27. Januar 2013 „Wir sahen die Leichen herausfallen – Erwachsene und Kinder“

 

27.01.2013 Dekoration + Dragon-Brüder27. Januar 2013-FlyerZur Veranstaltung aus Anlass des „Internationalen Holocaust-Gedenktages am 27. Januar 2013

Jüdische Sonderkommando Häftling im Interview mit Gideon Greif


Zur Veranstaltung des Vereins „Gedenkstätten KZ Bisingen“ zum „Internationalen Holocaust-Gedenktag hatten sich vierzig interessierte Zuhörer eingefunden. Die  optimal gestaltete „Wohnzimmer“-Atmosphäre im „Begegnungsraum“ des Bisinger Heimatmuseums trug sicher sehr entscheidend zu einem „schweren und gleichermaßen rundum gelungenen Abend“ bei – so der Tenor der Besucher nach der Veranstaltung.

Die Vorsitzende des Vereins, Uta Hentsch, entschuldigte in der allgemeinen Begrüßung der Besucher Herrn Bürgermeister Joachim Krüger, der einen Gruß ausrichten ließ. Aus Tübingen kommend wurde sehr herzlich Dr. Martin Rosemann, aktueller Bundestagsabgeordneter der SPD im Wahlkreises Tübingen mit Applaus begrüßt. Eine Besucherin war so gar aus Filderstadt angereist, sie hatte sich von vielen Veranstaltungen zu diesem Gedenktag den Abend in Bisingen ausgesucht! Dass die Anreise von vielen verschiedenen Orten möglich war konnte wohl dem angesagten, aber  nicht stattgefundenen „Eisregen“ zugerechnet werden, konstatierte Hentsch.

27.02.2013 Grußwort von Gideon←In einen Grußwort zur Veranstaltung in Bisingen, vorgelesen von der Schriftführerin des Vereins, Ingrid Wöhr, schrieb Dr. Greif:

„Sehr geehrte Damen und Herrn, liebe Freunde (…) Die Ereignisse, Erinnerungen und Narrativen die diese Holocaust-Überlebenden mir erzählten, haben die Geschichtsdarstellung und Historiographie von Auschwitz wesentlich und sogar drastisch geändert. Seit meiner Recherche musste die Geschichte von Auschwitz-Birkenau neu geschrieben werden.  Ich bin Gott dankbar, dass ich so ein Glück hatte. Nicht jeder Historiker bekommt so ein Geschenk vom Himmel! Ich hatte Glück. Heute werdet Ihr einen Teil über dieses grausame Verbrechen hören. Schalom aus Israel wünscht Euch Gideon Greifzum gesamten Grußwort hier: Grußwort nach Bisingen zum 27.01.2013

27. Januar 2013-Heimatmusuem Bisingen-Lesung27.januar 2013 Heimatmuseum Bisingen lesung-2←Dieter Grupp (2. Vorsitzende des Vereins: Gideon Greif), Jannik Bitzer (Abraham Dragon) und Hendrik Dahlhoff (Shlomo Dragon) waren außerordentlich gut vorbereitet für die Lesung des Interviews aus „Wir weinten tränenlos….“ von Gideon Greif. Er schreibt darin in seiner Einleitung:
Titel - %22Wir weinten tränenlos%22„Die Brüder ergänzten einander und arbeiteten als Team zusammen. Schon während des Krieges blieben sie beisammen, und auch ihre Zeit im Sonderkommando haben sie gemeinsam verbracht. Vielleicht führte diese Verbundenheit und der Umstand, dass beide das Leben von seiner leichten Seite nahmen, dazu, dass sie im Totenreich des Lagers zwei Jahre lang durchhalten konnten – das war selten in der Geschichte der Sonderkommandos. Die meisten ihrer Kameraden sind ermordet worden, damit sie später nicht als Zeugen der Verbrechen aussagen konnten.“  ISBN: 3-586 13914-7

Im Folgenden eine kleiner Auszug aus dem Interview:


27.Januar 2013 - Heimatmuseum Bisingen -2
Greif:
An welcher Stelle in Birkenau standen diese Pferdestallbaracke und das Dorfhaus, die Sie hier beschreiben?

