, Kirchgasse 15
Thema: Yad Vashem – Arbeit / Ziele / Visionen
Referent: Arik Rav-On – Direktor für die deutschsprachigen Länder und Schweiz – Yad Vashem

Prof. Dr. Gideon Greif: Auschwitz „Funktionshäftlinge“ als Gewalttäter

Zu einem Vortragabend mit Prof. Dr. Gideon Greif, Historiker und Autor, Israel/USA, hatte der Verein Gedenkstätten KZ Bisingen zum 14. Juni 2012 ins Heimatmuseum Bisingen mit der Ausstellung „Mut zur Erinnerung – Mut zur Verantwortung“ eingeladen.  Die Veranstaltung war am 27. Januar 2012 im Stuttgarter Landtag durch die Vermittlung von Frau Birgit Kipfer, Sprecherin der regionalen AG in Baden-Württemberg des Vereins „Gegen Vergessen – Für Demokratie“, zustande gekommen. (Bild oben li: vor dem Heimatmuseum Bisingen von re, Birgit Kipfer/Dr. Gideon Greif/U. Hentsch)

Dr. Greif  erhielt 2011 eine Professur für israelische und jüdische Geschichte am Schusterman Center für jüdische Studien an der Universität Austin, Texas/USA. Seine Publikationen, Radio- und Fernsehdokumentationen sind vielfältig. Seit 1994 leitet er Fortbildungsseminare für Pädagogen im Auftrag der Gedenkstätten Yad Vashem in Deutschland, Polen, Österreich, den USA und Kanada. 1986 begann Dr. Greif mit der Erforschung der jüdischen Sonderkommandos in Auschwitz-Birkenau. Am 27. Januar 1999 stellte er in der „Alte Synagoge“ Hechingen sein Buch zu diesem Thema: „Wir weinten tränenlos….“ vor. Der Autor hatte die Möglichkeit sieben Überlebende der Sonderkommandos von Auschwitz zu interviewen, 50 Jahre nach der Befreiung legten sie erstmals Zeugnis über ihre unbeschreibliche Aufgabe ab.

In der langen Liste zu Vortragsthemen von Dr. Gideon Greif lesen wir zum Thema Funktionshäftlinge: : Das Phänomen der „Eigenverwaltung“ der Häftlingsgesellschaft ist noch weitgehend unbekannt. Der Alltag der Häftlinge wurde in Auschwitz sehr durch so genannte Funktionäre der Häftlings-Elite bestimmt – teilweise sogar mehr als durch die SS-Männer oder Frauen. Ihr Verhalten hatte großen Einfluss auf das Leben jedes einzelnen Häftlings. Die zum Teil auch jüdischen Funktionäre waren selbst Häftlinge, die jeden Augenblick der Mordmaschine zum Opfer fallen konnten.

Im Vortrag wird erklärt, weshalb die SS-Lagerleitung Interesse an einer privilegierten Häftlingsgruppe hatte, was die verschiedenen Funktionen waren und wie das tägliche moralische Dilemma dieser Leute aussah. Dieses sensible Thema wird mit maximaler Offenheit dargestellt. dazu die Anmerkung: Empfohlen für historisch orientierte Erwachsene, Lehrer/innen.

Die Veranstaltung  am Donnerstag Abend war gut besucht – Prof. Dr. Greif bestand darauf, dass Fragen jederzeit gestellt werden können, eine Ermutigung an die Zuhörer, die nicht von allzuviel Referenten angeboten wird. Soe gab es auch immer wieder Nachfragen, wodurch dieser Abend an Intensität gewann. Die Bilder, die Prof. Dr. Greif zeigte waren zeitweilig kaum erträglich – sie erzählen von der ungeheuren Brutalität, die Häftlinge ihren Mithäftlingen angetan haben – und Prof. Dr. Greif berichtet über Frauen als „Funktionshäftlinge“, die ihren männlichen Pendants in nichts an Brutalität nachstanden, ganz im Gegenteil, diese in Anwendung von Grausamkeiten – im Besonderen die sog. „Slowakinnen“ bei weitem noch übertrafen. Hier im Link Bilder von Wladyslaw Siwek und Mieczyslaw Koscielniak von denen während des Vortrags Bilder  gezeigt wurden: Bilder der Häftlingsmaler von Block 11 in Auschwitz

Auchwitz: Exekution an der Todeswand, in der Mitte ein "Funktionshäftling"/ gemalt von W. SiwekAuschwitz: Exekution an der Todeswand, in der Mitte mit dem Rücken zum Betrachter ein „Funktionshäftling“, gemalt von Wladyslaw Siwek. Männliche und weibliche Funktionshäftling wurden in beinahe allen Aufgabenbereichen eingesetzt: Blockälteste/r, Blockschreiber/Innen, zum Stubendienst, Kapo, Lagerälteste, Läufer/Innen, Dolmetscher/Innen, Pfleger/Innen, Musiker/Innen, Dirigenten/Innen, als Sekretärin in der Schreibstube und in der Wäscherei. Ja sogar die Tätowierungen der Häftlinge wurden von Funktionshäftlingen übernommen. In den beigefügten Zeitungsberichten kann zum Thema des Abends nachgelesen werden.