Abraham Dragon: „Den Ort nannte man Brzezinka. Das ist polnisch und heißt „Birkenwald“. Er lag etwa einen Kilometer von unserem Block in Birkenau entfernt.“

Shlomo Dragon: „Wir blieben neben der Baracke stehen. Moll (Anmerkung: Otto Moll war SS-Hauptscharführer in Auschwittz-Birkenau) teilte uns in Gruppen zu zehn 27.01.2013 Heimatmusuem Bisingen -Lesungund zwanzig Leuten ein und begann mit Erklärungen. Dann öffnete er die Baracke, und wir sahen etwas ganz
Seltsames:  Der Fußboden der Baracke bestand aus Sand. Wir sahen Spuren von Leuten, die sich dort entkleidet haben mussten. Schuhe, Männerkleider, Kinderkleider, Frauenkleider. Das alles war in der Baracke, als ob man die Kleider gerade abgelegt hatte. Völlig neue Kleider, alles auf dem Sand, aber von den Menschen sahen wir nichts. Wir konnten uns nicht vorstellen, was das bedeutete. Ich sagte zu mir selbst, man müsse die Kleider wohl aufhängen, damit sie nicht verschmutzten.

(….)Moll fing dann an, uns unsere Arbeit zu erklären: »Eure Arbeit besteht darin, die Toten aus dem Haus zu holen. Da sind Leichen drin, und ihr müsst sie auf Loren herausholen und in die großen Gruben werfen, um sie zu verbrennen.« Er sagte uns, wir würden Essen bekommen, im Lager schlafen, aber wir mussten schwer arbeiten. Anderenfalls erhielten wir Schläge. Für diejenigen, die nicht arbeiten wollten, so sagte Moll, gäbe es Schläge und Hunde. Es waren dort wirklich SS-Leute mit Hunden, die uns immer begleitet hatten.

Als er die Tür der Baracke öffnete, fielen die Toten heraus. Wir rochen den Geruch von Gas. Wir sahen die Leichen, alle Altersgruppen, beiden Geschlechts, alles war voller nackter Menschen. Einer auf dem anderen, so dass sie sogar heraus fielen.“

Greif: Wo fielen die Leichen heraus?

Shlomo Dragon: „Aus dem Haus. Die toten Körper lagen dort so dicht gedrängt und einer auf dem anderen, dass beim Öffnen der Tür die Leichen einfach heraus fielen und neben der Tür zu liegen kamen. Wir sahen die Leichen herausfallen – Erwachsene und Kinder.“


27. Januar 2013 Heimatmuseum Bisingen Grupp:Bitzer:Rosemann:DahlhoffIm Abschlusswort
bedankte sich Hentsch bei den drei Akteuren des Abends für ihre professionelle Arbeit und bei den Besuchern für ihr Interesse. Ein besonderer Dank ging noch einmal an Dr. Rosemann für seinen Besuch im Heimatmuseum Bisingen. ER bedankte ich für den Abend und die Arbeit des Vereins gegen das Vergessen hier in Bisingen.  Dank ging an Gideon Greif, der gerne die Genehmigung zu dieser Lesung gegeben hatte. Ein Dank auch an Colin McPherson, Liverpool, der dem Verein kostenlos zwei Bilder der Drago-Brüder für diesen Abend, für die Presse und die Internetseite des Vereins zur Verfügung gestellt hat.

27. Janusr 2012 Heimatmuseum Bisingen Spendenbox 4Die „Spendenbox“ vor zwei Jahren von Schülern der AG-Spurensuche für uns angefertigt, durfte nicht im verborgen bleiben – wir danken allen Spendern sehr herzlich :-)!

Nächste Termine: Samstag, 23. Februar 2013 – Exkursion nach Stuttgart ins Landemuseum zur Ausstellung „Anständig gehandelt“ – Volksgemeinschaft und Widerstand im Südwesten

Freitag 08. März 2013: Veranstaltung im Heimatmuseum zum Thema „Sinti & Roma – Verfolgung und Ermordung unter dem Nazi-Regime“ mit einem Referenten vom „Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti & Roma“ in Heidelberg

Die komplette Veranstaltung auf MP3 zum herunterladen: 27.Januar 2013 Heimatmuseum Bisingen -„Jüdische Sonderkommando Häftlinge im Interview mit Gideon Greif“


Presse: Schwarzwälder Bote vom 29. Januar 2013: 

HoZoZei - 19←Vorankündigung

Hohenzollerische Zeitung 31. 01.2013

SchwaBo 29.01

PS: auch an Herrn Karl Schwager, der uns noch einige Bilder für unseren Bericht zur Verfügung gestellt hat. Sie sind mit seinem Namen markiert. Andere Fotos: Hentsch

Einladung zu einer Veranstaltung am 27. Januar 2013

27. Januar 2013-FlyerAnlässlich des Internationaler Holocaust-Gedenktag am 27. Januar 2013 laden wir sehr herzlich ins Heimatmuseum Bisingen ein.

Mitgliedern unseres Vereins lesen aus dem Interview von Gideon Greif (“Wir weinten tränenlos…”) mit den Brüdern Abraham und Shlomo Dragon –  jüdische Sonderkommando-Häftlinge  in Auschwitz Birkenau.

Es lesen:

unser Zweiter Vorsitzender  – Gideon Greif

und

unsere beiden jungen neuen  Mitglieder:  Abraham und Shlomo Dragon

Beginn der Veranstaltung: 20 Uhr – der Eintritt ist frei

HoZoZei - 19Der Vortrag wird mit Bildern unterstützt!

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Hinweis zur nächsten Veranstaltung im März 2013:

Am Freitag, 08. März 2013 um 20 im Heimatmuseum Bisingen:

Sini & Roma – Verfolgung unter dem Nazi-Regime”  – mit einem Referenten des baden-württembergischen Landesverbandes Deutscher Sinti und Roma, Heidelberg

2012 in review – eine „wordpress“-Statistik

Die WordPress.com-Statistik-Elfen fertigten einen Jahresbericht dieses Blogs für das Jahr 2012 an. ________________________________________________

Anmerkung: viele Bilder sind im Link  – siehe unten – abrufbar!

Hier ist ein Auszug:

600 Personen haben 2012 den Gipfel des Mount Everest erreicht. Dieser Blog hat 2012 über 11.000 Aufrufe bekommen. Hätte jede Person, die den Gipfel des Mount Everest erreicht hat, diesen Blog aufgerufen, würde es 18 Jahre dauern, um so viele Aufrufe zu erhalten.

Klicke hier um den vollständigen Bericht zu sehen.

2012 – ein Rückblick auf die vergangenen zwölf Monate

Weihnachtsgruß blog VereinLiebe Freunde und Mitglieder, zum bevorstehenden Jahreswechsel senden wir Ihnen/Euch die besten Wünsche für frohe und friedvolle Festtage und einen gelungenen Übergang vom alten ins neue Jahr 2013!


AG-Spurensuche Bisingen:Besuch aus Israel -1Geschichtslehrpfad Bisingen -Schüleraktion 10Wir können auf ein gutes Jahr 2012 zurückblicken mit einer Reihe themenbezogener Veranstaltungen, mit vielen guten Schüler-Aktionen, der AG-Spurensuche (Realschule), dem 27.Januar 2012 (Internationaler Holocaust-Gedenktag mit Schülern der GHW-Realschule und Realschule Bisingen), mit  Schüleraktionen auf dem Geschichtslehrpfad, einem Lehrer- und einem Referendar-Seminar.

Es gibt eine Neuauflage „Berufswahl“ von Otto Gunsberger und ein neues Materialienheft (Lese-und Arbeitsheft) der Landeszentrale für politische Bildung, Stuttgart: „Wir sind gezeichnet fürs Leben, an Leib und Seele“ (Unternehmen „Wüste“ das südwürttembergische Ölschieferprojekt und seine sieben Konzentrationslager) mit Autoren der Initiative Eckerwald und der Gedenkstätte KZ-Bisingen e.V.

DSCF0785-65 Jahre KZ-FRiedhof Bisingen:Dr. Zekorn&GästeAls besonderer Höhepunkt ist wohl die Veranstaltung „65 Jahre KZ-Friedhog Bisingen“ am 29. April zu benennen.  Bisingens Bürgermeister Joachim Krüger –  Balingens Kreisarchivar Andreas Zekorn und Baden-Württembergs Landesrabbiner Nathanael Wurmser, IRGW-Stuttgart und die Pfarrer der Evangelischen und Katholischen Gemeinde Bisingens, viele Freunde des Gedenkstättenverbundes „Gäu-Neckar-Alb“ und viele Freunde des Vereins hatten sich  Zeit genommen, um der Opfer des Wüstewerk 2, Bisingen, zu gedenken.


Dr. Gideon Greif Bisingen -3Die Vortragsabende mit Dr. Gideon Greif – Historiker Israel/USA, zum Thema Funktionshäftlinge) und Yad vashem - Votrag Arik Rav-On Vortrag 3Arik Rav-On. Direktor für die deutschsprachigen Länder und die Schweiz von Yad Vashem über Arbeit, Ziele, Visionen von Yad Vashem konnten viele interessierte Zuhörer verzeichnen.

Es gab auch in diesem Jahr wieder viele Schüler- und Besuchergruppen – die genaue Anzahl wird noch ermittelt.