Es war ein „schwerer“Abend, der sicher noch so manchem von uns in die Nacht begleitet hat. Ein Einblick in die Fähigkeit „zum Bösen“des Menschen, wie der Referent des Abends sagt, die man eigentlich nicht für möglich hält!  Auf die Frage eines Zuhörers an Prof. Dr. Greif, ob er Nachts Albträume hätte, wußte der Gefragte nur schwer zu antworten. Er meinte, für ihn ist die Aufarbeitung dieses Bereiches des Holocaust eine Herzensangelegenheit und daher weiß er auch in der richtigen Art und Weise für sich selbst damit umzugehen.

Gedenkfeier im Eckerwald am Sonntag, dem 13. Mai 2012

Seit vielen Jahren lädt die „Initiative Eckerwald“ zu einer Woche der Begegnung Gäste aus Frankreich, Luxemburg, den Niederlanden, Norwegen und Polen. Die Gäste aus Polen wurden bereits am 09. Mai vom Flughafen abgeholt.

Zu den Schwerpunkten ihres Aufenthalts gehörten auch in diesem Jahr wieder Besuche in Schulklassen, wo die Überlebenden über ihre Schicksale in den Konzentrationslagern berichten. Aus Frankreich, Norwegen, Luxemburg und den Niederlanden sind es Familienangehörige von Opfern aber auch Überlebenden, die zum Wochenende kamen.

Am Donnerstag, dem 10. Mai 2012 waren die Gäste aus Polen vom Landrat des Zollernalbkreis,/Balingen, Herrn Günter Martin Pauli, MdL zu einem Empfang mit Bewirtung eingeladen.

Die Gedenkfeier am Sonntag, dem 13. Mai 2012 beim Mahnmal im Eckerwald, war auch in diesem Jahr ein Höhepunkt der Begegnung  unter dem Motto: „Eintreten für die Menschenrechte braucht die Erinnerung“. Frau Silke Krebs, Staatsministerin von Baden-Württemberg, und Herr Michael Theurer, Abgeordneter des Europa-Parlaments, hielten zu diesem Thema  jeweils kurze Ansprachen. Über den Verlauf des Vormittags im Eckerwald und weitere Gäste aus der politischen Öffentlichkeit  kann in den beiden Zeitungsberichten nachgelesen werden. Viele Vorsitzende der verschiedenen Gendenkinitiativen, die im „Gedenkstättenverbund Gäu-Necker-Alb e.V.“ seit April 2010 miteinander vernetzt sind, nahmen an der Veranstaltung tei.l

Besonders anrührend war der Beitrag der 9jährigen Enkelin von Serge Lampin, der im vergangenen Jahr verstorben ist. Den Nachruf von Gerhard Lempp hat mir die Tochter von Serge Lmpin freundlicher Weise zur Verfügung gestellt. Der Text Beitrag der Enkelin wird baldmöglichst noch nachgereicht – bei Interesse einfach in einer Woche noch einmal rein schauen!

Die Überlebenden und / bzw. Angehörigen so wie auch angemeldete Teilnehmer an der Gedenkfeier waren als Gäste der Stadt Rottweil zum Mittagessen in die Gewerbeakademie Rottweil eingeladen, wo sie vom Oberbürgermeister Ralf Broß empfangen wurden.

Um 15Uhr gab es einen Besuch des KZ-Friedhofs Schömberg und der Gedenkstätte Dautmergen-Schömberg (Bild: Angehörige aus Holland – die Namen der Väter sind auf dem Namen-Würfel eingetragen – und Hanne Grunert, Bisingen).

Die Enkelin von Serge Lampin vor der dem Eintrag über ihren Großvater (von der Tochter Serge Lampin’s für diesen Beitrag freundlicher Weise zur Verfügung gestellt!

Die Gedenkstunde auf dem Schömberger KZ-Friedhof – unmittelbar angrenzend an die Gedenkstätte Dautmergen- Schömberg – war ein weiterer Höhepunkt dieses großartigen Tages. Die Familienangehörigen von Serge Lampin sangen einen Chorus – es gab eine Gedenkminute des Schweigens mit anschließender Niederlegung von gelben Blumen auf den Sockel des großen Kreuzes. Abschließend lud Gerhard Lempp dazu ein, einander die Hände zu reichen und gemeinsam das Lied „We shall over come…“ zu singen.

Um 17Uhr fand in der Kapelle des KZ-Friedhofs Schörzingen ein ökumenischer Gottesdienst statt – von dem allerdings keine Bilder zur Verfügung stehen. Hier im Anschluss noch zwei Presseberichte:

Zum vollständigen Text hier der Link: Menschenrechte brauchen einen Ort der Erinnerung

Alle Fotos (bis auf zwei von der Tochter Serge Lampins) U. Hentsch