Der Verein hat jugendlichen Zuwachs erhalten – drei junge Männer, zwei davon sind ehemalige Schüler von Dieter Grupp, sind Mitglieder des Vereins geworden und bringen sich bereits als aktive Mitarbeiter ein. Einer von ihnen hat am „Jugendguide-Projekt“ von Kreisarchivar Dr. Sannwald, Tübingen, teilgenommen. Ein dritter junger Mann aus Balingen wurde ebenfalls Mitglied – sein kleiner Bruder hat an einer der vergangenen AG-Spurensuche-Projekte teilgenommen. Es wurden auch mehrere GFS-Projekte (Gleichwertige Feststellung von Schülerleistungen) durchgeführt.

Wir haben Abschied genommen von Isak Wasserstein, München, der am 05. Januar 2012 verstarb.

Franziska Blum, Tübingen, ist seit dem 1. September 2012 als Nachfolgerin von Hanne Grunert bei der Gemeinde angestellt. Wir danken Frau Blum dafür, dass sie schon nach kurzer Zeit so gut mit unserem Verein kooperiert.

Wir möchten an dieser Stelle Hanne Grunert noch einmal großen Dank aussprechen für sieben Jahre außerordentlich gute Zusammenarbeit mit unserem Verein und wünschen ihr für den künftigen Weg alles Gute und Erfolg.

Danken möchten wir Ihnen/Euch allen für die Unterstützung in der Arbeit „Gegen das Vergessen“ – und Rosel Waserstein mit Bürgermeister Krüger und Hanne G.ein besonderer Dank geht an unseren Bürgermeister Herrn Joachim Krüger für die großzügige Unterstützung unseres Vereins und die Aufrechterhaltung der Kontakte zu unseren Überlebenden und ihren Angehörigen. (BM Krüger, Rosel Wasserstein, Hanne Grunert/ Besuch bei R. Wasserstein in München 08/2013)

Logo - LpBDie Landeszentrale für politische Bildung Stuttgart, Gedenkstättenarbeit, hat uns auch in diesem Jahr wieder sehr großzügig mit finanzieller Hilfe unterstützt – so geht auch nach Stuttgart unser Dank.

Für 2013 haben wir uns viel vorgenommen und vertrauen darauf, dass wir auch im neuen Jahr mit Ihrer/Eurer freundlichen Unterstützung rechnen dürfen. Dafür im Voraus vielen Dank!

Über alle Aktivitäten sind unter der Kategorie 2012 ausführliche Berichte mit vielen Bildern und Presseberichten zu finden. 

Informationsabend über das Unternehmen „Wüste“ und den Bisinger Verein – 05.12.2012 Mössingen

Reihe -Erinnerungen für die Verantwortung heute“ Zur Geschichte des  Unternehmen „Wüste“‚ in der Region Vortrag von Uta Hentsch, Verein Gedenkstätten KZ Bisingen

Informationsabend über Unternehmen %22Wüste%22Mittwoch 5. Dezember 2012, 19.00-21.00 Uhr
Veranstaltungsraum Kulturscheune Mössingen Mit diesem Informationsabend soll an das Unternehmen „Wüste“ und an die dortigen vielen tausend Zwangsarbeiter und Toten erinnert werden. Das Unternehmen „Wüste“ lag auf der Fläche der heutigen Landkreise Rottweil, Zollernalb und Tübingen. Es reichte von oberhalb Rottweil bis nach Dußlingen. Der Verein Gedenkstätten KZ Bisingen hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Geschichte dieses Unternehmens und des „Wüstewerk 2″, in Bisingen“, nur eines von den sieben oftmals absichtlich vergessenen „Wüste“-Lagern, aufzuarbeiten.

Veranstalter: Löwenstein-Forschungsverein e.V. in Zusammenarbeit mit dem Verein Gedenkstätten KZ Bisingen e.V. Moderation: Welf Schröter.

Eintritt frei.

Mössingen:Foto Werner SteinmetzFoto: W. Steinmetz

07.12.2012 Schwäb.Tagblatt:Mössingen

Mut zur Erinnerung – ein tief bewegender Ausflug am Volkstrauertag

Bericht von Ursula Rauscher – Schwäbischer Albverein vom Besuch der Gedenkstätten KZ Bisingen am 18. November 2012:

Am Volkstrauertag gedenkt man traditionell der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft. Das ist kein Tag für eine Wanderung, meinen Viele im Schwäbischen Albverein. Warum eigentlich nicht, fragte sich Uli Gänzle von der Ortsgruppe Mittelstadt und organisierte einen dem Tag angemessenen Ausflug. Als Jugendlicher war er öfters mit seinen Eltern am KZ-Friedhof in Bisingen vorbeigefahren. Als Erwachsener hat er sich daran erinnert und nachgeforscht, was es damit auf sich hat. Dabei hat er die Ausstellung über das KZ Bisingen im Heimatmuseum und den Geschichtslehrpfad entdeckt.  Jetzt war er mit 22 Wanderfreunden aus Mittelstadt, Oferdingen, Betzingen, Sondelfingen, Süßen, Burladingen und Ringingen dort.  Die meisten der Teilnehmer wussten zwar, dass es auch bei uns KZ-Lager gegeben hat, aber von Bisingen hatten sie bisher nichts oder nur wenig gehört.

Uta Hentsch vom Verein Gedenkstätten KZ Bisingen e.V. erzählte sehr einfühlsam vom Leben und Schicksal der Häftlinge und führte die Gruppe zu den einzelnen Stationen: vom Bahnhof zum KZ-Gelände, zur Abbruchkante des Schiefers, zum Öltank und der ehemalige Brech- und Siebanlage. Ab August 1944 wurden 4150 Männer nach Bisingen verschleppt, darunter ein Drittel Juden. Sie sollten für das Unternehmen „Wüste“ Ölschiefer abbauen, teils mit bloßen Händen, um daraus Treibstoff zu gewinnen. Mindestens 1187 Häftlinge überlebten den harten Alltag in diesem als Werk 2 bekannten KZ-Lager nicht.

Die Führung endete mit dem Besuch des Heimatmuseums und seiner Dauerausstellung. Tief bewegt und betroffen wurde die Heimreise angetreten. Eine Teilnehmerin sprach aus, was andere dachten: „Die Geschichte als Film zu sehen ist etwas anderes, als das hier zu sehen und zu erfahren. Es ist beschämend was diesen Menschen angetan wurde“. Alle waren sich einig, es war richtig herzukommen und sich mit der Vergangenheit auseinander zu setzen. Denn das was passiert ist, darf nicht in Vergessenheit geraten, so schmerzlich die Erinnerung auch sein mag.  – ukr

Bilder von U. Rauscher und W. Herrmann

Yad Vashem – Aufgaben/Ziele/Visionen – Vortrag von Arik Rav-On beim Verein „Gedenkstätten KZ Bisingen“

(←Yad Vashem Eingangsbereich) Zu einem Vortrag über Yad Vashem, Arbeit, Ziele und Visionen hatte der Verein Gedenkstätten KZ Bisingen zum Dienstag, 13. November 2012 eingeladen. Der Referent war Arik Rav-On, Direktor für die deutschsprachigen Länder und die Schweiz, Yad Vashem.

Der Kontakt zur Gedenkstätte Yad Vashem besteht sei dem Frühjahr 2011, als der Verein Gedenkstätten KZ Bisingen Mitglied des Freundeskreis Yad Vashem Deutschland e.V. wurde. Der Referent, Arik Rav-On, betreute die Bisinger Vertreter während der Kranzniederlegung für die Jüdischen Opfer des KZ Bisingen am „Jom HaShoa“ im Mai 2011 in Yad Vashem (siehe Link: Kranzniederlegung in Yad Vashem Mai 1011

Yad Vashem – ‚Denkmal und Name’ – ist die international bedeutsamste Gedenkstätte zum Holocaust und wurde 1953 in Jerusalem gegründet. Die Namensgebung hat ihren Ursprung in Jesaja 56,5: „Ihnen allen errichte ich in meinem Haus und in meinen Mauern ein Denkmal, ich gebe ihnen einen Namen, der mehr wert ist als Söhne und Töchter: Einen ewigen Namen gebe ich ihnen, der niemals getilgt wird.“ Yad Vashem erinnert an die Verfolgung und Ermordung von sechs Millionen Juden während des Holocausts. Sie erinnert weiterhin an die aufgelösten und zerstörten jüdischen Gemeinden, an Tapferkeit und Heldentum der Soldaten, Untergrundkämpfer und Gefangenen und an die Gerechten unter den Völkern, die für die Rettung von Juden ihr Leben aufs Spiel gesetzt haben.

Die Gedenkstätte Yad Vashem und das ihr angeschlossene Institut liegen auf dem „Berg der Erinnerung“ (hebr. har ha-zikaron), einer Hügelkette an den westlichen Ausläufern Jerusalems. Verschiedene Denkmalsstätten, ein historisches Museum, ein Zentralarchiv und ein Forschungszentrum zur Dokumentation des Holocaust gehören zum gesamten Komplex.  Die Hauptaufgabe der Gedenkstätte liegt darin, die Erinnerung an den Holocaust, die bis in unsere Tage unzähligen, hartnäckigen Verleugnungen unterliegt, und seine Lehren für zukünftige Generationen wach zuhalten und zu bewahren. Die weltweit größte und umfangreichste Sammlung zum Holocaust befindet sich an diesem Ort.  Auch die Geschichte des Unternehmen „Wüste“ mit dem ‚Wüstewerk 2’, Bisingen, ist bis ins Jahr 2011 ins Archiv von Yad Vashem eingebracht.

Das Internationale Institut für Holocaust-Forschung koordiniert und unterstützt Forschungsprojekte auf nationaler und internationaler Ebene. Konferenzen und Kolloquien werden organisiert. Im Bereich der Erziehung liegt eine wesentliche Aufgabe der Gedenkstätte. Jährliche Kurse mit tausenden von Teilnehmern aus den verschiedensten Erziehungsbereichen werden von der Internationalen Hochschule für Holocaust-Studien in Hebräisch und sieben weiteren Sprachen durchgeführt. Hochqualifizierte Mitarbeiter werden von Yad Vashem ins Ausland gesandt, um dort Wissen und Bildung über den Holocaust mit zutragen und zu fördern.

Arik Rav-On zeigte zu Beginn seines Referats ein eindrückliches Bild, dass sogleich alle Themenbereiche der Gedenkstätte auf „einen Blick“ zur Kenntnis brachte. Er begann seinen Vortrag dann mit der Entstehungsgeschichte, am 19. August war die Gründung, und wie dann im Laufe der Jahre  die Weiterentwicklung voranging bis dann im März 2005 das „Historische Museum“ als Zentrum der Geschichte der der Juden eröffnet wurde. Link:  Das Historische Holocaust Musem Dieser Link enthält viele Unterteilungen – die Bilder sprechen für sich – leider gibt es dazu keine deutsche Version.

S0 Zuhörer, darunter Bisingens Bürgermeister Joachim Krüger hörten den Ausführungen von Herrn Arik Rav-On mit großer Aufmerksamkeit zu – Fragen durften zu jeder Zeit an den Referenten gestellt werden. Der einhellige Tenor am Ende dieser interessanten Veranstaltung: es war ein sehr informativer, aufschlussreicher und sehr gelungener Abend.

Bei der Verabschiedung des Referenten dankte die Vorsitzende des Verein Gedenkstätten KZ Bisingen dem Referenten dafür, dass er sich Zeit genommen hatte nach Bisingen zu kommen und der Landeszentrale für politische Bildung, Stuttgart – Abteilung „Gedenkstättenarbeit“ für die freundliche finanzielle Unterstützung . Bürgermeister Joachim Krüger bedankte sich ebenfalls und meinte abschließend: „vielleicht sieht man sich ja hier in Bisingen noch einmal wieder.“

Bilder von Yad Vashem / Links zur Gedenkstätte Yad Vashem (von links nach rechts: Tal der Gemeinden, siehe: Haigerloch/Hechingen / Gedenkstätte für 1,5 Millinen ermordeter Kinder / Eingang zum Historischen Holocaust Museum / Ende des Tunnels vom Holocaust Museum mit Blick auf Jerusalem / Link (deutsch)Yad Vashem – Über den Holocaust

←Mit Freunden aus Berlin vor dem Heimatmuseum Bisingen mit der Ausstellung: „Mut zur Erinnerung – Mut zur Verantwortung“ (alle Fotos U. Hentsch)

←Presseberichte!



 

„Berufswahl“ von Otto Gunsberger – Überlebender des KZ Bisingen/Neuauflage

Der Verein „Gedenkstätten KZ Bisingen“ hat mit freundlicher Unterstützung der Landeszentrale für politische Bildung, Abtlg. „Gedenkstättenarbeit“, Stuttgart, eine Neuauflage des Buches von Otto Gunsberger:  „Berufswahl“ heraus gebracht.

Verlag: Books on Demand        ISBN 978-3-8448-9396-0

Vorwort der Herausgeber der Neuauflage 2012

Otto Gunsberger wurde 1926 in Nagykanisza, Ungarn, geboren. Im April 1944 kurz nach der deutschen Besetzung Ungarns wurde die Familie von Otto Gunsberger in ein Lager gebracht – dort nach wenigen Tagen der SS übergeben und in Güterwaggons verfrachtet.“ Nach 3 Tagen Fahrt war das Ziel: Auschwitz/Birkenau erreicht. Es folgten als weitere Leidensstationen das KZ Buchenwald und im März 1945 das KZ Bisingen.

Nach Auflösung des Lagers Bisingen im April 1945 kam Otto Gunsberger mit einem Transport in offenen Güterwagen nach Dachau-Allach und erlebte dort im Mai 1945 die Befreiung durch die Amerikaner. Nach 3 Monaten Krankenstation beschlossen Otto Gunsberger und zwei seiner Kameraden nach Ungarn zurück zu gehen. In Budapest fand er seinen Vater in dem Haus, das dieser in der Zeit der Verfolgung als Zufluchtsstätte benutzt hatte. „Wir fielen uns in die Arme und weinten vor Freude.“ Von den Verwandten gab es keine Nachricht.

Nach dem Ungarn-Aufstand 1956 wanderte Otto Gunsberger mit seiner Familie nach Australien aus und lebt seit 1957 mit seiner Frau Eve in Melbourne.

(Foto: U.He-Besuch im Mai 2009) Sechs Mal besuchte Otto Gunsberger mit seiner Frau Eve Bisingen. Beide waren Gäste der Gemeinde Bisingen zur Eröffnung des Heimatmuseums mit der Ausstellung „Schwierigkeiten des Erinnerns“ im November 1996 und zur Eröffnung des Geschichtslehrpfads und Enthüllung des Jüdischen Gedenksteins auf dem KZ-Friedhof Bisingen im Oktober 1998. Vier weitere Besuche folgten in den Jahren 2001/2004/2005 und zuletzt im Mai 2009. Als Zeitzeuge besuchte Otto Gunsberger immer in Begleitung seiner Frau Eve Schulen in Bisingen, Hechingen, Haigerloch, Balingen u.a.

(Foto: U.He-Besuch im Mai 2009) Wir sagen Otto Gunsberger und seiner lieben Frau Eve herzlichen Dank für die Freundschaft und das Vertrauen, die sie uns bis heute geschenkt haben. Wir danken Otto Gunsberger für die vielen Zeitzeugenberichte in den Schulen und danken ihm im Besonderen für die Übertragung der Autorenrechte für eine Neuauflage 2012

Wir danken der Landeszentrale für politische Bildung, Stuttgart – Gedenkstättenarbeit – für die freundliche Unterstützung.

Unser Dank geht auch an die örtlichen Buchhandlungen, die sich am Verkauf beider Neuauflagen: „Ich stand an der Rampe von Auschwitz“ von Isak Wasserstein 2011 und Berufswahl“ von Otto Gunsberger 2012 – beteiligen:

bsb-Bogenschütz, Bisingen, Laiblache 2 /// DAS BUCH, Hechingen, Obertorplatz  12 /// Buchhandlung WELTE, Hechingen, Marktplatz 4

Der Vorstand „Gedenkstätten KZ Bisingen e.V.“ – im Juni 2012

Beide Autoren berichten in ihren Aufzeichnungen über die letzte Station ihrer langen Leidensodysee über „Die Hölle im Schiefer“ – das KZ BISINGEN

Otto und Eve Gunsberger in BIsingen 2009

Isak Wasserstein zum Gedenken

„Das Grauen war genau vor Ort“ – junge Abiturienten in der KZ-Ausstellung in Bisingen

Am 19. August 2012  erhielt die Vorsitzende des Vereins Gedenkstätten KZ Bisingen per E-Mail folgende Anfrage: „Ich heiße Frederik Klett und habe mich nach meinem Abitur dieses Jahr in Hechingen endlich nähers mit dem KZ Bisingen auseinander gesetzt. Da ich in Kürze für ein Jahr nach Australien gehen werde, wollte ich Sie fragen, ob ein Besuch bei Otto Gunsberger in Melbourne eventuell möglich ist und falls dem so ist, ob sie mir vielleicht dabei helfen könnten einen Kontakt aufzubauen?

Des weiteren schreibe ich gelegentlich für die Hohenzollerische Zeitung Artikel und da ich mit einigen Freunden vor kurzer Zeit das KZ Museum gerade mal erstmals aufgesucht habe, würde ich gerne einen Artikel darüber schreiben, in die Richtung gehend, wie die junge „Abiturientengeneration“ zu Nationalsozialismus und der Arbeit gegen das Vergessen steht.

Natürlich in enger Absprache mit Ihnen als Vereinsvorsitzende, wenn Sie dazu Lust hätten und mit einem Artikel einverstanden wären.

Danke im Voraus! Mit freundlichen Grüßen, Frederik Klett“

Diese Mail wurde natürlich nur allzu gern beantwortet, der beigefügte Artikel erforderte lediglich die Korrektur einer Zahlenangabe und ist am 28. 09. 2012 im Bisinger Lokalteil der „Hohenzollerische Zeitung“ erschienen.

Die Erfahrung in jüngster Zeit zeigt, dass sich weitaus mehr junge Menschen für die die Deutsche Vergangenheit unter dem Nazi-Regime interessieren und auch „aktiv“ dabei sein möchten! Eine gute Entwicklung in der Arbeit „gegen das Vergessen“!

Frederik Klett erhielt die Adresse von Otto Gunsberger, Überlebender des KZ Bisingen,  und einen Tag vor seiner Abreise noch ein Buch von Otto Gunsberger aus einer Neuauflage 2012: „Berufswahl“ nebst guten Wünschen für’s Unterwegssein in den kommenden neun Monaten und liebe Grüße an Eve und Otto Gunsberger.

  

Lehrerseminar zum Thema Unternehmen „Wüste“ in Bisingen und Eckerwald am 19. September 2012

Im Frühjahr 2012 hatte die Landeszentrale für politische Bildung (LpB), Stuttgart ein neues Lese- und Arbeitsheft zum Thema Unternehmen „Wüste“ herausgebracht. Ein von der LpB zu diesem Thema ausgeschriebenes Angebot zu einem Lehrerseminar wurde sehr gut angenommen, so dass am Ende noch eine Warteliste entstand.

Am Mittwoch, 19. September 2012 trafen sich 26 Teilnehmer aus der Region  im Heimatmuseum – „Mut zur Erinnerung – Mut zur Verantwortung“ – Bisingen zu  einem gemeinsamen Tag des Hörens und Lernens über das Unternehmen „Wüste“ . Über den Verlauf des Tages kann in nebenstehenden Pressebericht, den Dieter Grupp, 2. Vorsitzender des Vereins „Gedenkstätten KZ Bisingen“ geschrieben hat, nachgelesen werden.

Bilder vom Vormittag im Heimatmuseum Bisingen (Referenten im Bild: Gerhard Lempp, Hanne Grunert, Dieter Grupp).

In langer Wagenkolonne ging es nach dem Mittagessen, gesponsert von der LpB im Bisinger Gasthaus Rose, zum KZ-Friedhof Schömberg und dem direkt anschließenden Lernort „Wüste“ mit dem Namenswürfel, auf dem alle 1774 Namen der Opfer aufgeschrieben sind. Ein stilles Gedenken gab es für Walter Heidger-Looser, der in mühsamen und akribischen Nachforschungen die vielen Namen zusammen getragen hat und vor zwei Jahren sehr plötzlich und viel zu früh verstarb.

Anschließend ging es weiter zur Gedenkstätte Eckerwald, in der es, ganz anders als in Bisingen, noch viele „Wüste“-Relikte zu sehen gibt. In der großen Grube, die die Häftlinge ausheben mussten befindet sich heute der Gedenkort an dem in jedem Jahr die Gedenk-Initiave Eckerwald gemeinsam mit den noch Überlebenden und den Angehörigen der Opfer aus Polen, Luxemburg, Niederlanden und Norwegen einen großen Gedenktag hat.

Nachzutragen wäre noch ein Punkt, der natürlich auch zu diesem Tag gehörte: für das leibliche Wohl gab es Butterbrezeln nach Ankunft der Teilnehmer von der Gemeinde Bisingen. Für Getränke hatte der Gedenkstättenverein Bisingen gesorgt.

 (Frau Thelen, Lpb, Gerhard Lempp, Ortsvorsteher Josef Rissler) Zu Kaffee und Kuchen  am Ende eines informationsreichen des Tages hatte Ortsvorsteher von Schörzingen, Josef Rissler, ins Bürgerhaus Schörzingen eingeladen. Er begrüßte die Gruppe sehr herzlich und berichtete, warum ihm die Arbeit gegen das Vergessen so wichtig ist. Frau Thelen leitete dann dazu über, den Tag kurz zu reflektieren und bat die Teilnehmer um ein persönliches Resümee zum Gesamtablauf dieses ersten Lehrerseminar-Projektes.  Ein besseres Feedback, als das was abgegeben wurde, kann es nicht geben – der Tag wurde einstimmig als hervorragende Veranstaltung beschrieben – er hätte alles erfüllt, was man sich vorgestellt hätte. Den beteiligten Mitarbeitern der beiden Gedenk-Vereine wurde großes Lob, auch seitens der Landeszentrale für politische Bildung ausgesprochen. Dank ging auch an die Gemeinde Bisingen und Herrn Rissler für die Unterstützung dieser Veranstaltung wie an die Referenten, Hanne Grunert, Kerstin Timme – sie hatte am Vormittag die Internetseite und ihre Nutzung des „Gedenstättenverbundes Gäu-Necker-Alb e.V.“ vorgestellt, und an Gerhard Lempp.

Fotos: U. Hentsch